UN-Vertreterin würdigt Amazonas-Synode

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Die Amazonas-Synode der katholischen Kirche in Rom ist nach Aussage einer UN-Vertreterin für die Anliegen indigener Völker weltweit von großer Bedeutung. „Die Synode behandelt höchst aktuelle und drängende Themen“, so Victoria Tauli-Corpuz am Dienstag gegenüber Medienvertretern im Vatikan. Die Indigenen in der Amazonas-Region bräuchten dringend internationalen Schutz, so die von den Philippinen stammende Menschenrechtsexpertin.

Ihre eigenen Erfahrungen bei Reisen nach Amazonien deckten sich mit dem, was im Arbeitsdokument der Synode zu lesen sei, so Tauli-Corpuz. Zudem stelle sich die zunehmend bedrohte Lebenslage vieler indigener Völker weltweit ähnlich dar, so die Philippinerin, die dem Volk der Kankanaey Igorot angehört. Die 66-Jährige ist UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker und nimmt als geladene Expertin an der dreiwöchigen Bischofsversammlung im Vatikan teil.

Wenn die katholische Kirche die im Arbeitsdokument der Synode aufgeführten Selbstverpflichtungen ernst nehme, dann könne sie mit ihrem „einflussreichen weltweiten Netzwerk“ viel bewirken, so die UN-Vertreterin. Dies könne geschehen, indem kirchliche Einrichtungen verfolgten Indigenenvertretern Schutz bieten. Aber auch im Bildungsbereich könne die Kirche viel bewirken.

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Der Papst hat mit seiner Enzyklika „Laudato si‘“ den Zusammenhang zwischen globaler Ungerechtigkeit und der Ausbeutung der Natur offengelegt und will nun auch mit einer Bischofssynode für die Amazonasregion Weichen für den künftigen Umgang mit den indigenen Völkern und ihrer Lebenswelt stellen.


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Tauli-Corpuz erinnerte an die UN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker, die in Artikel 12 besonders die religiösen und geistlichen Traditionen solcher Völker schützt. Dass die Bischofssynode diese Traditionen eigens würdige, sei ein gutes Zeichen. Auch für die bei der Synode oft angesprochene Bildung und Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter sei dies ein wichtiges Thema.

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Vom 6. bis 27. Oktober treffen sich Kirchenvertreter und Indigene aus der ganzen Welt im Vatikan. Die Synode steht unter dem Thema: „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“.


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Unterdessen hat Caritas international die Verantwortung der reichen Industrieländer für die Umweltzerstörung in der Amazonas-Region hervorgehoben. Die Industrieländer profitierten von der Ausbeutung der dortigen Bodenschätze wie Aluminium, Eisenerz, Gold und Erdöl und trügen so zur Zerstörung dieses einmaligen Lebensraumes bei, sagte der Referatsleiter für Lateinamerika, Claudio Moser, dem Kölner Internetportal domradio.de am Dienstag. Hinzu komme, dass auf dann gerodeten Flächen auch für den Export Rinder gehalten und Soja angebaut würden.

„Da haben wir Konsumenten mit unserer Lebensweise einen ganz starken Beitrag geleistet“, so Moser. Das Ganze sei ein System, das dazu führe, dass Amazonien quasi zerstört werde, um einem bestimmten Konsummodell und Produktionsmodell weltweit dienlich zu sein.

Als weiteres Problem nannte Moser den illegalen Goldabbau unter anderem in Peru. Dort werde mit großen Pumpen das Erdreich aufgeschlammt und das enthaltene Gold oftmals mit Quecksilber oder Zyanid herausgelöst. Die Stoffe verseuchten weite Flächen und gelangten etwa durch Fische auch in die Nahrungskette der Menschen.

Der Goldrausch verursache zudem eine soziale Krise, so Moser. Um Gold zu schürfen, kämen viele Menschen aus dem Hochland Perus in die Gegend. „Es sind arme Schlucker, und nach dem Goldrausch werden sie es sehr wahrscheinlich wieder sein. Aber in der Zeit, in der sie da in diesem Eldorado sind, verursachen sie auch viele Probleme, zum Beispiel durch Prostitution und sogar auch Kinderprostitution.“ Der Goldabbau leiste auch einen Beitrag zur Zerstörung des Regenwaldes, wenn etwa Straßenschneisen geschlagen und Staudämme gebaut würden.

Die Synode im Vatikan hatte am Sonntag begonnen. Drei Wochen lang wollen bis 27. Oktober Bischöfe aus Südamerika gemeinsam mit Ordensleuten, Vertretern von Indigenen und Experten über Reformen des kirchlichen Lebens, aber auch über ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region beraten. Das Treffen steht unter dem Motto „Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“.

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