Indigenenbehörde in Brasilien kontaktiert isolierte Völker im Amazonas

  • Indigene Völker - 08.04.2019

Eine Expedition hat in den Wäldern Brasiliens Kontakt zu isoliert lebenden Indigenen aufgenommen. Die spektakuläre Aktion will auf die akute Bedrohung der Ureinwohner aufmerksam machen.

Im brasilianischen Amazonasgebiet hat eine Expedition der Indigenenbehörde Funai erstmals Kontakt zum isoliert lebenden Volk der Korubo hergestellt. Am 19. März habe man zunächst zwei auf der Jagd befindliche Korubo angetroffen. In den folgenden Tagen sei der Kontakt zu 34 Angehörigen der Korubo gelungen, berichtet Bruno Pereira, der bei der Funai für isolierte Völker zuständig ist. Rund einen Monat lang war er als Expeditionsleiter mit einem Team von 30 Personen, darunter ein Dutzend Indigene, in den Wäldern Westamazoniens unterwegs. Auf Friedensmission, sagt er.

2015 war es zwischen den im Tal des Javari-Flusses lebenden Indigenen vom Volk der Matis und den Korubo zu Konflikten gekommen. In der Region leben 16 der offiziell 107 isolierten Völker Brasiliens. Die Funai schätzt, dass etwa ein Dutzend Indigene bei den Kämpfen getötet wurden. Eine Gruppe der Korubo floh daraufhin tiefer in den Wald hinein. Seitdem verlor sich ihre Spur. Ihre Verwandten baten nun die Matis, ihnen bei der Suche nach den Geflüchteten zu helfen. Die Matis gaben diese Bitte an die Funai weiter.

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In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.

 


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Seit Jahren ist die Funai in den Schlagzeilen, selten gibt es Positives zu berichten. Bereits die Regierung unter Präsident Michel Temer (2016-2018) stutzte das Budget derart, dass die Behörde kaum noch ihren Aufgaben nachkam – etwa für den Schutz der in den Weiten des Waldes lebenden Indigenen zu sorgen. Nachdem die Funai dort aus Geldmangel abzog, machten sich vielerorts illegale Goldgräber breit.

„Eine ernste Situation“, sagt Pereira. „Aber es sind nicht allein die Goldgräber, es gibt zudem professionelle Teams von Jägern und Fischern, die illegal unterwegs und sehr gefährlich sind. Sie schießen nicht nur auf Indigene, sondern auch auf Mitarbeiter der Funai.“

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Die Sondersynode findet vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan statt. Sie steht unter dem Thema: „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Das Bischofstreffen will Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen in den Blick nehmen.


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In den vergangenen Wochen gab es erneut Spekulationen um die Zukunft der Funai. Präsident Jair Messias Bolsonaro hatte die Behörde zuletzt aus dem Justizministerium herausgelöst und dem Frauen- und Menschenrechtsministerium zugeordnet. Die Kompetenz zur Demarkierung indigener Gebiete überließ er dem Landwirtschaftsministerium. Bolsonaro, selbst leidenschaftlicher Goldsucher, will die Indigenengebiete für die wirtschaftliche Nutzung öffnen.

Nun kann die Behörde mit ihrer ersten großen Expedition seit 20 Jahren als Friedensstifter punkten. Und zugleich mit romantischen Mythen aufräumen. „Die Medien lieben diese exotische Vorstellung, dass die Indigenen wahrhaft pure Menschen sind, die nackt durch den Wald laufen und die bisher nie jemand gesehen hat.“ Doch die Realität sieht anders aus. „Eine komplett isolierte Gesellschaft gibt es nicht“, so Pereira. Meist seien es einzelne Angehörige einer Gruppe, die sich weigerten, mit anderen Indigenen oder Weißen in Kontakt zu treten.

Pereira geht davon aus, dass sich die Situation zwischen den Korubo und den Matis nun entspannt. „Wir haben sie beruhigt, haben ihnen erklärt, wer die Matis sind.“ Offensichtlich mit Erfolg. „Sie wollen zurück in ihre aufgegebenen Dörfer gehen. Aber Garantien, dass es friedlich bleiben wird, gibt es nicht“, so Pereira. „Wir reden hier schließlich von isoliert lebenden Indigenen, und nicht von einem vor den Vereinten Nationen ausgehandelten Friedensvertrag.“

Ein zweites Expeditionsteam soll die Korubo in den kommenden Wochen betreuen. Auf ewig schützen könne man sie aber nicht, so Pereira. „Sie sind seit je her bedroht, und sind es auch jetzt. Wir versuchen stets, die Schäden möglichst gering zu halten.“ Angesichts des Geld- und Personalmangels könne die Funai jedoch nicht viel mehr als Schadensbegrenzung betreiben.

Auch wie es mit der Funai selbst weitergeht, ist ungewiss. „Wir alle stellen uns diese Frage und hoffen, dass diese wichtige Arbeit, die wir leisten, fortgeführt wird.“ Inspirieren lasse man sich dabei von den Indigenen, so Pereira. „Ihre Geschichte ist hart, aber sie zeigen uns immer wieder, dass sie überleben können.“