Die Taufstelle Jesu in Al-Maghtas (Jordanien) mit Blick auf die gegenüberliegende israelische Seite mit dem Namen "Kasr al-Jahud" am 4. Dezember 2019.
Krieg im Nahen Osten

Besuchereinbruch an der Taufstelle Jesu in Jordanien

Jerusalem/Amman  ‐ Das Geschäft hatte 2023 erst so richtig Fahrt aufgenommen, als die Anschläge auf Israel am 7. Oktober auch den Pilger-Tourismus zur Taufstelle Jesu in Schockstarre versetzten. Doch erloschen ist das Interesse an dem Ort nicht.

Erstellt: 24.04.2024
Aktualisiert: 23.04.2024
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Der Anschlag vom 7. Oktober und der Gaza-Krieg haben nicht nur in Israel für einen enormen Einbruch des Tourismus gesorgt; er wirkt sich auch auf Jordanien aus. Die Zahl der Besucher an der Taufstelle Jesu am östlichen Jordanufer sei im ersten Quartal 2024 um 65,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, auf nun 20.000, meldet das arabische Kirchenportal Abouna. Davon seien rund 16.000 Ausländer, 2.300 Jordanier und 1.700 weitere Araber.

Mit 212.000 Besuchern hatte „Al-Maghtas“ („die Taufstätte“) 2023 so viele Menschen wie nie zuvor verzeichnet – obwohl es seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober bereits einen starken Einbruch gab. Laut den Evangelien wurde Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens von Johannes dem Täufer im Jordan getauft.

Jordanien hatte nach ersten Grabungen unter dem Franziskaner-Archäologen Michele Piccirillo seit Mitte der 1990er Jahre das militärische Sperrgebiet am Jordan-Fluss wenige Kilometer nördlich des Toten Meers touristisch zu erschließen begonnen. Minen und weitere Sprengkörper aus der Zeit des Sechs-Tage-Kriegs wurden geräumt, Zugänge angelegt und Kirchen und Klöster verschiedener christlicher Konfessionen errichtet. Jordaniens König Abdallah II. unterstützte das Projekt mit Landschenkungen an die Kirchen. Seit 2015 gehört Al-Maghtas zum Weltkulturerbe der Unesco.

Allerdings erinnert auch auf dem Westufer des Jordans, im israelisch besetzten Westjordanland, eine von Franziskanern betreute Pilgerstätte an die Taufe Jesu im Jordan. Auch sie lag seit 1967 im militärischen Sperrgebiet; nur einmal im Jahr, am liturgischen Fest der Taufe Jesu, durften die Franziskaner der Jerusalemer Kustodie hierher unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen eine Prozession unternehmen. Auch auf dem Westufer wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Minen geräumt, das Gelände erschlossen und ein Besucherzentrum für einen regen Pilgerbetrieb errichtet.

Während Historiker, Theologen und Archäologen darüber diskutieren, ob die Taufstelle rechts oder links des Jordans die „richtige“ sei, erklärte unlängst Jerusalems lateinischer Weihbischof William Shomali: Da Jesus im Jordan getauft wurde, sei damit der ganze Flusslauf gesegnet. Ob man östlich oder westlich des Flusses feiert, ob im Norden oder im Süden, sei „theologisch gesehen irrelevant“. Bibelexperten verorten sie freilich meist auf der jordanischen Ostseite; denn das Johannes-Evangelium spricht von „Bethanien auf der anderen Seite des Jordan“.

KNA

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