Repam-Generalsekretär zur Amazonas-Synode

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  • Amazonas-Synode - 25.09.2019

Vor fünf Jahren wurde das länderübergreifende Netzwerk Repam (Red Eclesial Panamazonica) gegründet – eine Reaktion der katholischen Kirche auf die fortschreitende Zerstörung im Amazonasgebiet. Nun ist die Organisation maßgeblich an der Vorbereitung der Amazonas-Synode im Vatikan (6. bis 27. Oktober) beteiligt. Repam-Generalsekretär Mauricio Lopez (42) spricht im Interview über seine Erwartungen an das Treffen.

Frage: Herr Lopez, nicht wenige Beobachter fragen sich, wieso der Papst eine Synode zu einem bestimmten geografischen Raum einberufen hat. Wieso ist ausgerechnet das Amazonasgebiet so wichtig für die Kirche?

Mauricio Lopez: Amazonien ist ein Lebensraum, in dem sich die ganze lebendige Gegenwart Gottes spiegelt. Es gibt mehr als nur ein einzelnes Thema, das hervorsticht. Das Territorium umfasst Gebiete von neun Staaten und ist von globaler Bedeutung. Alles ist miteinander verbunden: der Kreislauf des Lebens, die indigenen Völker, Flora und Fauna sowie die grenzüberschreitende Mission der Kirche. All das reicht weit über Südamerika hinaus.

Frage: Was will der Papst mit der Amazonas-Synode erreichen?

Lopez: Er will die Peripherie ins Zentrum stellen. Das hat er mir bei einem Kaffeegespräch während der Synodenvorbereitung selbst gesagt. Das Amazonasgebiet ist die Peripherie. Sämtliche Regierungen und Gesellschaften Lateinamerikas haben die Region im Laufe der Geschichte als eine Art Hinterhof betrachtet, als eine Leerstelle, die es zu kolonisieren, zu dominieren gilt. In diesem unterschätzten Randgebiet steckt das Potenzial, um das Zentrum der Kirche zu erleuchten und zu reinigen. Das ist der Kern dessen, worum es geht.

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Die Sondersynode findet vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan statt. Sie steht unter dem Thema: „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“.


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Frage: Das Netzwerk Repam ist maßgeblich an der Vorbereitung der Synode beteiligt. Wie liefen die Gespräche und Versammlungen ab?

Lopez: Es waren viele Missionsbischöfe aus den betroffenen Ländern involviert. Die Federführung hatten also Geistliche, die die Realität aus eigener Anschauung kennen und nicht bloß darüber reden.

Frage: Es gab allerdings auch deutliche Kritik, nicht zuletzt von deutschen Kardinälen wie Gerhard Ludwig Müller oder Walter Brandmüller. Sie sehen in der Amazonas-Synode ein Instrument für einen fehlgeleiteten Umbau der Weltkirche. Was sagen Sie dazu?

Lopez: Kritik ist grundsätzlich willkommen. Einige der Vorwürfe halte ich jedoch für unfair. Müller zum Beispiel äußert sich kritisch, weil er sich persönlich ausgeschlossen fühlt. Wir erleben zudem einen Konflikt zwischen formaler katholischer Soziallehre und dem Glauben des Volkes. Es gibt Stimmen innerhalb der Kirche, die jedwede Veränderung kategorisch ablehnen. Wir können aber nicht so weitermachen wie bisher. Ungeeignete Strukturen müssen verändert werden. Sonst bleiben Gegenden wie die am Amazonas auf der Strecke.

Amazonas-Synode - 23.09.2019

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Frage: Brandmüller befürchtet, die Synode könnte dazu dienen, den priesterlichen Zölibat in Frage zu stellen.

Lopez: Seine Kritik ist noch schlimmer als die von Müller. Brandmüller verwendet Begriffe wie „häretisch“. Das ist einfach unangemessen. Es geht nicht um eine Abschaffung des Zölibats. Aber wir brauchen daneben neue Formen, um etwas gegen den Priestermangel unternehmen zu können. Den gibt es auch in Deutschland. Darum sollten wir diese Diskussion dringend führen, völlig ideologiefrei. Die entscheidende Frage lautet: Passen wir uns in bestimmten Dingen an, oder entfernen wir uns weiter von den Menschen, denen wir helfen wollen?

Frage: Können Sie kurz zusammenfassen, welche Ergebnisse Sie von der Synode erwarten?

Lopez: Es sind im Wesentlichen drei Schritte, die es einzuleiten gilt: Zunächst benötigen wir einen pastoralen Wandel, um der Kirche neuen missionarischen Schwung zu verleihen. Der zweite Punkt ist ein ökologischer Wandel. Dabei handelt es sich um einen Aufruf an den ganzen Planeten, damit wir unser „gemeinsames Haus“ retten können. Und schließlich benötigen wir einen Wandel hin zu mehr Synodalität. Das bedeutet, das gesamte Gottesvolk einzubeziehen, um die Kirche in die Zukunft zu führen.

Von Alexander Pitz (KNA)

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