Pater Richard Henkes im tschechischen Parlament gewürdigt
80 Jahre nach seinem Tod im KZ Dachau

Pater Richard Henkes im tschechischen Parlament gewürdigt

Prag/Limburg ‐ Der selige Pater Richard Henkes hat seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit dem Leben bezahlt. Eine Ausstellung im tschechischen Parlament würdigt sein Leben und Wirken.

Erstellt: 19.03.2025
Aktualisiert: 19.03.2025
Lesedauer: 7 MINUTEN

Eine mutige Persönlichkeit, die sich für Menschlichkeit und Versöhnung eingesetzt hat: Das Leben und Wirken des deutschen Pallotinerpaters Richard Heinkes wird derzeit im Parlament der Tschechischen Republik in Prag mit einer Ausstellung gewürdigt. Eröffnet wurde die Schau mit dem Titel „Und wenn die Wahrheit mich vernichtet…“ bereits am 11. März, sie ist noch bis zum 20. März dort zu sehen. Die Exponate – ursprünglich anlässlich seiner Seligsprechung im Limburger Dom am 15. September 2019 als Graphic Documentary von Volker Schlecht und Alexandra Kardinar (Drushba Pankow) konzipiert – werden nun, 80 Jahre nach seinem Märtyrertod, an diesem für Tschechien historisch wie politisch bedeutsamen Ort in ihrer tschechischen Ausgabe präsentiert. Veranstalter ist die Benediktinererzabtei Prag-Brevnov.

Zum Start der Ausstellung hielt der deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne, ein Grußwort, in dem er die Bedeutung von Pater Henkes' Einsatz für die Gegenwart betonte. „Pater Henkes war ein Licht des Guten im Widerstand gegen das Böse. ‚Nie wieder‘ wird nur funktionieren, wenn wir in seinem Sinne handeln, jeden Tag“, so Künne in seiner Rede. Zwar weise die Lebens- und Leidensgeschichte von Pater Henkes auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte hin, gleichzeitig sei sie eben auch ein Beispiel für den Brückenschlag zwischen Deutschen und Tschechen. Zur Ausstellung waren auch Katholiken aus Strahovice, dem Wirkungsort von Pater Henkes, angereist.

Ein Seliger aus dem Westerwald

Henkes, geboren am 26. Mai 1900 in Ruppach-Goldhausen im Westerwald, trat 1919 in das Noviziat der Pallottiner in Limburg ein und wurde 1925 zum Priester geweiht. Als Lehrer und Seelsorger wirkte er in verschiedenen Regionen, darunter Kietrz (ehem. Katscher) und dem Powiat Ząbkowicki (ehem. Frankenstein) in Schlesien. Aufgrund seiner regimekritischen Predigten wurde er 1943 von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort freundete er sich mit dem späteren Erzbischof von Prag Kardinal Beran an und lernte Tschechisch. Gemeinsam stellten sie Überlegungen an, wie Versöhnung von Deutschen und Tschechen nach dem Krieg ausgestaltet werden kann. Bei der freiwilligen Pflege typhuskranker tschechischer Mitgefangener, infizierte Pater Henkes sich und verstarb am 22. Februar 1945.

Martin Ramb, Kurator der Ausstellung, äußerte seine Freude darüber, dass die tschechische Version der Ausstellung nun im Parlament eines der laizistischsten Länder Europas gezeigt wird. Er bezeichnete dies als ein kleines „Wunder“ und hob hervor, dass Henkes' Leben symbolisch für die Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen stehe, für die Henkes mit seinem Leben eingestanden habe.

Zudem handelt es sich bei der Ausstellung um ein Zeichen europäischer Völkerverständigung, darauf weist der Initiator der Ausstellung in Tschechien, Pater Dr. Cyril Havel, hin. „Sie erinnert daran, dass Frieden und Völkerverständigung keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern durch aktiven Dialog und gegenseitigen Respekt gefördert werden müssen.“ Und ergänzt mit Blick auf die aktuelle Weltlage: „Gerade in Zeiten zunehmender nationaler Abschottung und internationaler Spannungen ist es wichtiger denn je, die Werte von Solidarität und Gemeinschaft zu stärken“.

Text: KEB Limburg | Bearbeitung: weltkirche.de

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