Kirchen solidarisch mit „Fridays for Future“

  • Klimawandel - 21.05.2019

Kirchliche Organisationen haben in einem gemeinsamen Appell ihre Solidarität mit der Bewegung „Fridays for Future“ bekundet. Beim Einsatz für die Schöpfung müssten die Kirchen zum Vorbild für die Gesellschaft werden, fordert die Koordinatorin des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit (ÖNK), Monika Maria Schell. Denn Kirchen gehörten zu den wenigen Akteuren, die zu allen Schichten in der Gesellschaft Zugang haben.

Frage: Das Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit (ÖNK) hat angekündigt, dass sich verschiedene kirchliche Organisationen zu einer Bewegung „Churches for Future“ zusammenschließen. Was hat es damit auf sich?

Monika Maria Schell: Bei der Netzwerktagung 2019 des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit im April ist eine Initiative entstanden, die den Aufruf „Churches for Future“ gestartet hat. Kirchen und Organisationen solidarisieren sich darin mit der Klimabewegung „Fridays for Future“. Zum Beispiel haben sie eine Fürbitte entwickelt, die in den Gemeinden gebetet werden kann, um die Anliegen der Kinder und Jugendlichen zu unterstützen. Mit dabei sind unter anderen Misereor, Brot für die Welt, Adveniat, das Bistum Speyer oder auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Sie rufen auch andere kirchliche Organisationen dazu auf, sich mit der Erklärung zu solidarisieren, damit dieses breite gesellschaftliche Bündnis auch in die Kirche hineingetragen wird. Insofern wäre es toll, wenn sich auch weitere Bistümer, evangelische Landeskirchen, kirchliche Organisationen und Initiativen daran beteiligen.

Frage: Wenn wir das breite zivilgesellschaftliche Echo der Bewegung „Fridays for Future“ betrachten, scheint es, als käme das Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit genau zur richtigen Zeit aufs Parkett.

Schell: Das ÖNK ist zur richtigen Zeit da, hatte aber auch schon einen längeren Vorlauf. Es ist einfach toll, dass die Kirchen in diesem Bereich am Zahn der Zeit sind. Da sieht man auch, dass es das tiefe Anliegen der Kirchen ist, die Schöpfung zu bewahren. Vielleicht versuchen sie das mit anderen Worten als die Kinder und Jugendlichen. Aber die jungen Leute haben auch signalisiert, dass sie von den Erwachsenen Unterstützung erwarten. Da sind eben auch die Kirchen gefragt.

Monika Maria Schell koordiniert das Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit (ÖNK) von Berlin aus.

Sabine Mittermeier

„Es ist einfach toll, dass die Kirchen in diesem Bereich am Zahn der Zeit sind.“

— Monika Maria Schell, Koordinatorin des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit (ÖNK)

Frage: Welche konkreten Forderungen gehen mit „Churches for Future“ einher?

Schell: Da an dem Aufruf sehr viele unterschiedliche Mitgliedsorganisationen beteiligt sind, haben sie zunächst einmal ihre Solidarität mit den Jugendlichen ausgedrückt. Gleichzeitig geht es natürlich auch um die Frage, was die Kirchen konkret tun können. Das ÖNK hat zunächst einmal die Akteure miteinander vernetzt und hofft, dass das Thema weiter in die Kirchen getragen wird. Es ist eine große Chance, dass so viele Organisationen mitmachen und eine Dynamik entwickeln.

Frage: Von kirchlicher Seite gibt es ja seit dem Pariser Klimagipfel 2015 die Bewegung des „Ökumenischen Pilgerweges für Klimagerechtigkeit“. Wie bewertet das ÖNK dessen Engagement und was ist für die nächsten Monate geplant?

Schell: Der Klimapilgerweg wurde und wird unabhängig vom ÖNK koordiniert und hat zuletzt breiten Niederschlag in der Presse gefunden. Wir überlegen nun, wie wir die Bewegung künftig noch stärker in unserem Netzwerk verankern können. Die Pilgerbasis des Klimapilgerwegs von Paris 2015 ist bei uns im Netzwerk Mitglied. Unsere Aufgabe ist hier die Vernetzung des Projekts. Etwa, wenn wir ihnen auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund ermöglichen, sich am Stand des Netzwerkes zu präsentieren. Für dieses Jahr ist ein kleinerer Klimapilgerweg von Münster nach Dortmund zum Kirchentag und dann nach Bonn geplant, wo ein Vorbereitungstreffen zum Klimagipfel in Chile 2020 stattfindet. Ein größerer Klimapilgerweg für nächstes Jahr ist in der Planungsphase.

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Frage: Von 27. bis 29. Mai wird auf der Jahrestagung Weltkirche und Mission in Würzburg das Thema Klimagerechtigkeit diskutiert. Welche Erwartungen hat das ÖNK?

Schell: Es ist toll, dass die Konferenz Weltkirche dieses aktuelle Thema aufgegriffen hat und Klimagerechtigkeit bei den Kirchen und Institutionen insgesamt einen so hohen Stellenwert hat. Es wird spannend, zu sehen, wie die Teilnehmer das Thema aus weltkirchlicher Sicht diskutieren. Es wird zudem auch eine Arbeitsgruppe des Netzwerkes geben. Wir freuen uns, wenn sich dann auch noch mehr Mitglieder finden, die im Netzwerk aktiv werden wollen. Ziel des Netzwerks ist es ja, die Menschen zu vernetzen und zum Handeln zu bringen.

Frage: Was sind aus Sicht des ÖNK wichtige Handlungsempfehlungen für die Kirchen zur Schaffung von mehr Klimagerechtigkeit?

Schell: Eine zugegeben ambitionierte Forderung ist die Klimaneutralität der Kirchen bis 2030, damit eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst wird und die Kirchen darin wieder eine Vorbildfunktion übernehmen können. Zudem ist es wichtig, dass sich die Konferenz Weltkirche als ein wichtiger Player in der katholischen Kirche selbst positioniert. Insofern hoffe ich, dass es eine ähnliche Abschlusserklärung der Jahrestagung Weltkirche und Mission wie im vergangenen Jahr zur Religionsfreiheit geben wird. In einem zweiten Schritt könnte die Konferenz Weltkirche mit anderen Religionen und Gemeinschaften in Dialog treten. Alle gemeinsam haben sie die Chance, das Thema nach vorne zu bringen.

Das Interview führte Claudia Zeisel

© weltkirche.de

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