75 Jahre Kriegsende

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  • Kriegsende - 08.05.2020

Heute vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete in Europa der zweite Weltkrieg. Bis in die Gegenwart prägt diese Erfahrung nicht nur die deutsche Gesellschaft. Auf dieser Seite dokumentieren wir Informationen und Reaktionen zum heutigen Gedenktag.

Deutsche Bischöfe im Weltkrieg

Zum heutigen Gedenktag haben die deutschen Bischöfe den Text „Deutsche Bischöfe im Weltkrieg“ herausgegeben, in dem sie sich mit der Rolle ihrer damaligen Amtsvorgänger auseinandersetzen.

„Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa, der 1939 vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselt worden war. Mehr als 50 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Im Westen des Kontinents handelte es sich um einen Unterwerfungskrieg, im Osten – vor allem in Polen und gegenüber den Völkern der Sowjetunion – aber wurde ein Versklavungs- und Vernichtungskrieg geführt. Im Schatten der Kampfhandlungen verübten die Nationalsozialisten das Menschheitsverbrechen der Shoa: Sechs Millionen Juden wurden ermordet. Auch Hunderttausende Sinti und Roma kostete ein vom „Dritten Reich“ systematisch betriebener Völkermord das Leben. Als der Krieg endlich vorüber und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gebrochen war, lagen unzählige Städte, vor allem im Osten des Kontinents und in Deutschland, in Schutt und Asche.“

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„Dabei wissen wir: Auch uns als Kirche bleibt das Lernen aus der Geschichte nicht erspart. So sind in den zurückliegenden Jahrzehnten viele Diskussionen über das Verhalten der Kirchen und besonders ihrer Amtsträger während des Nationalsozialismus geführt worden. Manches, das zu großer Dankbarkeit Anlass gibt, wurde dabei zutage gefördert, manches aber auch, das uns beschämt. So schmerzhaft diese Erfahrungen sind, so notwendig sind sie für die Erneuerung der Kirche. Denn Wahrhaftigkeit gehört unverzichtbar zum Weg der Christen.“

Aus: Deutsche Bischöfe im Weltkrieg. Wort zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren / hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. – Bonn 2020. – 23 S. – (Die deutschen Bischöfe ; 107) 

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Erzbischof Koch warnt vor völkischem Denken und Diktatur

Zum 75. Jahrestag des Weltkriegsendes hat der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch zum Widerstand gegen völkisches Denken und autoritäre Herrschaft aufgerufen. „Wir sind gehalten, der Entzweiung des Nationalismus, des 'völkischen' Denkens und 'autoritärer Herrschaft' entschieden entgegenzutreten“, erklärte Koch am Dienstag in Berlin. „Dazu dürfen wir nicht schweigen, nie.“

Zudem mahnte der Erzbischof zum Gedenken der Opfer. „Wir erinnern an die Toten dieses Kriegs, an das sinnlose Quälen und Morden, an den Holocaust, wir erinnern an Hunger, Flucht und Vertreibung von so vielen Menschen.“ Am 8. Mai 1945 hätten vermutlich in Berlin keine Glocken geläutet, so Koch, da die Kirchen zerstört und die Glocken zu Waffen umgeschmolzen gewesen seien. Wenn am Freitag um 18.00 Uhr die Kirchenglocken läuten, „gilt dieser Gebetsruf in ganz besonderer Weise den Opfern und mahnt uns an unseren Auftrag.“

„Wir sind gehalten, der Entzweiung des Nationalismus, des 'völkischen' Denkens und 'autoritärer Herrschaft' entschieden entgegenzutreten.“

— Erzbischof Heiner Koch (Berlin)

Ökumenischer Fernseh-Gottesdienst zu 75 Jahre Weltkriegsende

Zum Gedenken an den 75. Jahrestag des Weltkriegsendes feiern die beiden großen Kirchen am Freitag einen ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom. Die ARD überträgt die einstündige Feier ab 10 Uhr live, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag mitteilte.

Am Gottesdienst wirken der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sowie der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron, mit. Wegen der Corona-Pandemie sind keine Gottesdienstbesucher zugelassen.

Marx: Aus NS-Verbrechen folgt Auftrag für heutige Gesellschaft

Aus dem Horror der NS-Verbrechen folgt nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx „ein Auftrag an uns heute, achtsam und aufmerksam füreinander zu sein“. Jedes menschliche Leben sei kostbar, sagte Marx am Mittwoch aus Anlass der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 75 Jahren. Der Erzbischof von München und Freising sprach von der Notwendigkeit, „aufeinander zu achten, jedes menschliche Leben zu schützen und für den Frieden und die Gerechtigkeit für alle Menschen und Völker einzutreten“. Der Kardinal betonte: „Unabhängig von Religion, Konfession und Geschlecht: Wir sind eine Menschheitsfamilie!“

Dachau wurde Marx zufolge während der NS-Schreckensherrschaft zum Ort eines „ungeheuerlichen, unvergleichlichen Zivilisationsbruchs“. Bis heute sei ihm „unbegreiflich, wie in einem christlich geprägten Land wie Deutschland solche Verbrechen möglich waren“, ergänzte Marx. Er fügte an: „Was danach geschehen ist, das neue Miteinander, die neue Solidarität, das ist auch heute immer wieder neu zu erkämpfen.“

Das NS-Regime hatte ab dem 22. März 1933 etwa 206.000 Menschen aus 34 Nationen in das Konzentrationslager nordwestlich von München sowie in seine später errichteten Außenlager verschleppt. Das Lager gehörte zu den ersten in Hitler-Deutschland und wurde zum Modell für die späteren Orte des SS-Terrors. Am 29. April 1945 befreiten Soldaten der US-Armee das KZ. Insgesamt starben von den seit 1933 eingelieferten Häftlingen mehr als 40.000 in dem Lager. Zudem deportierte die SS viele Menschen von Dachau weiter in NS-Vernichtungslager.

Pax-Christi-Präsident: Nationalistisches Gedankengut erstarkt

Es sei Zeit, „sich an Europa als gemeinsames Friedensprojekt zu erinnern“, mahnte der Mainzer Erzbischof und Pax-Christi-Präsident Peter Kohlgraf am Mittwoch in einer Erklärung zum 75. Jahrestag des Weltkriegsendes am 8. Mai. Rassismus und die Abwertung anderer sowie Gewalt und Diskriminierung dürften „nicht gesellschaftsfähig werden“, so Kohlgraf. Weiterlesen

Evangelische Kirche erinnert an Versagen im Zweiten Weltkrieg

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekennt sich 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu eigenem Fehlverhalten. „An das Versagen der Kirche zu erinnern, heißt vor allem, zu jeder Zeit sensibel, wachsam und aufmerksam zu sein für die Gefährdung und die Förderung des Friedens“, betonte der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms am Dienstag in Bonn. Dabei verwies er auf das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945, in dem die evangelischen Kirchen bereits ihre Mitschuld an den Kriegsverbrechen Deutschlands bekundet hatten.

Aus der Vergangenheit leite sich eine besondere Verpflichtung Deutschlands in der internationalen Friedensarbeit ab, so Brahms weiter. „Lernen aus der Geschichte heißt, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, dass es einen gerechten Krieg nicht geben kann, sondern nur einen gerechten Frieden“, hält der Friedensbeauftragte fest. Statt von militärischer Verantwortung müsse in der öffentlichen Debatte aber noch verstärkt von zivilen und gewaltfreien Lösungen gesprochen werden.

Vergangene Woche hatten sich die katholischen Bischöfe zur Mitschuld ihrer Vorgänger an Krieg und Verfolgung der Nazi-Zeit bekannt. Im Januar erinnerten der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm mit Blick auf den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz daran, dass es in Kirchenkreisen vereinzelt zwar „echten Heldenmut“ gegeben hatte. „Doch dürfen wir nicht darüber hinwegsehen, dass viele Christen mit dem nationalsozialistischen Regime kollaboriert, zur Verfolgung der Juden geschwiegen oder ihr sogar Vorschub geleistet haben.“

© Texte: KNA / DBK / Weltkirche.de