Justitia et Pax: Menschenrecht auf Wahrheit in der Praxis weithin uneingelöst

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  • Justitia et Pax - 24.03.2020

Heute wird im Gedenken an den ermordeten Menschenrechtsverteidiger Erzbischof Oscar Romero der internationale Tag für das Recht auf Wahrheit über schwere Menschenrechtsverletzungen und für die Würde der Opfer begangen. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ, Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, ruft dazu auf, sich mit Opfern von Menschenrechtsverletzungen zu solidarisieren. 

Millionen von Menschen wüssten nicht, was aus ihren Nächsten – ihren Kindern, Geschwistern, Eltern oder Ehepartnern – wurde, nachdem diese in chinesischen Internierungslagern, syrischen Foltergefängnissen oder auf der Flucht übers Mittelmeer „verschwanden“, schrieb Bischof Wilmer. Er mahnte deshalb, inmitten der Corona-Krise nicht diejenigen zu vergessen, die bis heute in Unwissenheit über das Schicksal beispielsweise ihrer Angehörigen leben. In quälender Ungewissheit könne man weder Frieden finden, noch Zukunft planen.

Es werde zwar inzwischen als Menschenrechtsanspruch verstanden, vom Staat angemessene Unterstützung bei der Suche nach genauen Informationen zu erhalten, dieses Recht auf Wahrheit sei in der Praxis jedoch weiterhin oft uneingelöst, kritisierte Wilmer.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden) wurde 1967 gegründet und versteht sich als „Runder Tisch“ der katholischen Einrichtungen und Organisationen, die im Bereich der internationalen Verantwortung der Kirche in Deutschland tätig sind. Sie erarbeitet kirchliche Beiträge zur Entwicklungs-, Friedens- und Menschenrechtspolitik Deutschlands und entwickeln Konzepte für die internationale Arbeit der katholischen Kirche.


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Zudem machte er auf die Gefahr aufmerksam, dass historische Wahrheiten „in der Beliebigkeit  von ‚fake news‘ und ‚fake history‘ vernebelt oder durch Internet-gestützte Desinformationskampagnen weggeschoben" werden. Diese Gefahr zeige sich auch in unserer Gesellschaft, wo manche seit Längerem einen „Schlussstrich" im öffentlichen Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft wünschten und eine Abkehr von der gemeinschaftlich gepflegten Erinnerungskultur propagierten.

Die Vereinten Nationen hatten den 24. März vor zehn Jahren zum „Internationalen Tag für das Recht auf Wahrheit über schwere Menschenrechtsverletzungen und für die Würde der Opfer" erklärt. Anlass war der Jahrestag der Ermordung des Menschenrechtsverteidigers und Erzbischofes von San Salvador Oscar Romero. Romero wurde am 24. März 1980 ermordet. Die Tat gilt als Beginn des Bürgerkriegs in El Salvador, in dem bis 1992 schätzungsweise 75.000 Menschen starben. Der Erzbischof wurde 2018 heiliggesprochen. In El Salvador gilt Romero als Nationalheld.

 

Mit Information von KNA