Gebäude der Unicef in Köln.
Nachbeben hören nicht auf

Vereinte Nationen fordern mehr Hilfe für Erdbebenopfer in Myanmar

Köln/Freiburg/Berlin  ‐ Helfer vor Ort berichten von katastrophaler Not. Tausende Menschen starben in Myanmar, Millionen Menschen sind obdachlos. Noch immer werden Leichen geborgen. Christliche Organisationen weiten ihre Katastrophenhilfe aus.

Erstellt: 02.04.2025
Aktualisiert: 02.04.2025
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Nach dem schweren Erdbeben in Südostasien rufen die Vereinten Nationen zu mehr internationalen Hilfen für die Opfer der Naturkatastrophe auf. Bislang seien für Myanmar weniger als zehn Prozent des vom Kinderhilfswerk Unicef geforderten Nothilfeetats zugesagt, erklärte die UN-Organisation am Dienstag in Köln.

Das Beben vom 28. März habe Häuser, Schulen, Krankenhäuser und die gesamte Infrastruktur schwer beschädigt oder zerstört, sagte Unicef-Sprecherin Julia Rees. Ganze Ortschaften seien von Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten abgeschnitten. „Die Nachbeben hören nicht auf. Die Such- und Rettungsmaßnahmen laufen weiter, und immer noch werden Leichen aus den Trümmern geborgen.“ Auch Thailand ist betroffen.

Unterdessen weiteten christliche Hilfsorganisationen ihre Katastrophenhilfe für Myanmar aus. Das Erzbistum Köln stellte am Dienstag 300.000 Euro zur Verfügung. Weitere Diözesen, darunter das Bistum Fulda, beteiligten sich. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rief zu Spenden und Gebeten für die Opfer auf. Noch seien die genauen Opferzahlen nicht bekannt, klar sei aber, dass mit Myanmar eines der ärmsten Länder Südostasiens getroffen wurde, schrieb Bätzing in einem über die Sozialen Medien verbreiteten Aufruf.

Die Hilfsorganisation Caritas international erweiterte ihre Katastrophenhilfe auf 300.000 Euro. Derzeit fehle es an allem, vor allem an Medikamenten und Notunterkünften, sagte der Caritas-international-Leiter Oliver Müller. Trotz der extrem schwierigen Katastrophenlage sei es für die Caritas möglich, über kirchliche Strukturen vor Ort Hilfe zu den Menschen zu bringen, sagte Müller. Viele Menschen hätten in Kirchengemeinden vorläufig Zuflucht gefunden.

Caritas international forderte die Konfliktparteien des Bürgerkriegs in Myanmar zu einem Ende der Kämpfe auf. Die Waffen müssten jetzt schweigen. „Alle müssen jetzt an einem Strang ziehen, um nichts anderes kann es im Augenblick gehen“, sagte Müller.

Missio Aachen stellte seinen Partnern in Myanmar 144.000 Euro für die Versorgung der Betroffenen zur Verfügung. Die Missio-Partner verteilen damit über das kirchliche Netzwerk in Myanmar Wasser, Lebensmittel, Hygiene-Artikel, Mückennetze und Medikamente. Sie bieten zudem psychologische Erste Hilfe für traumatisierte Menschen an. Mittelfristig wollen die Missio-Partner die Menschen auch bei der Rückkehr in ihre Häuser unterstützen. Weitere Projekte sind derzeit in Bearbeitung, für die Partnerorganisationen gerade ihre Bedarfe melden.

Um die Hilfe möglichst schnell zu verteilen, arbeitet Missio in den Regionen um Mandalay und Sagaing eng mit den dortigen Diözesen, Ordenskongregationen, der lokalen Caritas und örtlichen Gemeindepfarrern, Schwestern und buddhistischen Mönchen zusammen. Behindert wird die Verteilung teilweise aber durch anhaltende Luftangriffe der Militärjunta auf Gebiete, die von Widerstandsgruppen kontrolliert werden. Der Junta wirft das Hilfswerk daher vor, ausländische Hilfstrupps zu behindern.

Der Malteser Hilfsdienst erklärte, die Überlebenden des Erdbebens seien wegen der katastrophalen hygienischen Zustände von Epidemien bedroht. „Unsere Priorität ist es daher, den Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Erstversorgung und Hygieneartikel sicherzustellen“, sagte ein Malteser-Sprecher.

Experten gehen davon aus, dass bei dem Beben am 28. März in Myanmar mehrere tausend Menschen starben. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind neun Millionen Menschen von der Zerstörung betroffen, mehr als 120.000 Gebäude seien zerstört.

KNA/Volker Hasenauer

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