Rundgang durch Bagdad: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz an der schiitischen Moschee.
„Auf der Suche nach friedlicher Koexistenz nach einem Terrorregime“

Erzbischof Bentz auf Solidaritätsreise im Irak

Bonn ‐ Jahrzehnte des Krieges haben die Christen im Irak gezeichnet. Mit seiner Reise nach Bagdad und in den Nordirak möchte der für den Nahen Osten zuständige Erzbischof Udo Bentz die im Land verbliebenen Angehörigen christlicher Konfessionen unterstützen.

Erstellt: 01.02.2025
Aktualisiert: 03.02.2025
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Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (Paderborn) ist zu einem Besuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Mit seiner Reise will Bentz, der derzeit Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz sowie Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax ist, ein Zeichen der Solidarität für die verbliebenen Christen im Irak setzen.

In Bagdad sind Treffen zwischen Erzbischof Bentz und dem Patriarchen der chaldäischen Kirche, Raphaël I. Sako, sowie dem Lateinischen Erzbischof der Hauptstadt, Jean Benjamin Sleiman, geplant. Zudem wird er die syrisch-katholischen Kathedrale und einen ökumenischen Jugend-Workshop der Stiftung Pro Oriente besuchen.

Bei Projekten der Caritas und einem Gespräch mit dem deutschen Botschafter im Irak plant der paderborner Oberhirte, sich über die Situation im Land informieren. „Vor allem möchte ich verstehen, wie weit der Wiederaufbau der christlichen Gemeinschaften gelungen ist und wo es noch Notwendigkeit zur Unterstützung – auch international – gibt. Der Irak macht einen Versöhnungsprozess durch, an dem die Kirche mit ihrem zivilgesellschaftlichen Einsatz wesentlich beteiligt ist“, betont Bentz.

Gerade angesichts der Unsicherheit in der christlichen Bevölkerung, die jetzt in Syrien mit dem Sturz des Assad-Regimes entstanden sei, wolle er vom Irak lernen, wie das Land nach einer Terrorherrschaft zu neuer Zuversicht und gemeinsamer Verantwortung aller Bevölkerungsteile gefunden habe. „Mir ist wichtig, dass wir den Irak – als Wiege der Zivilisation und auch des frühen Christentums – nicht aus dem Blick verlieren. Erst vor einer Woche konnte ich in Israel und Palästina mehr von den geopolitischen Konflikten lernen. Der Nahe Osten reicht aber weiter und deshalb ist es gut, wenn ich hier den Christen die Solidarität der Kirche aus Deutschland übermittle.“

Letzte Besuche mussten abgesagt werden

Anschließend soll Erzbischof Bentz wird seinen Besuch im Nordirak fortsetzen. In der kurdischen Metropole Erbil stehen Gespräche mit politischen Vertretern und Repräsentanten der zahlreichen christlichen Konfessionen auf dem Programm. Insbesondere wird er sich ein Bild von den durch die Kirchen geförderten Wiederaufbauprogrammen und den Rückkehrmöglichkeiten von Christen in der Region machen.

„Ich bin dankbar, in diesen Tagen ein wenig auch den Spuren von Papst Franziskus zu folgen, der im März 2021 – trotz der Pandemie – in den Irak gereist ist. Seine Ermutigung an die Christen vor Ort, ihren Glauben zu leben, muss uns Verpflichtung sein, ihnen zu helfen. Beim Wiederaufbau des Irak bedarf es einer verantwortungsvollen Kooperation von Kirchen, Religionen und dem Staat. Nur zusammen lässt sich dieser Prozess forcieren“, so Bentz.

Auch die Ninive-Ebene steht auf dem Programm, dort sind Besuche in Qarakosh und Mossul geplant, von wo der „Islamische Staat“ 2014 das Kalifat ausrief. Außerdem ist ein Besuch im Heiligtum der Jesiden in Lalish angedacht. „Wir dürfen bei aller Solidarität mit unseren christlichen Schwestern und Brüdern die Jesiden nicht vergessen, die in besonderer Weise unter dem Terror gelitten haben. Es ist notwendig, dass ihnen – wie den Christen auch – der verfassungsrechtlich zugesicherte Minderheitenstatus erhalten bleibt und dieser von der Regierung auch durchgesetzt wird“, so Bentz. Sein Solidaritätsbesuch gelte daher allen: Christen, Jesiden und auch den muslimischen Bekenntnissen.

Zuletzt war ein Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz 2018 in den Irak gereist. Die letzten Besuche waren wegen der Pandemie und dann vor einem Jahr kurzfristig abgesagt worden.

weltkirche.de mit Material der DBK

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