„Viele glauben nicht an die Existenz von Covid-19“

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  • Côte d'Ivoire - 19.06.2020

Mitte Mai hat die Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire) ihre Corona-Maßnahmen gelockert. Seitdem steigt die Zahl der Infizierten wieder schneller an.  Gleichzeitig verändere die Pandemie das Verhalten der Menschen verändert und verschlimmere Notlagen, berichtet Firmin Andos Randih von der Sant’Egidio-Gemeinschaft.

In vielen Ländern des globalen Südens waren die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie wesentlich drastischer als in Mitteleuropa. In der Elfenbeinküste beispielsweise wurden Schulen geschlossen, zeitweilig herrschte eine strikte Ausgangssperre. Abidjan, eine 5-Millionen-Metropole am Golf von Guinea sowie Zentrum der ersten Corona-Welle, wurde komplett vom Rest des Landes isoliert. Überall wurden Märkte geschlossen und Corona-Testzentren eingerichtet. Der Tourismus wurde heruntergefahren, Familienfeiern untersagt – eine besonders harte Maßnahme, finden Beerdigungen oder Hochzeiten doch normalerweise in sehr großem Rahmen statt.

„Die Pandemie des Corona-Virus an der Elfenbeinküste hat das Verhalten der Menschen verändert, insbesondere in Abidjan“, erzählt Firmin Andos Randih von der Sant’Egidio-Gemeinschaft im Interview mit Missio Aachen. Insbesondere Menschen, die im informellen Sektor arbeiteten befänden sich in einer extremen wirtschaftlichen Notlage, sagt er. In Teilen Abdjans kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen gegen die Corona-Maßnahmen.

„Die Angst vor Ansteckung führt zu Misstrauen unter Nachbarn“, so Universitätsdozent Randih. Davon seien insbesondere die wohlhabenden Bevölkerungsgruppen betroffen, in denen es häufig an Solidarität fehle. In ärmeren Vierteln gebe es dagegen nach wie vor gute nachbarschaftliche Beziehungen, allerdings werde das Tragen einer Maske als abgehoben angesehen. „Viele glauben überhaupt nicht an die Existenz von Covid 19.“

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5.679 bestätigte Infektionen

Für die kommenden Monate sieht der Wissenschaftler zahlreiche Schwierigkeiten. „Einige Bereiche wie der Tourismus, die Hotels, Festaktivitäten, Theater, Konzerte, Bars, stehen immer noch still; die Kirchen, wo jeden Sonntag in den verschiedenen Gottesdiensten Tausende von Menschen zusammenkamen, funktionieren nicht wie früher. Die Abstandsbestimmungen beeinträchtigen den sozialen Zusammenhalt“.

Eine große Stütze war in den vergangenen Monaten die Religiosität, trotz aller Beschränkungen: „Die christliche Fastenzeit und der muslimische Ramadan waren für die Angehörigen dieser Religionen, das sind über 70 % der Gesamtbevölkerung, Anlass, Gott um Schutz vor der  Krankheit zu bitten.“

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in der Elfenbeinküste bislang insgesamt 5.679 Fälle von Sars-Cov-2-Infektionen bestätigt, mindestens 46 Personen starben daran. Seit dem 30. Mai steigen die Fälle an, allein für den 16. Juni meldete das Gesundheitsministerium 240 bestätigte Neuinfektionen. 2.637 Menschen gelten inzwischen als genesen.

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