Proteste in Malaysia gegen Waldbrände und Smog

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  • Klimawandel - 23.09.2019

Mehr als 5.000 Waldbrände lodern auf Borneo und Sumatra. Hunderttausende Hektar Kohlenstoffspeicher gehen in Rauch auf. Als Brandstifter gilt die Palmölbranche. Der giftige Smog trieb jetzt viele zu Protest auf die Straße.

Aqilah Fairuz ist immer dabei, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht. „Ich bin eine Aktivistin“, sagt die 18-Jährige stolz. Ihre simple Botschaft bei dem Klimaprotest am Samstag in Kuala Lumpur hat Fairuz auf ein Stück weiße Pappe geschrieben: „We can make the Earth great again“ – „Wir können die Erde wieder großartig machen“.

Die Studentin mit dem Berufsziel Englischlehrerin trägt als gläubige Muslimin ein schwarzes Kopftuch, das farblich mit der Gesichtsmaske harmoniert. Solche Masken sind in diesen Tagen in Kuala Lumpur ein häufig anzutreffendes Accessoire zum Schutz vor dem giftigen Haze. So wird der von den Waldbränden in Indonesien stammende Smog genannt, der seit Wochen gräulich-gelb und stinkend die Hauptstadt Malaysias und weite Teile des Landes einhüllt.

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In Malaysia und Indonesien herrscht die trockene Jahreszeit – für Palmölfirmen und Plantagenbesitzer alle Jahre wieder die perfekte Gelegenheit, Urwälder für die Schaffung neuer Flächen für Plantagen abzufackeln. Aktuell lodern nach Angaben indonesischer Behörden in Kalimantan (dem indonesischen Teil Borneos) und auf Sumatra 5.086 Brandherde. Malaysia ist weltweit nach Indonesien der zweitgrößte Palmölproduzent, und viele der großen malaysischen Palmölfirmen sind in Indonesien aktiv.

Der Haze ist nicht nur das große Thema bei dem Klimastreik der jungen Leute in Kuala Lumpur, er ist in diesem Jahr die Motivation vieler, aktiv zu werden. Wie zum Beispiel der Schuhfabrikant und Musikproduzent Sidweswaran Paramaswaran. Nach den Medienberichten über den Haze, Bildern von durch die Brände umgekommene Orang Utans und der eigenen Erfahrung des krankmachenden Smog sagte sich der 31-Jährige „Genug ist genug“ und startete zwei Tage vor dem weltweiten Klimastreik am Freitag eine Petition auf Change.org.

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Darin werden die Regierungen von Malaysia und Indonesien aufgefordert, ein für alle Mal Schluss mit den Bränden zu machen und die Plantagenbesitzer zur Verantwortung zu ziehen. In nur drei Tagen wurde die Petition schon von 10.000 Menschen unterzeichnet. „Wenn wir 100.000 Unterschriften haben, will ich sie den zuständigen Ministern in Malaysia und Indonesien übergeben“, sagt Paramaswaran.

Fast entschuldigend sagt die Studentin Ili Nadiah Dzulfakar: „Unsere Klimademonstration ist nicht so groß wie die in Berlin.“ Sie ist Mitgründerin der Klima Action Malaysia (KAMY), einer der Organisatorinnen der Demo an diesem Samstag mit Ziel Merdeka (Unabhängigkeit) Platz. „Bei der Beantragung der Demo hat die Polizei versucht uns einzuschüchtern“, erzählt die Studentin der Umweltwissenschaft.

„Bei unseren Workshops über Umwelt und Klima sind immer Beamte der Special Branch (Geheimdienst der Polizei) anwesend.“ Es gehe ja um den Raubbau an den Wäldern Malaysias durch die Palmölindustrie und damit um Malaysias wichtigstes Exportgut. „Da ist Kritik unerwünscht“, sagt Dzulfakar. Malaysias katholische Landwirtschaftsministerin Teresa Kok wirft der EU einen „Handelskrieg“ gegen Malaysia vor, nachdem das EU-Parlament im August 2018 beschlossen hatte, bis 2030 die Verwendung von Palmöl für Bio-Kraftstoffe schrittweise zu beenden.

Unterdessen erreichen Grenzwerte für Feinstaub und Ruß in Malaysia höchst ungesunde Höhen. Tausende Schulen wurden in den vergangenen Tagen geschlossen, Atemwegserkrankungen sind um 16 und Bindehautentzündungen um 25 Prozent gestiegen. Cloud seeding – die „Impfung von Wolken“ für künstliche Niederschläge – hat zwar in den vergangenen Tagen in Kuala Lumpur zu einigen Regenfällen geführt, aber ohne großen Erfolg. Wenige Stunden nach den Regengüssen riecht und schmeckt die Luft wieder verbrannt, beginnen die Augen wieder zu tränen.

Für Eugene Chang ist der Klimastreik die erste Demo in seinem jungen Leben. „Greta Thunberg ist meine Inspiration. Meine Eltern waren anfangs skeptisch. Aber inzwischen haben sie akzeptiert, dass ich meine eigene Meinung habe“, sagt der 15-Jährige. Sein konkretes Anliegen: „Schulen müssen endlich den Schutz der Umwelt zum Thema machen. Das ist doch deren Verantwortung.“