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Vor 500 Jahren wurde der letzte Herrscher der Azteken hingerichtet
Mexiko-Stadt ‐ In Mexiko ist Cuauthemoc eine feste Größe. 500 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod hat „Sich herabsenkender Adler“, der letzte Herrscher der Azteken, einen Ehrenplatz im nationalen Gedächtnis.
Aktualisiert: 20.02.2025
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Das Ende war elend. Schon länger befand sich Cuauthémoc in den Händen der Spanier. Eroberer Hernán Cortés schleppte den letzten Herrscher der Azteken als Faustpfand mit sich, um die spanische Dominanz über wachsende Teile Mexikos zu sichern – während er gegen seinen Landsmann Cristóbal de Olid zu Felde zog. Dieser hatte in Honduras eine eigene Kolonie gegründet. Ende 1524 war die Lage in der „Neuen Welt“ verfahren. „Mittelamerika versank in Anarchie und Gewalt“, schreibt Historiker Wolfgang Behringer.
Die Gier nach Macht und Gold sorgte selbst bei der daran nicht unbeteiligten Regierung im fernen Spanien für Kopfschütteln. „Männer, die wie sanfte Lämmer ausgezogen waren, verwandelten sich nach ihrer Landung in reißende Wölfe und vergaßen alle königlichen Gebote“, hielt ein Schreiber leicht fassungslos fest. Cuauthémoc, dessen Name „Sich herabsenkender Adler“ bedeutet, musste unterdessen erleben, wie die stolze Hauptstadt seines Reiches, Tenochtitlan, zum Sturzflug in die Bedeutungslosigkeit ansetzte.
Ende Februar 1525, als Daten kursieren der 26. und der 28. des Monats, kam es dann zum Showdown. Cortés, der bei seinem Feldzug gegen de Olid offenbar Verrat an jeder Ecke witterte, ließ den Aztekenherrscher hinrichten. Kurz vor seinem Tod soll Cuauthémoc noch getauft worden sein. Nicht unüblich bei den Spaniern, die einerseits vorgaben, das Christentum zu verbreiten, andererseits völlig skrupellos zu Werke gingen, wenn es darum ging, lästige Konkurrenz aus dem Weg zu räumen.
Rückblende: Am 8. November 1519 betritt ein von Cortes angeführter Trupp Tenochtitlán, mit schätzungsweise 150.000 Einwohnern eine der größten Ansiedlungen der damaligen Welt. „Die Stadt selbst liegt mitten in einem See und ist nur über Steindämme zugänglich“, schreibt ein von der Pracht geblendeter Cortés. Auf den Plätzen herrsche geschäftiges Treiben. „Da gibt es Kleinodien aus Gold und Silber, Blech, Messing, Knochen, Muscheln, Hummerschalen und Federn zu kaufen, Werkzeuge, Vögel, Kleingetier, heilkräftige Kräuter, Gemüse und zahllose andere Dinge.“
Der oberste Gebieter Moteuczoma – auch „Montezuma“ genannt und ein Vetter von Cuauthémoc – lässt die Spanier zunächst kampflos in die Herzkammer seines Reiches einziehen. Ganz unvorbereitet ist er allerdings nicht. Seine Kundschafter haben ihm Erstaunliches über die spanischen Rösser und ihre Reiter berichtet: „Sie gehen schnell auf ihren Hirschen.“ Die Waffen seien von furchterregender Durchschlagskraft. „Wenn sie Feuer speien, versetzt es einen in Schrecken. Du würdest schreien, wenn du es hörtest.“
Ob die Conquistadoren in ihren Rüstungen den Azteken tatsächlich wie himmlische Gestalten vorkommen, die einer schon länger erwarteten Rückkehr des Gottes Quetzalcóatl den Weg bereiten, beurteilt die jüngere Forschung zurückhaltend. Auf jeden Fall lässt „der gewaltige Kaiser“ Moteuczoma, wie Cortés ihn nannte, den Spaniern höchste Ehren angedeihen. Doch der trügerische Friede ist bald beendet. Ab Mai 1520 kommt es zu schweren Zusammenstößen, provoziert durch ein Massaker von Cortés' Mitstreiter Pedro de Alvarado an aztekischen Adeligen.
Widerstandswillen
Die Tage des von den Spaniern festgesetzten Moteuczoma sind gezählt, den militärischen Widerstand organisiert Nachfolger Cuauthémoc. Eine Zeit lang sieht es so aus, als könnten die Azteken die Spanier zurückschlagen. Doch die von den Europäern eingeschleppten Pocken dezimieren die Truppen des Tlatoani. Und Cortes gelingt es, die mit den Azteken rivalisierenden Tlaxcalteken als Bundesgenossen zu gewinnen. Als Cuauthémoc im August aus Tenochtitlán zu fliehen versucht, wird er gefangen genommen.
Die Schaltzentrale der Macht liegt längst in Trümmern – und Sieger Cortés nutzt die Gunst der Stunde. An die Stelle von Moteuczomas Palast lässt er seine Residenz errichten; aus den Überresten des Haupttempels entsteht die größte und älteste Kathedrale Amerikas. Die neu errichtete Stadt trägt den Doppelnamen Mexiko Tenochtitlán.
Heute ist daraus die Millionenmetropole Mexiko-Stadt geworden. Auf dem großen Platz vor der Kathedrale, dem Zócalo, steht eine Statue Cuauthémocs. Eine Stadt im Bundesstaat Chihuahua trägt den Namen des letzten Herrschers der Azteken. Sie dient zugleich als Sitz des katholischen Bistums Cuauhtémoc-Madera.
Cuauthémoc verkörpere den Widerstandswillen der Mexikaner, sagt der Berliner Historiker Stefan Rinke. „Im Gegensatz zu Moteuczuma steht er als derjenige, der sich nicht unterwirft oder mit den Conquistadoren paktiert, sondern zähen Widerstand leistet – quasi bis zum letzten Mann. Dass er sich gefangen nehmen lässt, wird dabei ausgeblendet.“
Und dann gibt es ja noch den Adler in der mexikanischen Flagge. Der majestätische Vogel stehe generell für das Aztekenreich, so Rinke. „Denn er benennt den Ort, an dem die Azteken einst ihre Hauptstadt Tenochtitlán gegründet haben sollen, nämlich dort, wo ein Adler auf einem Nopalkaktus saß.“
Quellen:
Stefan Rinke, „Conquistadoren und Azteken - Cortes und die Eroberung Mexikos“, Verlag C. H. Beck, München 2019, 28,00 Euro; Wolfgang Reinhard, „Die Unterwerfung der Welt - Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415-2015“, Verlag C. H. Beck (5. Auflage), München 2021, 58,00 Euro. Wolfgang Behringer, „Der große Aufbruch. Globalgeschichte der frühen Neuzeit“, Verlag C. H. Beck, München 2023, 48,00 Euro.
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