Kirche: Regierung von Madagaskar versagt in Hungerkrise

  • Antananarivo - 02.12.2021

Die Regierung von Madagaskar sieht sich angesichts einer dramatischen Hungerkrise schweren Vorwürfen seitens der katholischen Kirche ausgesetzt. Bischof Marie Fabien Raharilamboniaina warnte am Mittwoch in einer Mitteilung des katholischen Hilfswerks Missio München vor einer weiteren Zuspitzung der katastrophalen Lage aufgrund der Untätigkeit des Staates. Im Süden des Landes herrsche nach fünf Jahren fast ohne Regen die schwerste Dürre seit 40 Jahren, hieß es.

Rund 30.000 Menschen seien deshalb in die Region Morondava, wo der Bischof seinen Sitz hat, im Südwesten geflohen und hätten sich in den Wäldern angesiedelt. Um Mais und Erdnüsse anzupflanzen, würden sie mehr und mehr Wald abbrennen. „Das hat zu großen Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung geführt, die sie als Diebe und Zerstörer des Waldes ansieht“, so der Bischof. Die Flüchtlinge lebten unter widrigsten Umständen. Die Kirche habe die Regierung bisher vergeblich gebeten, den Einwanderern Land zu geben. Ohne staatliche Unterstützung sei aber nicht nur deren Leben in Gefahr.

Raharilamboniaina verwies auf verheerende Auswirkungen für die Umwelt. Das bodennahe Grundwasser sei in zwei Jahren um zwei Meter gesunken. „In manchen Dörfern müssen die Menschen schon zwei bis drei Kilometer laufen, um Wasser zum Trinken zu finden. Sie haben dann keine Möglichkeit, Vieh zu züchten oder Gemüse anzubauen.“

Nach dem Ausbleiben staatlicher Hilfen habe die Diözese Morondava im vergangenen Jahr einen Kanal von mehr als 40 Kilometern Länge gebaut. Dadurch könnten 9.000 Hektar Ackerfläche bewässert werden. Für Reisfelder seien zwei 160 Meter tiefe Brunnen gebohrt worden. Außerdem baue das Bistum neue Schulen, Kindergärten und Krankenstationen. Auch Aufforstungsmaßnahmen würden geplant.

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