Hunderte Sternsinger starten in Freiburg bundesweite Kinderhilfsaktion
Freiburg ‐ In ihren Weihnachtsferien machen sich bis zum 6. Januar bundesweit geschätzte 300.000 Kinder und Jugendliche auf den Weg. Als Sternsinger bringen sie den Neujahrssegen. Und bitten um Spenden für Kinderhilfsprojekte.
Aktualisiert: 06.01.2026
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Kronen aus Goldpapier, kunstvolle Holzsterne, prachtvolle Gewänder – und Hunderte strahlende Kinder und Jugendliche: Der größte Platz in der Freiburger Innenstadt ist in der Hand der Sternsinger. Aus ganz Baden-Württemberg und auch aus mehreren Bistümern in ganz Deutschland sind die Sternsinger am Dienstag in den Südwesten gekommen, um von hier aus ihre bundesweite Sternsinger-Aktion 2025/26 zu starten.
„Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ lautet das Motto. Ab sofort und bis zum Dreikönigstag am 6. Januar werden geschätzte 300.000 Kinder und Jugendliche von Tür zu Tür ziehen, den Neujahrssegen bringen und um Spenden für Kinderhilfsprojekte weltweit bitten.
„Ihr bringt gerade in den derzeit nicht sehr gemütlichen Zeiten Licht in die Gesellschaft. Unsere Welt braucht nicht nur eine gute Botschaft, sondern vor allem Botschafter, die sich dafür einsetzen“, sagte Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn auf der Sternsingerbühne auf dem Platz der Alten Synagoge.
Die wahrscheinlich südlichste Sternsingergruppe ist aus Küssaberg im Landkreis Waldshut an der Schweizer Grenze zur Auftaktfeier gekommen. Benjamin, Maja, Ronja und Lorenz stecken in aufwendig und liebevoll gestalteten Gewändern und sind zwischen 12 und 15 Jahre alt. „Ich bin das zweite Mal dabei und finde es toll, gemeinsam ein bisschen die Welt zum Guten zu verändern. Einfach, indem wir Spenden für Kinder sammeln, denen es schlecht geht“, sagt der zwölfjährige Benjamin.
Die Sternsingeraktion ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Seit dem Start im Jahr 1959 sollen so 1,4 Milliarden Euro zusammengekommen sein – für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. Getragen und organisiert wird die Aktion vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ gemeinsam mit dem katholischen Jugenddachverband BDKJ.
Wurzel in biblischen Erzählungen
Die Wurzeln der Sternsinger-Tradition liegen in der biblischen Erzählung von den Sterndeutern, den Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesus kostbare Gaben bringen. Auf alten Bildern sind vier Magier zu sehen, in einigen frühchristlichen Kirchen zwölf. Der Kirchenlehrer Origenes sprach dann um das Jahr 200 nach Christus zum ersten Mal von drei Magiern, wohl auch wegen der drei Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Nach und nach wurden aus den Weisen und Sterndeutern dann Könige. Und laut katholischer Tradition liegen die Reliquien, also Teile der sterblichen Überreste der Heiligen Drei Könige, seit dem Mittelalter in einem kostbaren Schrein im Kölner Dom.
Im von den Sternsingern und Sternsingerinnen vollbesetzten Freiburger Münster beschrieb Erzbischof Stephan Burger das Engagement der Jugendlichen als doppelten Segen. „Ihr helft mit, die Welt lebenswerter zu gestalten und die Botschaft Jesu in die Welt hineinzutragen. So zeigt Ihr, dass Ihr zu Jesus Christus gehört“, sagte der Bischof. „Ihr werdet selbst zum Segen, den Ihr anderen zusprecht und an die Haustüren schreibt. Ihr schenkt Freude und Glück, denen, die Euch die Türen öffnen und denjenigen, denen geholfen wird.“
Sternsinger-Präsident Dirk Bingener sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die Sternsinger-Aktion verstehe sich als Beitrag zum globalen Kampf gegen Kinderarmut. Ein Ende von Kinderarbeit sei möglich. Er selbst habe beim Besuch von durch die Sternsinger-Aktion mitfinanzierten Projekten in Bangladesch Kinder getroffen, die jahrelang unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und dann durch Hilfsorganisationen befreit wurden. „Sie gehen jetzt wieder in die Schule. Das ist wie wenn man einem Vogel die Freiheit schenkt und er davonfliegt. Sie können endlich wieder das tun, von dem sie jahrelang nur geträumt haben: lernen, staunen und an die eigene Zukunft glauben“, sagte Bingener.
Diese Botschaft gegen Kinderarbeit wollen die Sternsinger-Gruppen auch an den Bundespräsidenten und Bundeskanzler richten, wenn diese zu Jahresbeginn in Berlin ausgewählte Gruppen empfangen, sagte Bingener. Man wolle der Politik zeigen, dass „wir keine ausschließlich interessengeleitete Außen- und Entwicklungspolitik“ wollen. Vielmehr gehe es um eine wertebasierte Politik, die die Interessen der Schwächsten im Blick hat.
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