Misereor: Bayer übernimmt umstrittene Geschäftspraktiken von Monsanto

  • Umwelt-Enzyklika - 25.04.2019

Knapp ein Jahr nach der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto durch den deutschen Konzern Bayer kritisieren Entwicklungsorganisationen ein Festhalten an umstrittenen Geschäftspraktiken des US-Konzerns. Um den Verkauf seiner Pestizide und seines gentechnisch veränderten Saatguts zu steigern, nehme Bayer weder Rücksicht auf Menschenrechte noch Umwelt und wirke der Umsetzung der UN-Entwicklungsziele (SDGs) entgegen, stellt eine neue Broschüre von Misereor und dem Netzwerk INKOTA fest, die am Donnerstag in Bonn vorgestellt wurde.

Besonders in den Ländern des Globalen Südens versuche der Konzern für den Verkauf seiner Produkte staatliche Behörden zu beeinflussen. Die Organisationen äußerten sich anlässlich der am Freitag in Bonn geplanten Bayer-Hauptversammlung und kündigten hierzu Protestaktionen an.

„Auch wenn der Firmenname Monsanto verschwinden soll, werden die bereits früher kritisierten Geschäftspraktiken des US-Konzerns unter dem Label von Bayer – dem nun größten Agrarkonzern der Welt mit Sitz in Deutschland – weitergeführt“, kritisierte Lena Michelsen von der entwicklungspolitischen Organisation INKOTA am Donnerstag.

„Trotz seiner Nachhaltigkeitsversprechen und Imagekampagnen hält Bayer an seinem Geschäftsmodell fest“, so Lena Michelsen von INKOTA. „Bayer ist fest entschlossen, auch die von Monsanto übernommenen Produkte – wie das umstrittene Glyphosat – zu verteidigen.

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Misereor und andere Organisationen kritisieren den Agrar- und Pharmakonzern Bayer. Mit seiner Kombination aus gentechnisch verändertem Saatgut und Pestiziden verfolge er ein „umwelt- und gesundheitsschädliches industrielles Agrarmodell“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung.


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Sarah Schneider, Misereor-Referentin für Landwirtschaft und Welternährung, fügte hinzu: „Bayer ist bewusst, dass seine Pestizide in vielen Fällen ohne die nötigen Vorsichtsmaßnahmen eingesetzt werden. Die sichere Anwendung ist ein Mythos, insbesondere im globalen Süden. Das Risiko für die Gesundheit von Millionen Bauern, Bäuerinnen sowie Plantagenarbeitern und -arbeiterinnen hält Bayer jedoch nicht von der Vermarktung hochgiftiger Pestizide ab.“ Im Gegenteil vermarkte das Unternehmen seine Pestizide zum Teil mit doppelten Standards. „Um seine Profite zu steigern, nimmt Bayer Menschenrechtsverletzungen offensichtlich in Kauf und missachtet internationale Verhaltensregeln.“

Besonders im Globalen Süden wird nach Angaben der Broschüre die Schädlichkeit von Glyphosat und anderen Pestiziden für Menschen und Umwelt nur minimal geprüft. Entsprechend schwach seien die Hürden für die Zulassung von Pestiziden und die Regulierung von deren Anwendung. Die Strategie von Agrarkonzernen wie Bayer sei dabei immer dieselbe: Sobald ihre Produkte in reichen Ländern verboten seien, gingen die Konzerne in ärmere Länder, wo die Konzernlobby mehr Einfluss auf die Aufsichtsbehörden ausüben könne. Allein in Brasilien habe Bayer damit Erfolg: Der Konzern vertreibe heute 50 Prozent mehr Wirkstoffe, die in der EU verboten sind, als noch 2016.

Des Weiteren kritisieren die Autoren die geplante Fortführung des Monsanto-Projekts WEMA (Water-efficient Maize for Africa). Im Rahmen des Projekts werde angeblich dürreresistenter Monsanto-Genmais auf Testfeldern in Afrika angebaut. „Mit der Weiterführung von WEMA ignoriert Bayer nicht nur Regierungsbeschlüsse aus Südafrika und Tansania, sondern auch die Kritik aus der Zivilgesellschaft an der weiteren Verbreitung von gentechnisch verändertem Mais“, sagte Lena Michelsen von INKOTA. Monsantos Genmais weise in puncto Dürreresistenz kaum oder keine Vorteile gegenüber herkömmlichem Mais auf.

© Misereor/INKOTA e.V./cze