Ab Freitag leben die Deutschen ökologisch auf Pump

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  • Rohstoffe - 26.04.2019

Deutschland hat ab kommenden Freitag, den 3. Mai, seine natürlich verfügbaren Ressourcen für 2019 aufgebraucht. Ab dann leben die Bundesbürger nach den am Freitag in Berlin veröffentlichten Berechnungen des Global Footprint Network ökologisch gesehen auf Kredit. Im vergangenen Jahr lag der „deutsche Erdüberlastungstag“ auf dem 2. Mai.

„Wenn alle Menschen so leben würden wie in Deutschland, dann bräuchten wir drei Erden“, erklärte die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die zusammen mit Naturschutzorganisationen für den deutschen Bericht verantwortlich zeichnet. Zum Vergleich: Die gesamte Weltbevölkerung bräuchte rund 1,7 Erden, um den Bedarf an natürlichen Rohstoffen wie Ackerland und Wäldern zu decken. Der weltweite Erderschöpfungstag lag 2018 auf dem 2. August.

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Bodenschätze sind von zentraler Bedeutung für das moderne Leben – und die Menschen verbrauchen mehr und mehr. Der Boom auf den globalen Rohstoffmärkten könnte besonders in rohstoffreichen Entwicklungsländern dafür genutzt werden, Hunger und Armut zu bekämpfen. Häufig sieht die Realität jedoch anders aus.


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Laut dem Bericht gab es zwar im Vergleich zum Vorjahr minimale Verbesserungen etwa bei der Nutzung von Acker- und Waldflächen. Eine Trendwende sei aber nicht absehbar, so die Autoren. Deutschland liegt danach mit seinem Pro-Kopf-Verbrauch und seinen Emissionen im obersten Viertel aller Länder und trägt damit wesentlich zur weltweiten Übernutzung bei. „Sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Ressourcennutzung agiert die Bundesregierung, als ob es kein Morgen gäbe“, kommentierte Kira Heinemann aus dem Vorstand der BUNDjugend die Ergebnisse.

Vor allem die Energieversorgung und der Verkehr tragen durch ihre hohen CO2-Emissionen zur Überlastung bei. „Der Rückgang bei den CO2-Emissionen in Deutschland 2018 war auf den milden Winter, höhere CO2-Preise im Emissionshandel und das Schließen von Kohlekraftwerken zurückzuführen“, erklärte Julia Otten von Germanwatch. „Notwendig wäre aber ein stabiler Rückgang der Emissionen mit doppelter Geschwindigkeit.“ Wichtig seien deshalb verbindliche Einsparziele und ein steigender CO2-Preis.

Auch die industrielle Landwirtschaft trägt laut Studie mit enormem Flächenbedarf für die Fleischproduktion und hohen Treibhausgasemissionen zum großen ökologischen Fußabdruck Deutschlands bei. „Unter unserer Wirtschaftsweise leiden vor allem Menschen in ärmeren Ländern: Bauern dort sind besonders stark von Extremwetterereignissen betroffen, sagte Lena Michelsen von der Entwicklungsorganisation INKOTA. „Aber auch in Deutschland nehmen Schadensfälle deutlich zu.“ Gefordert sei deshalb ein neuer Lebensstil.

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