Warum man in Nigeria jetzt Chinesisch lernt

  • Welthandel - 12.06.2019

Günstige Smartphones aus China beflügeln in Nigeria die Idee, selbst Geschäfte im Reich der Mitte zu machen. Für bessere Kontakte soll auch der Repräsentant der chinesischen Gemeinschaft sorgen – ein Novum mit Zukunft?

Es ist nicht leicht, einen Termin mit Mike Zhang zu bekommen. Seit Ende April ist der Geschäftsmann, der in der nordnigerianischen Wirtschaftsmetropole Kano lebt, nicht nur für die Herstellung von Trinkwasser und Säften verantwortlich. Er ist auch der erste Repräsentant der chinesischen Gemeinschaft in der Millionenstadt und trägt den Titel „Wakilin Yan China“. Ein traditionelles Amt für einen Chinesen ist ein absolutes Novum in Nigeria. Verliehen hat ihm den Titel der Emir von Kano, Muhammadu Sanusi II. Nach dem Sultan von Sokoto ist der Emir der wichtigste Repräsentant der nigerianischen Muslime. Er äußert sich regelmäßig zu politischen Debatten.

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Mike Zhang musste nach seiner Ernennung kurzerhand ein Zimmer in seinem Büro zum Palast umwandeln. Zahlreiche Fotos erinnern an die große Zeremonie, die schön gewesen sei. „Ich habe das sehr zu schätzen gewusst“, sagt Zhang. Zu seinem neuen Amt gehört nun auch, dass er ständig von einem Shamaki, einem Leibwächter, umgeben ist. Den Emir, der zuvor Banker und Chef der nigerianischen Zentralbank (CBN) war, hat er über persönliche Kontakte kennengelernt. Schon im ersten Gespräch wurden die gemeinsamen Interessen deutlich: chinesische Investitionen für Nigeria und ein engerer Austausch zwischen Geschäftsleuten. „Es wäre gut, wenn wir Unternehmer aus Kano nach China bringen könnten. Wir könnten ihnen zeigen, wie unsere Fabriken funktionieren“, nennt Zhang eins der Ziele für die Zusammenarbeit.

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Auf dem ganzen Kontinent sind chinesische Firmen seit Jahrzehnten präsent. 2017 bezeichnete die Unternehmensberatung McKinsey China als Afrikas wichtigsten Geschäftspartner. Eigenen Schätzungen zufolge seien allein in Nigeria 920 Firmen vertreten, knapp dreimal so viele wie offiziell von Peking angegeben. Sichtbar ist vor allem das Logo CCECC der China Civil Engineering Construction Corporation. Das Bauunternehmen hat das neue internationale Terminal am Flughafen der Hauptstadt Abuja gebaut sowie die 186,5 Kilometer lange Eisenbahnstrecke nach Kaduna.

Noch präsenter im Alltag ist jedoch die Technologie. Es sind vor allem Handys und Zubehör, die den nigerianischen Markt überschwemmen. „Die Preise sind günstiger. Als Nigerianer wollen wir an diesen tollen Dingen teilhaben“, nennt in Abuja Geschäftsmann Orebe Sunday Kola Gründe, weshalb etwa Produkte von Huawei beliebt sind. Zugleich sind sie Lockmittel für Miniunternehmen, die selbst Kontakte nach China aufbauen wollen. Der Import von Mobilfunkgeräten in ein Land, das jährlich um rund fünf Millionen Einwohner wächst, gilt als lukrativ. Laut nigerianischer Kommunikationskommission (NCC) nutzten im Dezember 2018 mehr als 111 Millionen Menschen das Internet.

Owoseni Kehinde gehört zu jenen, die diese Ideen beflügeln. 2006 ging er zum Studium nach China und baut seit seiner Rückkehr das Chinese Language Training Institute in Abuja auf. Er schwärmt von seiner Zeit in Asien. „Das Land ist riesengroß, die Güter jedoch relativ günstig. Es ist das Land, in das die Menschen gehen sollten.“ Mit Kritik hält er sich zurück. Auch habe er kaum schlechte Erfahrungen gemacht. Bisher gibt es jedoch ein entscheidendes Hindernis: die Sprache. „Wenn wir sie sprechen können, werden wir bessere Profite erzielen“, sagt auch Orebe Sunday Kola, der zum Medienteam der Schule gehört.

Am Unterricht, der immer noch in einem provisorischen grünen Zelt stattfindet, nimmt seit Mai Yetunde Raph-Tito teil. Die Rentnerin, die als Sekretärin und Übersetzerin für Englisch und Französisch gearbeitet hat, sitzt zwischen Geschäftsleuten und einem Abiturienten, der zum Studium nach China will. Auch sie hätte großes Interesse, das Land zu bereisen, war vor allem jedoch neugierig auf eine neue Sprache. Diese sollten Nigerianer dringend lernen, rät sie. „Die Chinesen werden bald überall sein, sprechen aber oft kein Englisch. Deshalb müssen wir ihre Sprache lernen.“

In Kano bestätigt das unfreiwillig der „Wakilin Yan China“. Er erzählt, dass er bereits seit 2004 in Nigeria lebt und zuvor in der Gastronomie und im Bergbau gearbeitet hat. Das Interview, darum bittet er, soll jedoch besser auf Chinesisch stattfinden.