Misereor fordert Entschädigung für Dammbruch-Opfer in Brasilien

  • Menschenrechte - 22.09.2020

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor fordert eine umfassende Entschädigung der Opfer des Dammbruchs einer Eisenerzmine in Brasilien im Januar 2019. Außerdem werden international verbindliche Regeln und Sanktionen für Unternehmen angemahnt, die Menschenrechte verletzen und Umweltverschmutzungen verursachen, wie Misereor am Montag in Aachen mitteilte.

In der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats am Montag hatte demnach Marina Oliveira im Namen der Misereor-Partnerorganisationen Justica nos Trilhos und Associacao Jangada eine Untätigkeit der Regierung angeprangert: „Der brasilianische Staat erlaubt, dass die für Umweltverschmutzungen verantwortlichen Unternehmen die Methodologie für die Ermittlung der Kontaminierungswerte festlegt. Wir brauchen aber unabhängige Analysen über die Qualität unserer Luft, unseres Bodens und Wassers“, sagte Oliveira.

Beim Dammbruch in Brumadinho im Januar 2019 waren den Angaben zufolge 272 Menschen getötet, das Trinkwasser der Bevölkerung verseucht und die Umwelt zerstört worden. Verantwortlich sei neben dem Bergbauunternehmen Vale auch das deutsche Zertifizierungsunternehmen TÜV Süd, das den Damm geprüft und letztlich als sicher eingestuft hatte, hieß es.

UN-Sonderberichterstatter empfiehlt internationale Untersuchung

Der kürzlich veröffentlichte Länderbericht zu Brasilien des UN-Sonderberichterstatters zu Auswirkungen von Umweltverschmutzungen auf Menschenrechte, Baskut Tuncak, empfiehlt laut Misereor dem UN-Menschenrechtsrat die Einleitung einer internationalen Untersuchung über die Menschenrechtssituation in Brasilien mit besonderem Fokus auf Fragen der Umwelt, öffentlichen Gesundheit, Arbeiterrechte und Menschenrechtsverteidiger. Es sei das erste Mal seit Bestehen der brasilianischen Demokratie, dass ein unabhängiger UN-Berichterstatter eine solche Empfehlung abgebe.

Misereor und das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) unterstützen zudem die Forderungen nach einem wirksamen Lieferkettengesetz für Deutschland. „Deutschland importiert mehr als die Hälfte seines Eisenerzes aus Brasilen. Ein Großteil davon wird an die deutsche Automobilindustrie geliefert. Die Unternehmen müssen in die Pflicht genommen werden, Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen“, betonte der Leiter der Lateinamerikaabteilung bei Misereor, Dieter Richarz.

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© Text: KNA