
Haiti: Zwei Ordensfrauen von bewaffneten Banden getötet
Port-au-Prince ‐ Haiti kommt nicht zur Ruhe. Bewaffnete Gangs kontrollieren viele Teile des Landes. Waffengewalt ist allgegenwärtig. Nun wurden in Mirebalais im Inland Haitis zwei Ordensfrauen und ein Mädchen getötet.
Aktualisiert: 04.04.2025
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Zwei Ordensfrauen der Petites Sœurs de Sainte Thérèse de l’Enfant Jésus, sind in Mirebalais, im Zentrum Haitis, von Mitgliedern bewaffneter Banden ermordet worden. Das berichtet der Pressedienst Fides unter Berufung auf den Erzbischof von Port-au-Prince, Max Leroy Mesidor. „Das ist ein immenser Verlust für die Gemeinschaft“, so der Oberhirte der Hauptstadt des Landes.
Dem Bericht zufolge wurden die Ordensfrauen Schwester Evanette Onezaire und Schwester Jeanne Voltaire sowie eine minderjährige Begleiterin am Montag von Angehörigen der Koalition krimineller Banden „Viv Ansanm“ in der Stadt Mirebalais getötet. Bei dem Angriff der Banden soll es es auch zu Übergriffen auf Geschäfte, Polizeistationen und ein Gefängnis gekommen sein. Aus der Haftanstalt türmten Schätzungen zufolge mehr als 500 Häftlinge.
Nach Angaben lokaler Medien arbeiteten die beiden Ordensfrauen an einer Schule in Mirebalais und hatten sich während der Angriffe zusammen mit dem Mädchen in ein Haus geflüchtet. Mitglieder der bewaffneten Banden drangen jedoch in das Gebäude ein, eröffneten das Feuer und töteten die beiden Schwestern und das Mädchen.
Bis heute ist die Lage in Mirebalais chaotisch. Der Delegierte der Regierung in der Region, Frédérique Occéan, erklärte, die Straßen der Stadt seien mit Leichen übersät, die einen üblen Geruch verbreiteten. Berichten zufolge sind die städtischen Behörden abwesend und viele Einwohner geflohen. Haitianische Medien berichteten zudem, bewaffnete Banden hätten in den letzten Stunden auch das Universitätskrankenhaus von Mirebalais angegriffen.
Am Mittwoch waren in der Hauptstadt Port-au-Prince erneut Tausende auf die Straße gegangen, um gegen die Verschlechterung der Lage und die Zunahme der Angriffe durch Banden zu demonstrieren. An den Protesten nahmen Fides zufolge auch Vertriebene teil, die in Camps in der Nähe von Port-au-Prince leben, nachdem sie ihre Häuser verlassen mussten. Auch die Bewohner der Stadtteile Canapé-Vert, wo sich die Bevölkerung gegen die Bedrohung durch bewaffnete Gruppen zu wehren versucht, Turgeau, Carrefour-Feuilles, Pacot, Debussy, Delmas und benachbarte Gebiete nahmen an den Demonstrationen teil. Die haitianische Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen, die sich vor der „Ville d'Accueil“, dem Sitz des Übergangsrates des Präsidenten (CPT) und der Regierung, versammelt hatte.
Allein im vergangenen Jahr forderte die Gewalt in Haiti nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 5.600 Menschenleben, über 2.000 Menschen wurden verletzt, 1.500 getötet. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hatte nur Stunden vor dem Ausbruch der Gewalt in Mirebalais berichtet, zwischen vergangenem Juli und diesem Febraur seien in Haiti mindestens 4.239 Menschen mit Waffen ermordet und 1.356 verwundet worden.

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