Neuer Erzbischof für Kraków
Vatikanstadt ‐ Zurück zu den Wurzeln: Ein gebürtiger Krakówer leitet künftig das gleichnamige Erzbistum. Nach spannungsreichen Jahren könnte Grzegorz Rys zur Beruhigung beitragen.
Aktualisiert: 27.11.2025
Lesedauer:
Das polnische Erzbistum Krakau (Polnisch: Kraków) bekommt einen neuen Leiter. Wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte, übernimmt Kardinal Grzegorz Rys (61) das Amt des Erzbischofs von Marek Jedraszewski (76). Dessen altersbedingten Rücktritt nahm Papst Leo XIV. zeitgleich an.
Rys kehrt damit zurück in seine Geburtsstadt Kraków. Zuletzt leitete der 61-Jährige das Erzbistum Lodz. Der als offen für Reformen geltende Rys ist einer von fünf polnischen Kardinälen; 2023 wurde er von Papst Franziskus in diesen Rang erhoben.
Sein Vorgänger Jedraszewski führte das Erzbistum Kraków seit Anfang 2017. Er sorgte unter anderem mit nationalistischen Äußerungen und einer ablehnenden Haltung gegenüber nicht heterosexuellen Menschen („Regenbogenplage“), Feminismus und Geschlechterstudien für Schlagzeilen. Krakau, wo der spätere Papst Johannes Paul II. von 1964 bis 1978 Erzbischof war, zählt zu den traditionsreichsten Bistümern in Mitteleuropa.
Im Oktober setzte Rys eine unabhängige Kommission ein, die Fälle sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in seinem Erzbistum Lodz von 1945 bis heute untersuchen soll. Sie wird von einem Richter geleitet. Nur in einem weiteren polnischen Bistum gibt es eine ähnliche Kommission. Mit dem Schritt reagierte Rys auf die Verzögerung der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen durch die Bischofskonferenz.
Rys engagiert sich gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Deutlich kritisierte er zuletzt in einem Hirtenbrief Hass und „Angst vor Fremden“. Die Kirche lehre, „dass jeder Mensch das Recht hat, sich einen Ort zum Leben auszusuchen“ und dort in seinem Glauben und seiner Kultur respektiert zu werden, schrieb er. „Das Christentum ist keine Stammesreligion.“
Der bisherige Krakówer Oberhirte Jedraszewski galt hingegen als Sympathisant der rechten Opposition in Polen. Mehrfach ging er mit der EU und Deutschland hart ins Gericht.
KNA
Neuer Erzbischof für Kraków
Bischöfe gedenken des historischen Versöhnungsbriefs von 1965
Zwischen Idylle und Tristesse: Leben auf dem Dorf
Polens Bischöfe kritisieren Stimmungsmache gegen Ausländer
60 Jahre deutsch-polnischer Briefwechsel: Kirchen erinnern an Auftrag zur Versöhnung
Der Gewalt nicht das letzte Wort lassen
208 katholische Neupriester in Polen
EU-Skeptiker Nawrocki gewinnt Präsidentenwahl in Polen