Kieler Ökonomen fordern Kurswechsel in Entwicklungszusammenarbeit
Kiel ‐ Entwicklungshilfe verliert in vielen Geberländern an Rückhalt. Ökonomen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft schlagen deshalb ein neues Modell vor, das Reformen belohnen und Vorteile für beide Seiten klarer machen soll.
Aktualisiert: 21.01.2026
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Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) plädiert für einen Kurswechsel in der Entwicklungszusammenarbeit und fordert, Hilfsprogramme konsequent am beiderseitigen Interesse von Geber- und Partnerländern auszurichten. In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie schlagen mehrere Ökonomen des Forschungsinstituts das Modell einer „Mutual Interest Development Cooperation“ (MIDC) vor. Hintergrund des Vorstoßes sind nach Darstellung des IfW auch politische Akzeptanzprobleme in Geberländern.
„Die Entwicklungszusammenarbeit hat ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagte IfW-Präsident Moritz Schularick der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Jahrzehntelang haben wir zwar mit besten Absichten gearbeitet - aber auch mit Ansätzen, die zu wenig strukturelle Transformation in Partnerländern bewirkt haben. Gleichzeitig ist die politische Unterstützung gesunken - obwohl kluge Investitionen in Entwicklung, gerade in der aktuellen weltpolitischen Gemengelage, wichtiger denn je sind.“
MIDC soll dieses Dilemma nach Darstellung des Instituts durch ein regelbasiertes System lösen: Jedes Vorhaben werde vorab danach bewertet, welchen Entwicklungsnutzen es im Partnerland stifte und welchen greifbaren Nutzen es Bürgern im Geberland bringe - etwa über wirtschaftliche Chancen, mehr Stabilität oder geringere Risiken bei Pandemien und Klimafolgen. Projekte mit schwachem oder einseitigem Nutzen müssten überarbeitet oder beendet werden.
„Entwicklungskooperation muss transparente und messbare Vorteile für beide Seiten liefern“, so Schularick. Nur Programme, die beiden Seiten dienten, sollten gefördert werden. „Denn wenn beide Länder profitieren und verlässliche, langfristige Partnerschaften aufbauen, wird Entwicklungspolitik wirksamer - und ihr Wert auch stärker erkannt.“
Kern des Vorschlags ist ein „Opt-in-System“ gestufter Partnerschaften, das an überprüfbare Reformsignale geknüpft ist. Reformorientierte Regierungen könnten sich freiwillig für tiefere Kooperation qualifizieren; Geberländer würden im Gegenzug verlässliche, mehrjährige Unterstützung zusagen. Auf- und Abstiege zwischen den Stufen sollten nach zuvor angekündigten Regeln erfolgen. Humanitäre Hilfe solle davon strikt getrennt bleiben, um ein Sicherheitsnetz unabhängig von Reformleistungen zu garantieren.
KNA
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