Perus Amazonasgebiet kommt kaum gegen das Coronavirus an

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  • Corona-Pandemie - 11.05.2020

Peru stemmt sich seit Wochen mit harten Maßnahmen gegen die Corona-Krise. Am Amazonas sind die Krankenhäuser bereits kollabiert; viele Betroffene sind Indigene. Die katholische Kirche vor Ort bringt sich vielfältig ein.

Es war ein Wettlauf um Luft zum Atmen, den der Tod gewann. „Wir versuchten verzweifelt, eine alte Sauerstoffflasche aus unserem Lager funktionstüchtig zu machen, aber das Ventil passte nicht. Die Patientin verstarb“, erzählt Dominika Szkatula, seit 37 Jahren als Laienmissionarin im Vikariat San José del Amazonas tätig. Die Patientin war eine 25-jährige Indigene aus einem der Dörfer des apostolischen Vikariats in Peru, die in der Distrikt-Hauptstadt Iquitos nach Hilfe gesucht hatte.

Die Krankenhäuser und Gesundheitsstationen im Amazonasgebiet sind dem Coronavirus praktisch schutzlos ausgeliefert. Obwohl alle Peruanerinnen und Peruaner seit nunmehr 50 Tagen ihr Haus nur für notwendige Lebensmitteleinkäufe verlassen dürfen, breitet sich die Pandemie aus. Das Coronavirus offenbart brutal die Schwäche des Gesundheitssystems. Und dies besonders in Gebieten weitab der Hauptstadt Lima, wie in Iquitos, das von Wald und Flüssen umgeben, nur per Boot oder Flugzeug erreicht werden kann.
Das peruanische Fernsehen zeigt Bilder von Patienten, die auf Gängen und in Notzelten vor dem Krankenhaus von Iquitos auf Behandlung warten. An einen Intensivpflegeplatz denkt hier niemand. Die Covid-19-Kranken warten auf eine einfache Sauerstoffflasche. Aber es gibt in Iquitos zu wenig funktionstüchtige Konzentratoren.

Pater Miguel Fuertes bekommt ständig Anrufe von Menschen, die um Hilfe bitten. „Die Preise für Sauerstoff und Medikamente sind immens gestiegen“, sagt der Administrator des apostolischen Vikariats. „Stell Dir vor, eine Aspirintablette kostet jetzt schon umgerechnet 4 Euro“, empört sich der Augustiner-Pater. Er beschloss, selbst tätig zu werden. Eine Sauerstoffabfüllanlage musste her.

„Am Sonntag um 10 Uhr früh stellte ich den Spendenaufruf auf Facebook. 400.000 Soles, umgerechnet rund 120.000 Euro, für eine Sauerstoffabfüllanlage“, erzählt der Ordensmann. Zwölf Stunden später hatte er die Summe bereits zusammen. Am nächsten Tag waren es bereits 1,5 Millionen Soles. Gespendet haben Leute aus Iquitos, aus Lima, aber auch aus Europa sowie Peruaner, die im Ausland leben. Diese Hoffnung brauche Iquitos dringend, sagt Fuertes.

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Manche Tote tauchen nicht in der Statistik auf

67 Menschen sind bisher in Iquitos an Covid-19 gestorben, fünf von ihnen waren Ärzte. Das mag angesichts der etwa 1.900 Corona-Toten in ganz Peru (Stand 11.05.2020) wenig erscheinen. Aber es reicht, um das Gesundheitssystem in Iquitos zusammenbrechen zu lassen. „Die Krankenhäuser waren ja schon vor Covid-19 kollabiert“, berichtet Pater Miguel Angel Cadenas, der Koordinator der Augustiner in Iquitos. „Die Betten waren voller Dengue-Kranker. Erst vor kurzem ist ein fünfjähriger Junge an Dengue verstorben.“ Eine Nachricht, die in Zeiten des Coronavirus gar nicht mehr an die Öffentlichkeit dringt.

Cadenas und sein Mitbruder Manolo Berjon bezweifeln die offiziellen Statistiken. „Wir erhalten immer wieder Meldungen von Todesfällen, die nie ins Krankenhaus kamen, weil sie in den Armenvierteln am Rande von Iquitos lebten. Diese Toten tauchen in keiner Statistik auf.“

Seit dem Ausbruch des Coronavirus halten auch die beiden Augustinerpatres die Quarantäne ein – zumal ein Mitbruder bereits an Covid-19 erkrankt ist. Ihre Ohren und Augen zur Außenwelt sind das Handy und WhatsApp. „Wir erhalten viele Anrufe von Leuten mit der Bitte, mit ihnen zu beten, sie zu trösten, ihnen konkrete Hilfe zu spenden.“

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„Nicht mal ein einfaches Aspirin“

Für die Menschen in Iquitos ist es nicht leicht, die Ausgangssperre einzuhalten. „Hier leben die Leute auf der Straße, arbeiten auf der Straße, sind höchstens zum Schlafen und Essen im Haus“, sagt der Pater. Außerdem habe es der Staat versäumt, die Leute aufzuklären, warum die Maßnahmen zu befolgen sind. Die meisten Bewohner von Iquitos sind Indigene und sehen die Welt mit anderen Augen. „Als ich einen Nachbarn fragte, was das Coronavirus denn sei, meinte er: ein kleines Tierchen, das in die Venen eindringt“, berichtet Cadenas.

Während die beiden Priester damit beschäftigt sind, per WhatsApp und Handy die Menschen in Iquitos seelsorgerlich zu begleiten, organisiert Dominika Szkatula Medikamente, Sauerstoffflaschen und Lebensmittel für die Menschen in den Dörfern an den Flüssen. Auch dort haben sich die ersten Indigenen mit Covid-19 infiziert. Tendenz steigend. „Und in den staatlichen Gesundheitsposten auf den Dörfern gibt es nichts“, beklagt Szkatula. „Nicht mal ein einfaches Aspirin.“

Von KNA-Korrespondentin Hildegard Willer

© Text: KNA

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