Bericht: Schuldenkrise im Globalen Süden spitzt sich zu

  • Verschuldung - 04.04.2019

Die Schuldenkrise im Globalen Süden spitzt sich nach Angaben des Entschuldungsbündnisses „erlassjahr.de“ weiter zu. 122 Entwicklungs- und Schwellenländer seien in einem kritischen Maß verschuldet, erklärten „erlassjahr.de“ und Misereor am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des „Schuldenberichts 2019“.

Demnach können 17 Länder ihre Kredite nicht mehr bedienen. Dazu gehören unter anderem Barbados, Gambia und Sambia. Dramatisch sei die Schuldensituation auch in Bhutan, Jamaika und dem Libanon. Der Report analysiert die Schuldensituation von 154 Staaten.

Verschuldung

Derzeit sind 122 von 154 im Schuldenreport 2019 untersuchte Länder kritisch verschuldet. Das sind fast 80 Prozent. Besonders bedrohlich ist die Situation in Bhutan, der Mongolei, Gambia, Kap Verde, Jamaika, Bahrain und im Libanon. 17 Länder sind aktuell zahlungsunfähig.


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Die Schuldenkrise im Globalen Süden habe sich weitestgehend unbemerkt von der politischen Öffentlichkeit in Deutschland verschärft, beklagten die Organisationen. „Hauptauslöser ist der weltweite Trend aus niedrigen Zinsen im Norden und einem hohen Finanzierungsbedarf für Infrastruktur in vielen ärmeren Ländern im Süden“, sagte der Politische Koordinator von „erlassjahr.de“, Jürgen Kaiser. Die fortschreitende Überschuldung von Staaten bedrohe Millionen Menschen, gefährde die Umsetzung von Entwicklungs- und Klimazielen und schwäche die globale Finanzstabilität, hieß es.

Misereor und „erlassjahr.de“ forderten, „Licht in das undurchsichtige internationale Geflecht unverantwortlicher Kreditvergaben“ zu bringen. Dazu sollte sich die Bundesregierung für ein weltweites, öffentlich zugängliches Schulden-Register stark machen, das alle staatlichen Verbindlichkeiten offenlegt, sagte der Misereor-Experte für Entwicklungsfinanzierung, Klaus Schilder. Dies sei unter anderem Voraussetzung für ein nachhaltiges Schuldenmanagement.

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Seit dem Ausbruch der Schuldenkrisen in vielen Entwicklungsländern sind globale Finanzbeziehungen ein wichtiges Thema für Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und Aktionsgruppen geworden. Lesen Sie hier, wie sich kirchliche Gruppen und Initiativen für einen fairen Umgang mit verschuldeten Staaten einsetzen.


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Darüber hinaus müsse die Bundesregierung Maßnahmen zur Stärkung der globalen Finanzstabilität schaffen, betonte Kaiser. Dafür sei unter anderem die „Schaffung eines rechtsstaatlichen und effizienten Staateninsolvenzverfahrens“ nötig, hieß es.

Auch der Grünen-Sprecher Uwe Kekeritz unterstützt diese Forderung. Ein solches Verfahren sorge für Mechanismen und Rechtssicherheit, die sich auch im Falle eines Zahlungsausfalls von Schwellenländern wie der Türkei, Ägypten oder Brasilien als hilfreich erweisen könnten.

Kekeritz verwies auf die kritische Situation in den ärmsten Ländern der Erde. Diese könnten aufgrund des eingeschränkten finanziellen Spielraums nur sehr schwer auf unvorhersehbare Ereignisse wie Naturkatastrophen reagieren. „In Zeiten des Klimawandels hat dies verheerende Auswirkungen – wie in Mosambik gerade auf tragische Weise deutlich wird.“

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