Museum gibt sterbliche Überreste von indigenem Australier zurück

Kunstminister Bernd Sibler (CSU) hat am Dienstag im Museum Fünf Kontinente in München die sterblichen Überreste eines indigenen Australiers an seine Nachfahren zurückgegeben. Im Rahmen der Zeremonie zur Restitution unterzeichnete er die entsprechenden Dokumente, wie das Ministerium mitteilte. Mit dabei waren Lynette Wood, die australische Botschafterin in Deutschland, der Älteste der Gimuy Walubara Yidindji people und das Oberhaupt der Community Gudju Gudju Fourmile sowie die Leiterin des Museums, Uta Werlich.

Der Leichnam des Yidinji Ancestral King war laut Mitteilung dem einstigen Direktor der Königlichen Ethnographischen Sammlung, der Vorläuferin des heutigen Museums Fünf Kontinente, während dessen Australienreise in den Jahren 1888 bis 1889 für die Sammlung übergeben worden. Die Erforschung des Schicksals und die Rückgabe der sterblichen Überreste des Toten aus Far North Queensland könnten zum gegenseitigen Verständnis und zur Aussöhnung der Kulturen beitragen, betonte Sibler. Wood wiederum erklärte, diese Rückführung sei für die indigenen Australier eine „eminent wichtige Angelegenheit“.

Bildung - 15.03.2019

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart haben jüngst zwei Kulturgegenstände aus der Kolonialzeit an Namibia zurückgegeben. Die Direktorin des Linden-Museums, Inés de Castro, erklärt im Interview, welche Bedeutung eine solche Rückgabe für die Menschen in Namibia hat.


Artikel lesen

Die Provenienz des Leichnams konnte nahezu lückenlos geklärt werden, wie es hieß. Der Yidinji Ancestral King wurde 1876 von einer Forschungsexpedition, an der der deutsche Geschäftsmann Leopold Sachs beteiligt war, im Gebiet des heutigen Queensland aufgefunden. Dabei wurde vermutlich die Bestattungszeremonie der indigenen Gemeinschaft, der der Verstorbene zu Lebzeiten angehörte, gestört. Die Expedition nahm den Leichnam an sich. Sachs brachte ihn nach Sydney, wohl mit dem Ziel, durch den Verkauf der sterblichen Überreste die Kosten der Expedition zu refinanzieren.

Die Bemühungen, diese über einen Mittelsmann namens Ludwig Bruck zu verkaufen, bleiben jedoch erfolglos. Schließlich übergab Bruck den Leichnam an Max Buchner, den damaligen Direktor der Königlichen Ethnographischen Sammlung. Laut Eintragung muss er 1889 nach München gekommen sein und wurde dann dort auch ausgestellt. Letzte Nachweise für eine Ausstellung finden sich in einem Sammlungsführer von 1922. Keine Belege gibt es jedoch dafür, dass der Yidinji Ancestral King nach dem Umzug des Museums in die Maximilianstraße 1926 noch einmal gezeigt wurde.

© KNA