Misereor stellt 3,6 Millionen Euro für Corona-Soforthilfe bereit

    • © Bild: Barcik / Misereor
  • Corona-Pandemie - 07.04.2020

Angesichts der sich immer stärker abzeichnenden Auswirkungen der weltweiten Corona-Krise richtet Misereor drei weltweite Soforthilfe-Fonds ein: Insgesamt 3,6 Millionen Euro stehen damit für Gesundheitsprojekte in Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens zur Verfügung. Mit dem Geld, das aus Spenden sowie Mitteln des Bundeministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) stammt, sollen Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und andere benötigte Materialien für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, aber auch Maßnahmen zur Qualifizierung, Beratung und Prävention finanziert werden.

Oberstes Ziel dieser Maßnahme ist es, Partner im Gesundheitsbereich möglichst schnell zu stärken. Dies sei bei der Ebola-Epidemie deutlich geworden, erklärt Pirmin Spiegel, Misereor-Hauptgeschäftsführer. „Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, die medizinische Basisversorgung auch während der Krise aufrechtzuerhalten und gleichzeitig der Ausbreitung des Virus möglichst wirkungsvoll entgegenwirken zu können“. Bei der Umsetzung der Fördermaßnahmen könne das Werk für Entwicklungszusammenarbeit auf ein gut ausgebautes Partnernetzwerk zurückgreifen. Schon heute unterstützt Misereor weltweit 299 Gesundheitsprojekte.

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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Weltweite Herausforderung

In Fragen internationaler Gesundheit arbeitet Misereor eng mit dem Missionsärztlichen Institut (MI) zusammen. Dieses bewertet die weltweite Lage sehr ernst: „In vielen armen Ländern trifft das SARS-CoV-2 Virus auf extrem schwache Gesundheitsdienste. Hier mangelt es nicht nur am Infektionsschutzmaterial, das auch bei uns knapp und überteuert ist. Die Einhaltung der Hygiene ist schwierig, weil bereits sauberes Wasser und Seife knapp oder nicht vorhanden sind, von der Beseitigung infektiösen Mülls ganz zu schweigen. Seit Ebola haben viele Länder Katastrophenpläne. Die Afrikanische Union hat eine länderübergreifende Gesundheitsbehörde aufgebaut, die ein Netz von Referenzlaboren betreibt und die Regierungen beraten hat. Wir müssen aber auch sagen, dass wir nicht wissen, wie die Epidemie in armen Ländern ablaufen wird. Offen ist beispielsweise die Sterblichkeit, weil das Virus ja auf eine viel jüngere Bevölkerung trifft. Doch schon jetzt verursacht die Corona-Pandemie den Ausfall von Versorgungsstrukturen wie Krankenhäusern und einiges an gesellschaftlichem Chaos“, so Klemens Ochel, Experte beim MI.

Spenden umso dringlicher

Die besondere Höhe der Soforthilfe sei Ausdruck dieser ernsten Lage. „Dies gilt nicht nur für die unmittelbare Bedrohung der Gesundheit, sondern auch für die sozialen und ökonomischen Folgen der Krise. Wir werden uns auf eine zweite Welle der Not einstellen müssen. Denn es ist zu befürchten, dass viele Menschen nicht nur an Corona, sondern viele auch wegen Corona sterben werden“, unterstreicht Spiegel. „Tagelöhner, deren Arbeit nicht mehr gebraucht wird, Kleinbauern, deren Produkte nicht mehr den Weg zum Markt finden, oder die schlecht bezahlten Näherinnen in den Betrieben, die nun ganz geschlossen sind, sind in vielfacher Hinsicht ebenso betroffen, ohne dass dies in einer Statistik erfasst wird“, betont Spiegel.

Solidarität mit diesen Menschen, mit den Verletzlichsten und Ausgegrenzten, wird daher im Kontext der Corona-Pandemie eine langfristige Aufgabe für uns alle sein. Dazu gehört auch, nach der Pandemie darauf hinzuwirken, dass wir nicht in den alten Trott zurückfallen, sondern z.B. die Mittel zur Stützung der Wirtschaft so eingesetzt werden, dass nachhaltigere Entwicklungspfade beschritten werden können. „Misereor wird daher auch mittelfristig dringend auf Spenden angewiesen sein, um diese Menschen zu unterstützen“, so Pirmin Spiegel. „Ich danke allen Spenderinnen und Spendern, die trotz erschwerter Bedingungen am letzten Sonntag bei unserer Fastenkollekte, die noch bis Ostern andauert, ein Zeichen der Solidarität gesetzt haben. Wir hoffen, weiterhin auf ihre Unterstützung bauen zu können“.

Mit einer Fördersumme von mehr als 84 Millionen Euro fördert Misereor aktuell 237 Träger mit 299 Gesundheitsprojekten in 55 Ländern.

Misereor ist das größte katholische Entwicklungshilfswerk. Gemeinsam mit einheimischen Partnern unterstützt Misereor benachteiligte Menschen jedes Glaubens und jeder Kultur in Afrika, Asien und Lateinamerika.


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