Wie Renovabis Bildungsprojekte in Osteuropa fördert

  • Hilfswerke - 20.05.2019

Wer nicht lernen kann oder darf, bleibt gefangen in einem engen Horizont. Deshalb fördert das katholische Hilfswerk Renovabis bewusst Bildungsprojekte in den osteuropäischen Ländern. Die diesjährige Pfingstaktion wurde am Sonntag in Paderborn eröffnet.

Ihre schwarzen, kurzen Zöpfe schaukeln im Wind, während Kaltrina mit einem Lachen im Gesicht forsch nach vorne marschiert. Bepackt mit ihrem grünen Rucksack ist sie auf dem Weg zur Schule. Das zehnjährige Roma-Mädchen aus dem Kosovo hat Glück gehabt. Es muss nicht arbeiten und zum Unterhalt der Familie beitragen, sondern darf zum Unterricht gehen. In ihrer Nachbarschaft gibt es zudem ein Sozialzentrum. Dort erhalten Kinder Hilfe bei den Hausaufgaben, auch können sie ein Musikinstrument erlernen.

Kaltrina ziert das Plakat, mit dem das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis für seine diesjährige Pfingstaktion wirbt. „Lernen ist Leben“ lautet das Motto der Kampagne, die am Sonntag in Paderborn eröffnet wurde. An Pfingsten selbst wird in allen Gottesdiensten für das Hilfswerk der deutschen Katholiken gesammelt. Seit seiner Gründung 1993 setzt es sich für die Menschen in Mittel- und Osteuropa ein. Im vergangenen Jahr flossen mehr als 28 Millionen Euro in Projekte von Partnern in 29 Ländern. Knapp die Hälfte davon kam sozialen und Bildungsprojekten zugute, die andere ermöglichte kirchlich-pastorale Vorhaben, christliche Medienarbeit und die Entwicklung von Laienstrukturen und katholischer Verbandsarbeit.

Dossier

„Lernen ist Leben“ – das ist das Motto der Renovabis-Pfingstaktion 2019 über die Bildungarbeit in Osteuropa.

 


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Nach den Worten von Renovabis-Hauptgeschäftsführer Christian Hartl geht es darum, die Lebenssituationen der Menschen zu verbessern. Mit den Spendengeldern solle dazu beigetragen werden, dass Menschen ihre Begabungen entfalten können. Eine gute schulische und berufliche Bildung sei dabei eine wichtige Voraussetzung für eine existenzsichernde Zukunft, ist Renovabis überzeugt. Doch der Mensch brauche mehr als Wissensvermittlung. Zur persönlichen Reife gehöre auch die Weitergabe von Werten im Sinne einer „Herzensbildung“ und religiöse Bildung.

Im Kosovo ist es etwa die Don-Bosco-Schule, die mit ihrem ganzheitlichen Bildungskonzept zur Stärkung der Gesellschaft beitragen will. Als die Stadtverwaltung von Gjilan 2013 an den Salesianerorden mit der Bitte herantrat, dort eine Schule zu eröffnen, brauchte es eine große Portion Tatkraft und Offenheit, um in dem überwiegend muslimischen Land eine katholische Schule zu errichten. Doch den Zweifeln und Vorurteilen zum Trotz gibt es die Schule noch immer. Aktuell werden dort rund 250 Mädchen und Jungen unterrichtet. Dem Schulzentrum geht es darum, das Zusammenleben der Religionen zu fördern. Mittlerweile zählt es zu den besten des Landes.

Kosovo

Die Don-Bosco-Schule in Gjilan im Kosovo steuert mit ihrem ganzheitlichen, anspruchsvollen Bildungskonzept zur Stärkung der kosovarischen Gesellschaft bei. Seit 2013 sind die Salesianer in diesem Projekt aktiv und verzeichnen wachsende Erfolge.


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Für sich genommen scheint die junge, dynamische Bevölkerung des Kosovo ein Vorteil für das Land zu sein. Doch eine hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit sorgt dafür, dass viele junge Leute Richtung Westeuropa weiterziehen. Die Don-Bosco-Schule setzt hier einen gegensätzlichen Akzent. Sie versucht, die jungen Menschen auf ein Leben in ihrem Heimatland vorzubereiten.

Die Anstrengungen scheinen Früchte zu tragen. Beqir aus der zwölften Klasse liebt Sprachen und will einmal als Lehrer arbeiten: „Ich möchte nicht weg von hier“, sagt er. Viel lieber wolle er später selbst unterrichten, „am liebsten hier an der Don-Bosco-Schule“. Die 16-jährige Valentia wiederum träumt davon, Ingenieurwissenschaften zu studieren. „Für ein Mädchen klingt das vielleicht ungewöhnlich, aber meine Lehrerin bestärkt mich.“

Ungarn

An sechs Standorten in Ungarn hilft die „Schule der Möglichkeiten“ Erwachsenen dabei, ihren Schulabschluss nachzuholen. Initiiert von den Jesuiten und unterstützt durch zahlreiche Ehrenamtliche lernen hier Menschen im Alter von 16 bis 64 Jahren.


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In Ungarn fördert Renovabis an sechs Standorten die „Schule der Möglichkeiten“. Dort können Erwachsene ihren Abschluss nachholen. Die Initiative ging von Jesuiten aus. Mit Hilfe von Ehrenamtlichen lernen an diesen Einrichtungen Menschen im Alter von 16 bis 64 Jahren.

Ein Beispiel ist der 18-jährige Krisztian. Er hatte die Schule abgebrochen und versuchte sich dann, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, als Küchenhilfe in München. Nun aber ist der junge Mann zurück und paukt mit Hilfe von Gabor Nenyei für seinen Schulabschluss. Der einstige Lehrer (78) will mit diesem ehrenamtlichen Engagement etwas zurückgeben. Der christliche Glaube sei seine Motivation, sagt er, besonders das Bibelwort „Ihr sollt in die Welt gehen und den Glauben verbreiten“. Nenyei ist fest überzeugt, dass damit auch Bildung gemeint ist.