Weltjugendtag im Angesicht von Konflikten in Lateinamerika

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Viele Pilger aus Venezuela mussten erst gar nicht zum Weltjugendtag nach Panama reisen. Sie sind ohnehin schon da. Sie stammen aus dem gewaltigen Massenexodus, den Venezuela gerade erlebt. Dieses ist nur eines von mehreren aktuellen Konfliktthemen des lateinamerikanischen Kontinents, die das am Dienstag beginnende Weltjugendtreffen bestimmen könnten.

Mehr als drei Millionen Menschen haben Venezuela bereits verlassen, in diesem Jahr könnte noch einmal die gleiche Anzahl dazukommen, befürchtet die UNO. Sie sind geflohen vor der katastrophalen Versorgungslage in dem südamerikanischen Land und den staatlichen Repressionen der Regierung des umstrittenen Präsidenten Nicolas Maduro. Es ist die größte hausgemachte Flüchtlingskrise in diesem Jahrhundert in Lateinamerika.

Nicaragua - 16.01.2019

Die Kirche in Nicaragua will einen neuen Anlauf für einen „Nationalen Dialog“ nehmen. Anlass ist die scharfe Regierungskritik eines bislang wichtigen Vertrauten von Präsident Daniel Ortega.


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Unterdessen machen sich aus Mittelamerika wieder zahlreiche Migranten in einem Flüchtlingstreck auf den Weg in Richtung USA. Bis zu 15.000 Menschen könnten bis Februar folgen, befürchtet die mexikanische Kirche. Vor allem aus Honduras kommt ein Großteil der Personen. Auch dort gibt es eine sehr umstrittene Regierung. Präsident Juan Orlando Hernandez ging in der Vergangenheit mit brutaler Härte gegen Proteste gegen seinen Wahlsieg vor. Und aus Nicaragua sind allein im vergangenen Jahr rund 80.000 Menschen vor den Schlägertrupps des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega geflohen, darunter viele Jugendliche und Studierende. Die Bilanz des vergangenen Jahres: mehr als 300 Tote, Tausende Verletzte und Hunderte politische Gefangene.

Migration wird deshalb ein großes Thema sein beim Weltjugendtag in Panama. Mehr noch der Umgang damit: Die Kirche lehnt den von US-Präsident Donald Trump geforderten Mauerbau an der mexikanischen Grenze ab. Der Weltjugendtag soll ein Zeichen setzen und an die Rechte der Migranten erinnern. Künstler und Aktivisten haben im Vorfeld des Papstbesuches eine Mauer mit Motiven gegen Ausländerfeindlichkeit bemalt. Die Werke sollen während eines Gottesdienstes mit Papst Franziskus zu sehen sein.

Indigene Völker - 28.12.2018

Tausende junge Menschen und Familien machen sich aus Mittelamerika auf in die USA. Der 19-jährige Jeroncio Onorio aus Panama kann verstehen, dass viele nach einem besseren Leben anderswo suchen. Aber sein indigenes Volk der Kuna will an Ort und Stelle kämpfen.


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Die Mauer sei eine Botschaft der Solidarität, sagte Initiator Rolando Domingo dem Portal „Panama“. „Wir dürfen unsere Wurzeln, unsere polyethnische Herkunft nicht vergessen. Panama ist chinesisch, indigen, europäisch und schwarz. In unserer Geschichte waren immer alle Kulturen präsent“, so Domingo. In Panama kam es zuletzt zu ausländerfeindlichen Demonstrationen, nachdem das kleine mittelamerikanische Land viele tausend Flüchtlinge aus Venezuela und Nicaragua aufgenommen hatte.

Eine große Delegation wird aus Brasilien zum Weltjugendtag erwartet. Das Land war in den vergangenen Jahren Schauplatz von Raubbau an Umwelt und den Rechten indigener Völker. Riesige Flächen wurden der Agrarindustrie zugeschustert, Reservate trotz Bevölkerungswachstum nicht vergrößert, Megastaudämme gegen den Willen der dort lebenden Bevölkerung durchgesetzt. Umweltschützer und Vertreter indigener Organisationen befürchten, dass mit dem neuen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro alles noch schlimmer werden könnte.

Die seit Jahresbeginn amtierende Bolsonaro-Regierung steht auf Kriegsfuß mit den traditionell linken Nichtregierungsorganisationen in Brasilien. Wenn der Weltjugendtag in Panama läuft, wird Bolsonaro beim Weltwirtschaftsforum in Davos sein neues Brasilien vorstellen: offen für Investitionen und weitgehend von Regulierungen befreit. Umweltschützer wollen in Panama dagegen demonstrieren. Und weil Papst Franziskus für Oktober eine Amazonas-Synode einberufen hat, könnte das Thema Regenwald großen Raum in Panama einnehmen.

Von Tobias Käufer (KNA)

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