Jesuit: Europa könnte Katastrophe auf dem Mittelmeer beenden

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  • Flucht und Asyl - 27.06.2019

Der Regionaldirektor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes für Ostafrika, Pater Endashaw Debrework, hat einen Appell an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Angesichts der weltweit steigenden Zahl von Geflüchteten rief er dazu auf, die Suche nach Lösungen zu intensivieren, wie Missio München am Donnerstag mitteilte.

„Fluchtländer und Aufnahmeländer müssen sich weiter beraten, noch mehr austauschen und nach konstruktiven und dauerhaften Ansätzen suchen“, forderte der Jesuit. Einen einzigen Lösungsweg werde es in der weltweiten Flüchtlingsfrage nicht geben.

Vor allem das Sterben auf dem Mittelmeer dürfe von einer Wertegemeinschaft wie Europa nicht ignoriert werden, so Debrework. Dabei hätte Europa die Mittel und Möglichkeiten, diese Katastrophe zu beenden. Selbst wenn Flüchtlinge illegal unterwegs seien, müsse ihnen geholfen werden, wenn sie in Not gerieten. „Erste Priorität muss immer sein, Menschenleben zu retten und deshalb befürworte ich die Arbeit von privaten Seenotrettern auch voll und ganz.“

Flucht und Asyl - 19.06.2019

Jacques Baeni lebt seit 2014 im Flüchtlingscamp Dzaleka in Malawi. Mithilfe des Jesuit Worldwide Learning-Programms bildete Baeni sich fort und unterstützt nun andere Flüchtlinge im Camp – insbesondere Frauen.


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Mit großer Sorge sieht der Jesuit den Zuwachs für rechte Parteien: „In Europa gibt es eine zunehmende Angst vor Fremden. Diese vagen Ängste werden von solchen Parteien weiter geschürt, indem sie behaupten, Flüchtlinge würden Arbeitsplätze wegnehmen und terroristische Anschläge verüben. In erster Linie verlassen Menschen aber ihre Heimat, weil eine Krise sie dazu zwingt.“

Laut Mitteilung sind derzeit 70,8 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. 2,3 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Allein in Ostafrika lebten mehr als sechs Millionen Flüchtlinge, die meisten davon in Uganda, Äthiopien und Kenia. Politische und wirtschaftliche Krisen im Südsudan, Somalia, Eritrea und Burundi veranlassten die Menschen immer wieder, ihre Heimat zu verlassen und in einem ihrer Nachbarländer Schutz zu suchen.

„Die afrikanischen Länder sind es gewohnt, Flüchtlinge aufzunehmen und sie sind auch bereit dazu“, so der Pater. Länder wie Uganda, Äthiopien und Kenia verfolgten eine „Offene-Tür-Politik“. Allein in Kenia befänden sich mit Dadaab und Kakuma zwei der größten Flüchtlingslager der Welt. Insgesamt würden dort knapp eine halbe Million Menschen leben. Angesichts solcher Herausforderungen müsste sich die weltweite Staatengemeinschaft gegenseitig unterstützen und an einem Strang ziehen, erklärte Debrework.

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