Marx: Mehr Einsatz gegen Rechts und für Klimaziele

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  • Deutsche Bischofskonferenz - 16.10.2019

Eine Woche nach der Bluttat von Halle hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erneut sein Mitgefühl mit den Opfern und seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft bekräftigt. Die Morde von Halle hätten ihn „zutiefst erschüttert“, sagte Marx am Mittwoch in Berlin. Er denke auch an die 50 Menschen, die in der Synagoge gewesen seien.

„Wir müssen alles tun, dass alle Tendenzen hin zu Hass und Antisemitismus überwunden werden“, betonte der Kardinal. Die Botschaft der Kirche müsse klar sein: „Wir lassen uns nie mehr trennen von unseren jüdischen Brüdern und Schwestern.“ Marx beklagte ein Anwachsen des Rechtspopulismus in vielen Ländern. Dabei würden auch die Grenzen zum Rechtsradikalismus „schwammig“. Dies gelte besonders für die Verrohung der Sprache. Das sei „außerordentlich beunruhigend“.

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Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden stehen im Zentrum der Friedensarbeit der katholischen Kirche. Mit vielfältigen Akteuren und Initiativen setzt sie sich dafür ein, Gewaltursachen auf den Grund zu gehen und diese zu überwinden.


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Zudem rief er zu einer Umsetzung der „ehrgeizigen Ziele“ der Pariser Klimakonferenz 2015 auf. Es gehe um das Überleben, so Marx. Das von der Bundesregierung teilweise schon auf den Weg gebrachte Klimapaket „scheint mir noch nicht ausreichend“, meinte der Kardinal. Es werde suggeriert, mit ein paar Maßnahmen sei der Klimawandel zu stoppen. „Da müssen wir globaler denken.“ Er erinnerte an die Enzyklika „Laudato si'“ von Papst Franziskus, die dieser bewusst vor der Klimakonferenz in Paris 2015 veröffentlicht habe.

Mit Blick auf den Syrienkonflikt sprach Marx von einem „klaren Bruch des Völkerrechts“. Er beklagte die Vertreibung unzähliger Menschen, darunter auch Christen, und kritisierte die Waffenexporte. Zur Seenotrettung sagte er, die Grenze des Mittelmeeres dürfe „keine Grenze des Todes“ sein. Nötig sei ein faires Verfahren. Es dürfe niemand in eine Situation von Krieg und Gewalt zurückgeschickt werden. Zugleich müssten die Fluchtursachen angegangen werden.

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Selten ist ein päpstliches Lehrschreiben auch außerhalb der katholischen Kirche mit so großer Spannung erwartet worden wie die Umweltenzyklika von Franziskus – mit gutem Grund: Zum ersten Mal stellt ein Papst ökologische Fragen in den Mittelpunkt einer Enzyklika.


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Auch zu innerkirchlichen Debatten äußerte sich Marx. Er sprach sich dabei erneut für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche aus. Sie sei „notwendig und überfällig“. Mit „großer Wucht und Eindringlichkeit“ hätten das bei der derzeit in Rom stattfindenden Amazonas-Synode auch Länder in Südamerika gefordert. Zudem sei eine mögliche Lockerung des Zölibats Thema in Rom. Viele Bischöfe aus Südamerika seien der Ansicht, es könne nicht hingenommen werden, dass Messen in bestimmten Regionen nicht einmal in der Woche stattfinden könnten, weil es nicht ausreichend Priester gebe.

Mit Blick auf Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer hofft Marx auf eine Entscheidung „in den nächsten Monaten“. Die Summe, die Opfer erwarten könnten, werde höher sein. Es sei aber „völlig abwegig, jetzt schon über Summen zu spekulieren“. Nach der bisherigen Regelung der „Anerkennung zugefügten Leids“ erhalten Betroffene Pauschalzahlungen von rund 5.000 Euro, in Einzelfällen auch mehr. Bislang wurden nach Angaben der Bischofskonferenz rund 9,7 Millionen Euro bewilligt.

Klimawandel

Kirchliche Organisationen haben in einem gemeinsamen Appell ihre Solidarität mit der Bewegung „Fridays for Future“ bekundet. Beim Einsatz für die Schöpfung müssten die Kirchen zum Vorbild für die Gesellschaft werden, fordert die Koordinatorin des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit (ÖNK), Monika Maria Schell.


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Vatikan stellt sich hinter „Fridays for Future“-Anliegen

Unterdessen unterstrich der Vatikan das Recht künftiger Generationen auf einen intakten Planeten. Solidarität der Generationen sei nicht nur unerlässlich für nachhaltige Entwicklung, sondern auch eine „Grundfrage der Gerechtigkeit“, sagte der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Bernardino Auza, auf der 74. UN-Generalversammlung in New York. Die Welt sei „ein Erbe der gesamten Menschheit und eine Verantwortung für alle“.

Wenn man Probleme aus Vergangenheit und Gegenwart nicht den kommenden Generationen aufbürden wolle, könne man sich nicht länger darauf beschränken, einfach Sorge um die Umwelt zu bekunden, so Auza nach dem am Mittwoch vom Vatikan verbreiteten Redeskript. Ohne die Bewegung namentlich zu nennen, stellte sich der Vatikanvertreter damit hinter ein Anliegen von „Fridays for Future“ und die Schülerstreiks für eine andere Klimapolitik.

Der Klimawandel vollziehe sich viel schneller als angenommen, sagte Auza. Während die Auswirkungen weltweit zu sehen seien, warte das Pariser Klimaabkommen noch immer auf seine Umsetzung. Nötig sei ein „konzertiertes Engagement“ entsprechend der jeweiligen Verantwortung und den Möglichkeiten.

Der Vatikandiplomat betonte, die Sorge um den Planeten dürfe sich nicht nur in veränderten Produktions- und Konsumweisen äußern. Verlangt sei „zuerst und vor allem Aufmerksamkeit für unsere Brüder und Schwestern, mit denen wir das gemeinsame Haus teilen, und für die, die nach uns kommen“. Die täglich erlebbare Umweltzerstörung sei verbunden mit „menschlichen, ethischen und sozialen Zusammenbrüchen“, so der Erzbischof.

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