Weltfrauentag – Schutz vor Krieg und häuslicher Gewalt gefordert

  • Bonn - 08.03.2022

Zum Internationalen Frauentag am Dienstag haben zivile und kirchliche Organisationen besonders auf die Situation in der Ukraine und in Afghanistan aufmerksam gemacht. Dort seien Frauen nicht nur sexualisierter Gewalt ausgesetzt, in Afghanistan kämen seit der Machtübernahme der Taliban eine generelle Unterdrückung der Frauenrechte sowie Todesdrohungen hinzu. Aber auch in Deutschland gibt es viele Baustellen.

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor, der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und Pro Asyl mahnten, wegen des Ukrainekriegs nicht die Frauen in Afghanistan zu vergessen. Deutschland habe eine moralische Verantwortung, den Menschen im Land zu helfen, so Misereor-Expertin Anna Dirksmeier. KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth forderte, bedrohte Frauenrechtlerinnen und ihre Familien außer Landes zu bringen.

Die evangelischen Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie appellierten an die Staatengemeinschaft, Frauen und Mädchen im Kriegsgebiet zu schützen. „Für sie muss vor Ort ebenso wie auf der Flucht und in den Aufnahmestaaten dringend besondere Unterstützung sichergestellt werden“, betonte die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, am Montag. Die Schutzsuchenden bräuchten „schnelle und unkomplizierte Hilfe“, ergänzte Diakonie-Vorständin Maria Loheide: „Das sind nicht nur Wohnmöglichkeiten, sondern auch Informationen über ihre Rechte sowie professionelle Unterstützung und Begleitung.“

Einen entsprechenden Hilferuf veröffentlichte Pro Asyl: „Holt uns hier raus! Bringt uns und unsere Familien in Sicherheit! Wartet nicht länger, jeder Tag zählt!“, heißt es in einem Brief von 33 noch in Afghanistan verbliebenen Frauen der Gruppe „United Voice of Women for Peace“. „Wir bekommen Drohungen per SMS und Brief. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Taliban auch an uns grausame Rache üben.“

Das katholische Hilfswerk Missio Aachen rief alle Männer dazu auf, sich stärker für Frauenrechte einzusetzen. „Die Geringschätzung von Frauen führt zu schweren Menschenrechtsverletzungen“, erklärte Missio-Präsident Dirk Bingener. Als Beispiele nannte er sexuelle Gewalt, Zwangsheirat und weibliche Genitalverstümmelung.

Letztere ist laut der Berliner Ärztin Cornelia Strunz auch in Deutschland ein wichtiges Thema. Es gebe zahlreiche Fälle, in denen entweder eine Beschneiderin etwa aus einem afrikanischen Land „eingeflogen“ werde oder Mädchen in den Ferien in „ihrer alten Heimat“ beschnitten würden. „Weibliche Genitalverstümmelung kann man nur durch konsequente Aufklärung über die Folgen – auch in strafrechtlicher Hinsicht – bekämpfen. Das kollektive Schweigen über dieses Verbrechen und der soziale Druck müssen endlich aufhören“, sagte Strunz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Der Verein Frauenhauskoordinierung forderte eine bessere Finanzierung des Hilfesystems für Frauen in Deutschland, die in Partnerschaften Opfer häuslicher Gewalt werden. Demnach ist der Zugang zu Schutzeinrichtungen für zahlreiche Betroffene nicht gewährleistet, jede vierte Frau muss sich zudem an den Kosten ihres Frauenhausaufenthalts beteiligen.

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat stellt in diesem Jahr afrokolumbianische Frauen aus Kolumbien in den Mittelpunkt. Diese litten durch ihr Frausein täglich unter Gefahr und Gewalt.

Der Welttag der Frauen entstand auf Initiative sozialistischer Verbände im Jahr 1911, um die Gleichberechtigung von Frauen und deren Wahlrecht zu fördern. Er wird jährlich am 8. März begangen.

© KNA