Papst kritisiert beim Weltjugendtag in Panama Korruption

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  • Weltjugendtag - 25.01.2019

Zum Auftakt des Weltjugendtags in Panama findet Franziskus deutliche Worte gegen Korruption und Profitdenken. Den Bischöfen stellt er Salvadors Märtyrer-Erzbischof Oscar Romero als Leitstern vor.

Papst Franziskus ist beim Weltjugendtag in Panama angekommen. Bevor er aber in das fromm-frohe Treiben in der Pazifik-Metropole eintaucht, hat er die Erwartungen an jene abgesteckt, die Verantwortung für die Lebensbedingungen der kommenden Generation tragen. Seine ersten Ansprachen am Donnerstag galten Politikern und Bischöfen.

Palacio Bolivar, Sitz des Außenministeriums in Panamas Altstadt. Das ehemalige Franziskanerkloster ist ein Schmuckstück kolonialer Architektur vor dem Panorama der Bankentürme, die das Bild der Bucht dominieren. Hier versuchten 1826 die jungen lateinamerikanischen Staaten, sich mit dem Panama-Kongress von der Übermacht der Alten Welt zu emanzipieren.

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Seit Jahren wird in der Gesellschaft der Ruf nach Transparenz lauter. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Debatte um die Haushalte deutscher Bistümer. Ebenso wichtig sind Transparenz, Rechenschaft und Vertrauen auch in der weltkirchlichen Projekt- und Partnerschaftsarbeit. Denn Korruption droht überall – auch in der Entwicklungszusammenarbeit der Kirchen.


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Und hier sprach Franziskus, nach dem offiziellen Empfang im benachbarten Präsidentenpalast, vor Volksvertretern und Diplomaten. Er rühmte Panama als „Brücke zwischen den Ozeanen“ und Land der Begegnung, vor allem aber für seine Vielfalt indigener Völker. Das Gemeinwohl, so der Papst, könne man „vor den Interessen von wenigen oder für wenige nur verteidigen, wenn die feste Entschlossenheit vorhanden ist, die eigenen Güter gerecht miteinander zu teilen“.

Im Staaten-Ranking der Einkommensungleichheit liegt Panama ziemlich weit oben, und Panamas Politiker sind teils eng mit der Wirtschaft verquickt. Präsident Juan Carlos Varela leitete früher das Familienunternehmen Varela Hermanos, eine Spirituosen-Firma. Sein Vorgänger im Staatsamt, Ricardo Martinelli, war und ist Chef einer Supermarktkette und mischt in einem Dutzend weiterer Unternehmen mit. Derzeit sitzt er wegen einer Abhöraffäre in Untersuchungshaft; seine Anhänger kürten ihn dennoch jüngst zum Bürgermeisterkandidaten von Panama.

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Franziskus mahnt zu Ehrlichkeit und Gerechtigkeit statt Korruption in öffentlichen Ämtern. In Panama, das von Handel und Banken lebt, nennt er eine Wirtschaft „kurzsichtig“, die das Spiel von Wettbewerb und Spekulation, Fressen und Gefressenwerden für unabdingbar hält. Vor dem Hintergrund krasser sozialer Unterschiede proklamiert er ein „Land der Träume“, in dem das Recht auf Zukunft als Menschenrecht gilt. Eine andere Welt sei möglich, so der 82-Jährige; „die Jugendlichen laden uns ein, uns an ihrem Aufbau zu beteiligen“.

Auch für die mittelamerikanischen Bischöfe, die ihn in der angrenzenden Kirche San Francisco erwarten, hat der Papst eine Vision. Er leiht sie aus von Oscar Romero (1917-1980), dem salvadorianischen Erzbischof, der wegen seines Einsatzes für Arme am Altar ermordet wurde. Seit langem verehrte das Volk Romero als Märtyrer. Mit der offiziellen Heiligsprechung musste es bis zum jetzigen Papst warten. Im Oktober 2018 pilgerten Tausende aus Zentralamerika nach Rom, um Romero als ihren Patron gegen Gewalt und Unterdrückung zu feiern. Jetzt stellte Franziskus den „heiligen Oscar Romero“ den Bischöfen als Leitstern vor Augen.

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Er war ein unbequemer Kämpfer für Gerechtigkeit. Sein kompromissloses Eintreten für die Menschen am Rande der Gesellschaft machte Oscar Arnulfo Romero zu einer Symbolfigur für eine Kirche an der Seite der Armen.


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Die Hirten sollen nach dem Willen des Papstes „den Herzschlag ihres Volkes“ hören. Eine arrogante, stolze, selbstgenügsame Kirche sei nicht die Kirche Christi, sagt Franziskus mit einem Wort Romeros. Funktionärsdenken und Klerikalismus nennt er „eine Karikatur und Perversion“ des Hirtenamtes. Mehr delegieren, ein offeneres Ohr für Mitarbeiter haben – Führungsautorität zeigt sich laut dem Papst zuerst darin, andere wachsen zu lassen.

Mit Blick auf die Jugendlichen bittet Franziskus die Bischöfe, sie von der Straße zu holen, bevor sie einer „Kultur des Todes“ anheimfallen: bewaffneten Banden, Drogenhandel, sexueller Ausbeutung. Zuwendung soll „ohne Paternalismus“ geschehen; Diskussion heißt der Papst willkommen. Mit einer „gesunden Unruhe“ trieben die jungen Herdenmitglieder ihre Hirten an.

Auch auf das Phänomen einer „massenhaften und organisierten“ Migration geht er ein. Oft seien es die Jungen, die alles zurücklassen für „die Minimalbedingungen, die eine bessere Zukunft garantieren“. Die katholische Kirche in Herkunfts- und Zielländern müsse dank ihrer Internationalität besser zusammenarbeiten, „Brücken schlagen“.

Die Kirche, sagte Franziskus noch einmal mit Romero, dürfe ihren Halt nicht bei den Starken und Mächtigen suchen, sondern einzig an den Armen des Gekreuzigten. Soweit seine Eröffnungsbotschaft an den Staat, der das negative Image der „Panama Papers“ und der Steueroase loszuwerden bemüht ist, und an die Bischöfe der Region, die unter teils schwierigen politischen Bedingungen arbeiten.

Einfache Weltjugendtagsteilnehmer aus Panama, die die Reden verfolgt hatten, fanden die Nachricht klar auf den Punkt gebracht. Am Abend wollte sich Franziskus vor der Skyline des Bankenviertels an der Küstenpromenade Panamas dann auch an sie wenden, seine eigentlichen Adressaten.