Politiker fordern mehr Schutz für Christen weltweit

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  • Bedrängte Christen - 23.04.2019

Nach den Selbstmordanschlägen in Sri Lanka mit mehr als 300 Toten fordern deutsche Politiker einen stärkeren Schutz christlicher Minderheiten. Vertreter verschiedener Parteien mahnten am Dienstag zugleich zu religiöser Toleranz und warnten vor gesellschaftlicher Spaltung.

„Der Terror in Sri Lanka reiht sich ein in verschiedene Anschläge gegen Christen weltweit“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), der „Welt“. „Christen sind weltweit das Ziel von radikalen Muslimen. Das ist eigentlich unverständlich, weil das Christentum ja mit dem Islam verwandt ist.“

Zwar gebe es in Deutschland derzeit keine derartige Bedrohung, so Grübel weiter. Hierzulande müssten aber alle Menschen zur religiösen Toleranz erzogen werden. Gerade zu Ostern, wo die Menschen nach dem christlichen Motto „Fürchtet euch nicht“ lebten, seien solche Anschläge besonders perfide.

Bedrängte Christen - 23.04.2019

Kirchenvertreter weltweit haben ihre Bestürzung nach den Anschlägen auf Kirchen und Hotels auf Sri Lanka zum Ausdruck gebracht. Sie erinnerten zugleich an die Rolle der Kirche für den Friedensprozess nach dem Bürgerkrieg.


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Der ehemalige Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), sagte, die sri-lankische Regierung müsse einen besseren Schutz für christliche Kirchen gewährleisten. Religiöser Hass und Intoleranz dürften niemals das letzte Wort haben.

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak forderte angesichts der Anschläge mehr Schutz für Christen. Wichtig sei nun, sich nicht spalten zu lassen und den Dialog der Religionen aufrechtzuerhalten. „Dazu gehört aber auch, die Unterdrückung von Christen deutlich anzusprechen und klar für die Einhaltung der Religionsfreiheit einzutreten.“

Der religionspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hermann Gröhe (CDU), sagte der „Rheinischen Post“, religiöse Intoleranz richte sich heute in besonderer Weise gegen Christen, die an der Freiheit der Religionsausübung gehindert werden sollen. „Wir haben in Christchurch aber auch miterleben müssen, dass Muslime in ihren Gotteshäusern Opfer eines Rechtsterroristen geworden sind“, fügte er hinzu. „Es darf aber auch nicht vergessen werden, in wie vielen Teilen der Welt sich Menschen aller Religionen aufgrund ihres Glaubens für andere einsetzen. Das ist die richtige Antwort auf die Anschläge in Sri Lanka: Wir dürfen uns von diesem Hass nicht vergiften lassen“, mahnte Gröhe.

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer sagte der „Welt“, mehr als 100 Millionen Christen lebten in Ländern, in denen ihr Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht geachtet werde. „Damit sind Christen in vielen Regionen die größte verfolgte Gemeinschaft, sei es in China, Nordkorea, Pakistan oder Teilen Nigerias.“ Mit Sri Lanka hätten die Terroristen gezielt ein Land erschüttern wollen, in dem vier große Weltreligionen bislang – trotz aller politischen Konflikte – friedlich miteinander gelebt hätten. Es müsse unter allen Umständen vermieden werden, dass es zu einem Zusammenprall der Kulturen komme, so der FDP-Politiker.

Der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold sagte, die Religionsfreiheit von Christen sei in vielen Teilen der Welt bedroht. „Europa muss sich nachdrücklich auf der Welt für das Recht auf Religionsfreiheit einsetzen.“

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