Afrika hofft auf Papst Franziskus als Vermittler

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  • Papst - 02.09.2019

Für viele Katholiken im südlichen Afrika wird der bevorstehende Besuch von Papst Franziskus der Höhepunkt ihres bisherigen religiösen Lebens. Der Großteil der Bewohner hofft aber auf mehr als nur spirituelle Impulse.

Papst Franziskus bricht nach Afrika auf. Die Erwartungen an seine Reise nach Mosambik, Madagaskar und Mauritius von Mittwoch bis Dienstag sind nicht nur spiritueller Natur. Die Bewohner Südostafrikas hoffen vor allem auf eine politische, versöhnende Botschaft.

In Mosambik, der ersten Station der Reise, herrscht nach einem blutigen Bürgerkrieg seit 27 Jahren Frieden. Eigentlich. In den vergangenen Jahren jedoch kam es immer wieder zu Guerilla-Anschlägen auf Polizeistationen und Kliniken – und zu etlichen Toten. Anfang August besiegelten die Vertreter der regierenden Partei Frelimo und der oppositionellen Renamo erneut den Frieden. Im Oktober soll gewählt werden. In diesem angespannten Klima trifft Papst Franziskus mit Staatspräsident Filipe Nyusi und weiteren Politikern zusammen.

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Und es gebe weitere offene Wunden, für deren Heilung viele auf Franziskus hofften, so der südafrikanische Priester Michael Lapsley. Als Beispiel nennt er die Ermordung des katholischen Priesters Mateus Pinho Gwenjere. Lapsley traf im Juni mit Franziskus zusammen. Er hofft auch auf eine „Entschuldigung“ für die historische Rolle der Kirche in Mosambik – denn der Großteil der katholischen Führer habe sich während der Kolonialzeit mit den Besatzern verbrüdert.

Gefordert ist Franziskus zudem bei einem Treffen mit muslimischen Vertretern. Seit zwei Jahren kommt es in der nordmosambikanischen Provinz Cabo Delgado immer wieder zu Anschlägen durch Islamisten mit Dutzenden Toten. Manch einer sieht in Franziskus einen geeigneten Vermittler.

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Auch auf Madagaskar, der zweiten Station, lief politisch zuletzt nicht alles glatt. Das Ringen zwischen Präsident Andry Rajoelina und seinen Gegnern bremste die Entwicklung des Inselstaats. Viele Madagassen hoffen, dass der Papst, wie schon bei seiner ersten Afrika-Reise 2015, ein Plädoyer gegen machthungrige Autokraten im Gepäck hat. „Diese Botschaft könnte sich um gute Regierungsführung und den Kampf gegen Korruption drehen“, sagt Ketakandriana Rafitoson, Direktorin von Transparency International Madagascar. Franziskus sei in erster Linie eine „politische Person“ und sein Engagement hinreichend bekannt.

Über den akuten Krisen schwebt die alltägliche Armut in der Region. Auf Madagaskar leben mehr als 70 Prozent der Bevölkerung in extremer Armut, in Mosambik mehr als 60 Prozent. Der ugandische Menschenrechtsaktivist Crispy Kaheru wirft Religionsgemeinschaften in Afrika vor, durch „Sklaverei und Kolonialismus bis hin zu neuen Formen der Entmachtung“ mitverantwortlich für die Not des Kontinents zu sein. Zugleich halte die Kirche aber auch die Lösung bereit. „Die katholische Kirche besitzt ausreichend Einfluss und Mittel, um Wandel über ihren Glaubenskreis hinaus anzustoßen“, so Kaheru.

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Vergleichsweise wohlhabend ist Franziskus' drittes Reiseziel, der Inselstaat Mauritius. Er ist zugleich einer der stabilsten Staaten Afrikas. Umso wichtiger ist für die Bewohner Franziskus' Engagement für Klimagerechtigkeit. Denn laut UNO leidet Mauritius als „kleines Inselentwicklungsland“ unter den Folgen von Bodendegradation, Wasserverschmutzung und der Zerstörung von Ökosystemen.

Mit Spannung wartet Afrika auf den Papst. „Sein Besuch ist ein Zeichen dafür, dass der Vatikan das südliche Afrika nicht vergessen hat“, sagt Gail Fowler, Reiseunternehmerin in Kapstadt. Sie geht davon aus, dass etliche Südafrikaner mit Bussen ins benachbarte Mosambik pilgern werden, „um dem Heiligen Vater nah zu sein“. Ihre eigene Reisegruppe hofft, Franziskus auf Mauritius zu sehen. Die Begegnung mit dem Papst, selbst wenn sie nur wenige Sekunden dauere, sei jedes Mal ein „Gänsehautmoment“.

Unterdessen sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Auf dem Programm stehen große Messen in den drei Hauptstädten. Auf Mauritius wurde für den erwarteten Zustrom eigens eine neue Straße gebaut. Auf Madagaskar registrierten sich allein in einer Pfarrei mehr als 5.000 Gläubige für die Papstmesse. 10.000 Soldaten werden während des Besuchs für Sicherheit sorgen. „Dieser einzigartige Moment im religiösen Leben der Madagassen wird auf besondere Weise gefeiert“, erklärte Präsident Rajoelina. Er sieht im Papstbesuch einen „Meilenstein“ in der Geschichte seines Landes.

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