Caritas: Globale Hilfsaktion für Flüchtlingslager lebenswichtig

    • © Bild: Alea Horst / Caritas international
  • Corona-Pandemie - 09.04.2020

Der Deutsche Caritasverband mit seinem Hilfswerk Caritas international beobachtet „mit größter Sorge, wie derzeit Millionen von Geflüchteten in Flüchtlingslagern weltweit ihrem Schicksal überlassen werden“. Das erklärte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, am Sonntag in Freiburg: „Zehntausende bis Hunderttausende Menschen leben in diesen Lagern unter katastrophalen hygienischen Bedingungen auf engstem Raum zusammen. Das ist der ideale Nährboden für das Coronavirus.“

Schon aus Eigennutz müsse sofort gehandelt werden, forderte Neher: „Wir können es uns nicht leisten, derzeit nicht solidarisch zu sein. Grenzen kennt das Virus nicht. Solange es irgendwo auf dieser Welt grassiert und kein Impfstoff verfügbar ist, können die Versäumnisse in anderen Teilen der Welt auch uns immer wieder treffen.“

Es sei deshalb fatal, dass die Lager immer öfter abgeriegelt würden und Helfern der Zugang verwehrt werde. Anstelle der Abriegelung fordert Caritas international eine koordinierte Hilfsaktion für die Flüchtlingslager in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa.

Besonders besorgniserregend sei die Lage aktuell in Kutupalong (Bangladesch), dem mit 855.000 Menschen größten Flüchtlingslager der Welt. Seit Februar werde das Lager mit Zäunen abgeriegelt, so das katholische Hilfswerk. Helfer hätten kaum noch Zugang, selbst der Zugang für medizinisches Personal von Polizei und Militär werde streng reglementiert. Da das Mobilfunknetz ausgesetzt sei, hätten die Geflüchteten auch keine Möglichkeit mehr, sich eigenständig über Ansteckungswege und Schutzmöglichkeiten zu informieren. „Wenn es in Kutupalong zu einem Ausbruch des Virus kommt, müssen wir davon ausgehen, dass Tausende sterben werden“, erklärte Christin Mothsche, die in Bangladesch die Hilfsprojekte von Caritas international koordiniert.

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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Heuschreckenplage, Hunger und Corona-Virus

Im größten afrikanischen Lager, Daadab in Kenia, leben derzeit laut Schätzungen rund 220.000 Menschen. Das Lager sei jetzt vor allem aufgrund der verheerenden Heuschreckenplage und einer Dürre zum Anlaufpunkt für Zehntausende geworden, die auf Hilfe angewiesen seien, berichtete Jürgen Prieske, Nothilfe-Koordinator von Caritas international. Diesen extrem geschwächten Menschen sei es gar nicht möglich, über Corona überhaupt nachzudenken: „Die haben erstmal schlicht Hunger. Abstand halten und Hände waschen ist da keine Priorität, weil es ohnehin nicht umzusetzen ist.“

Schnelles Handeln sei auch in den griechischen Lagern notwendig, so der Caritasverband weiter. Deshalb begrüße man es, dass europäische Staaten angekündigt haben, Kinder und Jugendliche aus den überfüllten Lagern aufnehmen zu wollen, betonte Griechenland-Referent Gernot Krauß: „Dieser Ankündigung müssen jetzt Taten folgen. Aus humanitärer Sicht wäre zudem eine Rettungsaktion für die rund 200 im Lager befindlichen alten Menschen, für die das Coronavirus erheblich gefährlicher ist, dringlicher. Über die spricht jedoch niemand.“

© Text: KNA