US-Katholiken drängen auf Wandel in der Klimapolitik

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  • Klimawandel - 23.09.2019

Inspiriert von Greta Thunberg, aber angeleitet von Papst Franziskus' Enzyklika „Laudato si‘“ verlangen US-Katholiken eine sofortige Kehrtwende in der Klimapolitik. Sie wollen, dass ihre Stimme beim UN-Gipfel gehört wird.

„Höre den Schrei der Erde und den Schrei der Armen“, steht auf dem Banner, hinter dem sich Hunderte Schüler katholischer Schulen in Washington versammelt haben. Der Satz stammt aus der Umweltenzyklika „Laudato si‘“ von Papst Franziskus. „Wir folgen dem Beispiel des Papstes“, erläutert Naturkundelehrer Perry Wargo einem Reporter, was ihn und die Mädchen der „Elizabeth Seton High School“ zur Teilnahme am Klimastreik in der US-Hauptstadt bewogen hat.

Gemeinsam verfolgten sie Greta Thunbergs Ansprache in New York. „Möge Gott uns die Kraft geben, diesen Planeten zu retten“, rief Greta den Schülern unter großem Jubel zu. Sie habe ihn inspiriert, aber es sei schwer, ihrem Beispiel zu folgen, meint Morgan Clark von der Elizabeth Seton School. Ben Campion von der katholischen Gonzaga College High School in Washington gibt sich dagegen kämpferisch. „Keine Emissionen, keine Ausreden, keine Zeitverschwendung“, fordert er.

Klimawandel - 23.09.2019

Mehr als 5.000 Waldbrände lodern auf Borneo und Sumatra. Hunderttausende Hektar Kohlenstoffspeicher gehen in Rauch auf. Als Brandstifter gilt die Palmölbranche. Der giftige Smog trieb jetzt viele zu Protest auf die Straße.


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So wie die jungen US-Katholiken erhöhen katholische Organisationen insgesamt den Druck auf die Regierungen, weltweit endlich Taten sprechen zu lassen gegen die Erderwärmung. Die katholische CIDSE, ein Dachverband von 20 europäischen und amerikanischen Hilfsorganisationen, halten politische Sofortmaßnahmen für überfällig. Die Regierungen hätten eine „moralische Verpflichtung“, etwas zu tun, erklärten sie kurz vor Beginn des UNO-Gipfels. Die CO2-Emissionen müssten um zwei Drittel reduziert werden, schrieben sie den 60 Teilnehmernationen in ihre Tagungsagenda.

Nicht im Detail, aber in der Richtung bringen sie damit auf den Punkt, was die US-Bischöfe seit fast 20 Jahren fordern. In ihrem Hirtenbrief „Renewing the Earth“ (Die Erde erneuern) von 2001 leiten sie die Verantwortung für die Erhaltung der Schöpfung aus den Geboten der katholischen Soziallehre ab. Sie versuchen, „die Zusammenhänge zwischen der Sorge um den Menschen und um die Erde, zwischen natürlicher Ökologie und sozialer Ökologie“ herzustellen. In den Vordergrund stellen die US-Bischöfe dabei die „besondere Verantwortung für die Armen und Schwachen, die am stärksten betroffen sind und am wenigsten gehört werden“.

Klimawandel - 19.09.2019

Nicht nur Schüler und Grünenpolitiker fordern zum Handeln beim Klimaschutz auf. Auch Ökonomen sagen: Klimaschutzmaßnahmen jetzt zu ergreifen, ist allemal billiger, als die Folgen zu bezahlen. Wie das konkret gehen kann, erklärt Prof. Johannes Wallacher, Wirtschaftsethiker und Mitglied der Scientists for Future.


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Mit der Enzyklika „Laudato si‘“ verstärkte Papst Franziskus 2015 die Vorreiterrolle der Kirche beim Klimawandel. Der Rhythmus von Verschwendung und ungebrochenem Konsum, der zu Lasten der Armen der Welt gehe, müsse gestoppt werden, schrieb er. Klimawissenschaftler attestierten der Enzyklika hohe wissenschaftliche Genauigkeit in der Problemanalyse.

Im Oktober will die katholische Kirche bei ihrer Amazonas-Synode (6. bis 27. Oktober) im Vatikan eine eigene Agenda für die Umweltschäden und deren soziale Folgen in der südamerikanischen Region in den Blick nehmen. Beteiligt sind dabei auch das Pan-amazonische Kirchennetzwerk Repam (Red Eclesial PanAmazonica), zu denen auch Adveniat und Misereor gehören. Den Bezugsrahmen liefert auch dort die Umweltenzyklika.

US-Aktivisten wie William Ernest McKibben loben die Entschlossenheit der katholischen Kirche im Kampf gegen den Klimawandel. „Wir müssen dem Zeitalter der fossilen Brennstoffe ein Ende setzen“, so McKibben. Auf Papst Franziskus ruhen auch die Hoffnungen vieler klimabewegter Jungkatholiken in den USA. Zum Beispiel Florence Kane von der Georgetown Visitation School in Washington. Die Richtung habe Franziskus mit „Laudato si‘“ vorweggenommen. Nun werde es Zeit zu handeln.