Amazonas-Bischof Kräutler begrüßt Klimaproteste der Jugend

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  • Amazonas-Synode - 11.06.2019

Amazonas-Bischof Erwin Kräutler begrüßt die große Resonanz auf die Klimaproteste der „Fridays for Future“-Bewegung. „Dass die Jugendlichen jetzt aufstehen, weil sie sich Sorgen um ihre Zukunft machen, ist für mich ein Erfolgserlebnis“, sagte der emeritierte Bischof der „Tiroler Tageszeitung“.

Den jungen Leuten sei klar, „dass sie das Leid zu tragen haben, das derzeit angerichtet wird, und dass jene, die heute politisch oder wirtschaftlich das Sagen haben, schon längst in Pension oder tot sind, wenn die Folgen ihres Tuns spürbar werden“, so der 79-Jährige, der von 1981 bis 2015 Brasiliens flächenmäßig größte Diözese Altamira-Xingu leitete.

Er mache seit Jahrzehnten in Brasilien auf Brandrodung und Umweltverschmutzung aufmerksam, habe dafür aber „kaum ein Echo“ erhalten, so der aus dem österreichischen Vorarlberg stammende Bischof. Der schwedischen Schülerin und Klimaaktivistin Greta Thunberg sei es gelungen, „eine nachvollziehbare Angst plausibel zu vermitteln“. Die Jugend habe „realisiert, dass sie ihre Zukunft schon in der Gegenwart gestalten muss“. Man müsse nun auf ihre Ängste eingehen, forderte der Bischof: „Wir, die Alten, können nicht so tun, als würde uns das nichts angehen. Das ist einfach verantwortungslos.“

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Die Sondersynode findet vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan statt. Sie steht unter dem Thema: „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Das Bischofstreffen will Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen in den Blick nehmen.


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Eine wesentliche Rolle beim Schutz der Umwelt kommt aus Sicht Kräutlers auch der Kirche zu: „Sie kann den Menschen vermitteln, dass sie sich dafür einsetzen und das schützen müssen, was ihnen Gott gegeben hat.“

Scharfe Kritik übte der Bischof erneut an Brasiliens seit Jahresbeginn amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro. Dessen Ankündigung, Amazonien für multinationale Bergbau- und Holzkonzerne zu öffnen, sei für ihn „wie ein Stich ins Herz“ gewesen, schilderte Kräutler, der sich für den Erhalt des Regenwalds und die Rechte der in der Amazonasregion lebenden Indigenen einsetzt. Das von rein wirtschaftlichem Interesse geleitete Vorgehen der multinationalen Konzerne gefährde die Zukunft Amazoniens. „Sie kommen, um Gold und mehr aus dem Boden zu holen, und lassen uns in Brasilien eine vergiftete Umwelt zurück. Die interessieren sich keinen Deut dafür, was das für Folgen hat“, kritisierte der Bischof.

Studenten und Nichtregierungsorganisationen gingen dagegen auf die Barrikaden, und auch die Kirche wehre sich gemeinsam mit ihnen, so Kräutler: „Es geht um Leben und Tod. Was Bolsonaro macht, können wir nicht hinnehmen.“

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