Um Berlin wird das Wasser knapp

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  • Klimawandel - 06.09.2019

Deutsche Einwanderer haben eine kleine Stadt im Herzen von El Salvador „Berlin“ getauft. Heute wird um Berlin das Wasser knapp – auch weil der Klimawandel voranschreitet.

„Cashew- und Kakaobäume, Limetten, Orangen, Mangos, dazu Tomaten, Mais und Chili.“ Wenn Fidel Cristino Palacio Diaz erzählt, was er alles auf seinem rund 7.000 Quadratmeter großen Stück Land anbaut, dauert das einige Zeit. Fruchtbar ist der Boden in diesem Teil des Departamento Usulután im Herzen von El Salvador, dem kleinsten Staat Mittelamerikas. So fruchtbar, dass sich vor mehr als 100 Jahren sogar Einwanderer aus Deutschland hier niederließen, um in den Kaffeeanbau einzusteigen. Ein paar Kilometer entfernt von der Stelle, wo Kleinbauer Palacio seine Stauden und Sträucher großzieht, trägt deswegen eine kleine Stadt einen großen Namen: Berlin.

Das ist Geschichte. In der Gegenwart haben die Menschen mit ganz anderen Dingen zu tun. Ein Problem: Um Berlin herum wird das Wasser knapp. Misswirtschaft und Verschmutzung gehören zu den Gründen. Seit längerem sorgt eine mögliche Privatisierung der Wasserversorgung für erbitterten Streit in El Salvador. Hinzu kommt ein weiterer Faktor, den der katholische Bischof William Ernesto Iraheta Rivera ins Feld führt. „Die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir hier sehr stark“, sagt der Leiter des Bistums Santiago de Maria.

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Die Diözese ist in etwa deckungsgleich mit dem Departamento Usulután und erstreckt sich von der Pazifikküste im Süden bis an die Grenze zu Honduras. „Sehr viele Ernten gehen verloren – im Norden aufgrund von Trockenheit, im Süden aufgrund von Überschwemmungen“, umschreibt der Bischof das Dilemma. Für Menschen wie Palacio, die ohne die Erträge ihrer Felder kaum über die Runden kommen, ist das ein Desaster. Und oft, sagt Bischof Iraheta, stehe die Bevölkerung auf dem Land solchen extremen Wetterereignissen hilflos gegenüber.

In der Gemeinde La Lima, dem Wohnort von Kleinbauer Palacio, versucht die Caritas des Bistums Santiago de Maria seit rund zwei Jahrzehnten, Grundlagen für mehr Ernährungssicherheit zu legen – und das Problem des Wassermangels anzugehen. Ein sichtbares Zeichen dafür sind die kleinen, mit Folie abgedichteten Gruben, in denen sich Regenwasser sammeln kann. Bäume und Sträucher sollen die Feuchtigkeit im Boden halten und die Erosion bremsen, eine nachhaltige Landwirtschaft mehr als nur das eigene Überleben sichern.

Ein mit Folie abgedichtetes Wasserreservoir in der Gemeinde La Lima in El Salvador.

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Das Konzept trägt offenbar Früchte. Auf dem Dorfplatz präsentieren die Bewohner von La Lima Produkte, die sie auf den Märkten der Umgebung verkaufen: Fruchtwein, Kokosöl, Marmelade und Kosmetikprodukte wie eine wohlriechende Seife auf Kräuterbasis. Mit „Bruder“, „Schwester“ oder „Kamerad“ reden sie sich hier an. Ein Hinweis darauf, dass in La Lima nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch die Solidarität der Bewohner untereinander wächst?

Das jedenfalls wollen die Verantwortlichen der Caritas ebenfalls erreichen. Denn, so sagen sie, es sind die Bauern, die das Land kultivieren. Aber sie sind es auch, die die größten Schwierigkeiten haben, bei den Behörden auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Dies wiederum trägt mit dazu bei, dass sich ganze Familien mangels Perspektiven immer wieder auf den Weg Richtung USA machen. El Salvador leidet unter einer enorm hohen Migrationsrate. Tag für Tag verlassen mehrere Hundert Menschen ihre Heimat.

Das sind die großen Zusammenhänge. Im Kleinen, in La Lima, fällt immerhin die Zwischenbilanz mit Blick auf die zurückliegende Saison positiv aus. Trotz 42 Tagen Trockenheit habe man zwei Ernten einfahren können. Der Klimawandel und seine Folgen wird die Menschen aber weiterhin beschäftigen, ist sich Bischof Iraheta sicher: „Es ist noch viel zu tun.“

Von Joachim Heinz (KNA)

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