Kubas Bischöfe für Dialog mit oppositionellen Künstlern

  • Karibik - 15.12.2020

Im Streit zwischen Staat und einer Gruppe unabhängiger Kulturschaffender auf Kuba hat sich die Kirche klar positioniert. Die Documenta-Künstlerin Tania Bruguera begrüßt die Initiative.

Seit Wochen dauert auf Kuba ein Streit zwischen der Bewegung 27. November (27N) und der sozialistischen Regierung um Präsident Miguel Diaz-Canel an. Die nicht in regierungsnahen, staatlichen Institutionen organisierten Künstler verlangen politische Freiheit und einen Dialog über das umstrittene Dekret 349, das Auftritte von Kulturschaffenden streng reglementiert. Jüngst verliehen mehr als 100 Künstler ihren Forderungen mit einer offenen Demonstration vor dem Kulturministerium in Havanna Nachdruck – auf Kuba äußerst ungewöhnlich.

Seitdem haben Staatssicherheit und Polizei den Druck auf die alternative Kunstszene nach deren Angaben deutlich erhöht. Mobiltelefone seien konfisziert, zahlreiche Künstler unter Hausarrest gestellt worden. Die Regierung wirft der Szene vor, aus den USA finanziert zu sein und Verbindungen zu terroristischen Kreisen zu unterhalten. Kuba sei immer zu Dialog bereit, wenn er dem Sozialismus und der Revolution diene. Nicht offiziell organisierten Künstlern ist es praktisch unmöglich, im eigenen Land an öffentliche Gelder oder Zuschüsse zu gelangen, wenn sie sich den staatlichen Organisationen verweigern.

Nun hat sich die Kubanische Bischofskonferenz indirekt hinter die streikenden Kulturschaffenden gestellt. In ihrer Weihnachtsbotschaft beten die Bischöfe darum, dass „Intoleranz einer gesunden Pluralität weichen“ möge, so dass ein „Dialog und Verhandlungen zwischen denen, die unterschiedliche Meinungen und Kriterien vertreten“, entstehen könnte. Die international renommierte Documenta-Künstlerin Tania Bruguera begrüßte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) den Vorstoß der Bischöfe. Die Bewegung 27N spreche alle Kubaner an, nicht nur die Intellektuellen. Und sie suche einen friedlichen Weg, „um die Dinge zu ändern, die auf Kuba nicht funktionieren“.

Zuletzt hatte die alternativen Kunstszene immer wieder versucht, die Kirche um Vermittlung zu bitten. So berichteten regierungskritische Portale, jüngst hätten sich zwei Organisationen mit einem Brief an Havannas Kardinal Juan de la Caridad Garcia Rodriguez gewandt. Er solle sich für die Mitglieder der zivilgesellschaftlichen Organisation „Movimiento San Isidro“ einsetzen, die in der Altstadt von Havanna einen solidarischen Hungerstreik begonnen hatten.

Der Hungerstreik war eine Reaktion auf die Verhaftung des Rappers Denis Solis, dessen Freilassung die Aktionskünstler forderten. Die Protestaktion der Bewegung San Isidro löste die Polizei daraufhin auf – was eine noch breitere Solidarisierung der Kunstszene zur Folge hatte.

In einem Interview der Zeitung „Die Welt“ hatte Bruguera jüngst die Forderungen der alternativen Kunstszene zusammengefasst: „Wir haben das Recht auf politische Freiheit herausgestellt, denn ohne kann es keine Meinungsfreiheit, keine Versammlungsfreiheit geben“, so die Kubanerin. Zudem forderten die Protestierenden eine Gewerkschaft für unabhängige Künstler, die Freilassung von Gefangenen, eine Ombudsstelle für das Volk und ein Gericht, das die Verfassungsrechte garantiert. „Die Ironie ist, dass wir nur die Umsetzung der Verfassung fordern. Der Innenminister und die Staatssicherheit brechen unsere verfassungsmäßig verankerten Rechte. Sie machen uns zu Anarchisten“, so Bruguera.

Von Tobias Käufer (KNA)

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