
„Klimakleber-Pater“ geht freiwillig in den Knast
Nürnberg ‐ Nun also doch: Der Jesuit Jörg Alt muss ins Gefängnis. Der Migrationsforscher und Klimaaktivist spricht von der „letzten Form des Protests, die mir noch bleibt“.
Aktualisiert: 02.04.2025
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Jörg Alt, Jesuit und Klimaaktivist, ist am Dienstag in Nürnberg ins Gefängnis eingerückt. Der Ordensmann trat eine 25-tägige Ersatzfreiheitsstrafe an. Auf den Termin hatte er nach eigenen Worten keinen Einfluss.
Zuvor hatte sich Alt geweigert, eine Geldstrafe zu zahlen, zu der ihn das Bayerische Oberste Landesgericht im November in letzter Instanz verurteilt hatte. Auch eine alternativ angebotene Verrichtung sozialer Arbeit schlug er aus. Der Jesuit hatte sich 2022 an einer Straßenblockade in Nürnberg beteiligt. Wegen Nötigung sollte er 500 Euro Strafe zahlen. Ein weiteres Verfahren wegen einer solchen Aktion in München ist noch anhängig.
„Ich mache das nicht gerne, insbesondere, weil meine Gesundheit mit nunmehr 63 Jahren nicht mehr die beste ist“, sagte der Priester. „Ich sehe aber dazu keine Alternative, denn es ist die letzte Form des Protests, die mir im konkreten Fall verbleibt, um Aufmerksamkeit auf wichtige Themen zu lenken.“ Zugleich forderte er die Regierungen in Bund und Ländern auf, ihre politischen Maßnahmen dem Ernst der Lage anzupassen.
In einem Brief appellierte er an die Spitzen von Union und SPD, die Stimme der Wissenschaft in ihren Koalitionsverhandlungen stärker zu berücksichtigen. Deutschland müsse seinen Ausstoß von Kohlendioxid schneller senken. „Ebenso Besorgnis erregend sind Gerüchte, dass Mittel für die armen Länder im Globalen Süden drastisch gekürzt werden sollen, die diese für Armutsbekämpfung und Anpassung an den Klimawandel benötigen.“
Der Potsdamer Klimaforscher Wolfgang Lucht bekundete Respekt für Alt. Der Jesuit habe sich sein Leben lang für Menschenrechte und für Hilfsbedürftige eingesetzt. Wenn sich eine Person dazu mit ihrem verletzlichen Körper vor eine Maschine setze, wie bei einer Straßenblockade, habe dies eine hohe Symbolkraft. Völlig unverhältnismäßig sei es dagegen, die Verursachung eines kurzzeitigen Staus zu einem kriminellen Akt zu stilisieren.
Lucht sagte, die Notlage, auf die sich Klimaaktivisten wie Alt bei ihren Aktionen beriefen, entspringe nicht persönlichem Empfinden. Sie sei wissenschaftlich begründet. Viel Zeit, um das Schlimmste zu verhindern, bleibe nicht mehr. Zugleich seien die erwartbaren Folgen dramatisch. Für hunderte Millionen Menschen werde ihre Heimat unbewohnbar, wenn die Klimaerhitzung nicht stärker eingedämmt werde. Die Irrtumswahrscheinlichkeit für solche wissenschaftlichen Prognosen lägen nahe bei Null. Dennoch sei die Welt von den vereinbarten Pariser Klimazielen meilenweit entfernt.
Mit dem Haftantritt des Jesuiten wurde auch ein Spendenaufruf veröffentlicht. „Ich möchte nicht, dass der Steuerzahler für Haftkosten aufkommt, die ich aus Gewissensgründen verursache“, erklärte der Pater. Den Betrag von 4.500 Euro werde er nach seiner Entlassung auf das Konto überweisen, auf das er seine Strafe hätte zahlen sollen. Sollten mehr Spenden eingehen, werde er damit andere Aktivisten bei ihren Rechtsverfahren unterstützen.
KNA

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