Erzbischof Schick nach Kroatienbesuch: Kirche hat Verantwortung für Europa

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  • Deutsche Bischofskonferenz - 26.04.2019

Für den Zusammenhalt in Europa sieht der katholische Erzbischof Ludwig Schick auch die Kirchen in der Verantwortung. Zu ihrem Auftrag gehöre die „Bildung von universaler Gemeinschaft für das Gemeinwohl“, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag in Bonn nach einer viertägigen Reise nach Kroatien. Begleitet wurde er vom Hauptgeschäftsführer des katholischen Osteuropahilfswerks Renovabis, Christian Hartl.

Schick stellte fest: „Die politischen und sozialen, auch die kulturellen und damit verbundenen religiösen Friktionen in Europa nehmen zu. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Europäer scheint schwächer zu werden.“ Daher sei es wichtig, dass die Beziehungen der katholischen Kirchen in Ost und West verstärkt würden.

Für Schick sind die Kirchen verpflichtet, „die gemeinsame Heimat Europa mit dem Zeugnis für die Werte des Evangeliums, vor allem der Freiheit und der Einheit, der Eigenverantwortung und Solidarität, zusammenzuhalten und weiterzuentwickeln“. In Kroatien hätten ihn alle seine Gesprächspartner in dieser Einschätzung bestärkt.

Hilfswerke

Im März 1993 wurde Renovabis als „Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa“ ins Leben gerufen – gegründet von der Deutschen Bischofskonferenz auf Anregung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken.


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Er sei in dem Balkanland „einer lebendigen, im religiösen und sozialen Leben sowie im Bildungsbereich engagierten Kirche begegnet“, erklärte Schick. „Die Berufungen zum priesterlichen Dienst sind stabil und die Verbindung der Jugend zur Kirche stärker als in Westeuropa.“ Allerdings stehe die Kirche in Kroatien auch vor großen Herausforderungen, denn: „Die kroatische Gesellschaft muss die kommunistische Vergangenheit aufarbeiten und sich mit der derzeitigen gesamteuropäischen Gegenwart auseinandersetzen.“ Auch die Kriege in den 1990er Jahren wirkten bis heute nach.

In den vergangenen Jahren habe die Emigration zugenommen, und bisher gebe es keine Konzepte dagegen, erklärte der Bamberger Erzbischof. „Als Gründe für die Auswanderung werden neben fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven die verbreitete Korruption und das mangelnde Vertrauen in die staatlichen Institutionen genannt.“ Die EU müsse einen Ausgleich der wirtschaftlichen und sozialen Standards innerhalb der Mitgliedsländer und zwischen den Staaten Europas anstreben, forderte er.

Mit Blick auf kirchliche Projekte in Kroatien verwies Schick darauf, dass seit den 90er Jahren fast 30 katholische Schulen gegründet worden seien, sowie auf die Katholische Universität Zagreb. „Mit dem Bildungsangebot trägt die Kirche zur Entwicklung der ganzen Gesellschaft bei“, sagte der Erzbischof.

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