Djumriabsua! Sportunterricht in Kambodscha

  • Mission - 02.12.2019

Hi, ich bin Matthias Wind, 19 Jahre alt und seit dem 21. August lebe und arbeite ich für ein Jahr in Kambodscha an der Xavier Jesuit School.

Garantiert hochwertige Bildung und Fächer wie Kunst, Musik, Computer oder Sport gibt es nur an internationalen Privatschulen, die sich aber nur die wohlhabendsten Kambodschaner leisten können. Die Xavier Jesuit School bildet zusammen mit anderen Schulen von NGOs, zum Beispiel den Enfants de Mekong, eine dritte Bildungskategorie. Hier wird versucht, besonders den ärmeren Bevölkerungsschichten eine gute Bildung zu ermöglichen. Das Schulgeld ist dem entsprechend an die Möglichkeiten dieser Gruppe angepasst. Zudem gibt es ein Scholarship-Programm für ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus ländlichen Regionen, die das gesamte Schuljahr auf dem Campus leben können, um unsere Schule zu besuchen.

Der größte Teil der Lehrerinnen und Lehrer sind hier nur halbtags angestellt, da sie noch an ein bis zwei öffentlichen Schulen unterrichten, um ihre Altersvorsorge zu sichern. In der Grundschule arbeiten allerdings bereits alle Klassenlehrerinnen und ein Englischlehrer den ganzen Tag. Neben den ca. 80 kambodschanischen Angestellten unterrichten hier zurzeit fünf Volunteers und zwei Jesuiten. Unsere Kommunitätsgemeinschaft ist mit einem Ehepaar aus Hongkong, einer IT-Studentin aus Südkorea, einer Englischlehrerin von den Philippinen, einem Pater aus Australien, einem Scholastiker aus Indien und mir aus Deutschland, sehr international aufgestellt.

Selbstständige Planung

Nun zu meiner Arbeit: Ich unterrichte in allen Klassen der Grundschule Physical Education, also Sport. Dabei ist vieles meiner selbstständigen Planung überlassen, da ich der erste ganztags arbeitende Sportlehrer in der Grundschule bin. In meiner Planung kann ich auf meine langjährige Erfahrung als Gruppenleiter in der Jungendorganisation an meiner Schule, sowie auf einige bereits vorhandene Unterlagen zurückgreifen. Beim Unterrichten unterstützen mich die Klassenlehrerinnen, die ihre Klasse den ganzen Tag begleiten und unterrichten.

Der Unterricht findet ausschließlich auf Khmer (Kambodschanisch) statt. Die Sprache lernte ich in den eineinhalb Monaten Ferien, bevor die Schule begann. Sportlehrer zu sein ist wirklich ein dankbarer Job! Da die Kinder nicht viele Spiele kennen und auch nur begrenzt Raum haben, um Sport zu machen, freuen sie sich jedes Mal aufs Neue auf den Sportunterricht und fragen mich auf dem Pausenhof, wann ich denn wieder ihre Klasse hätte. Als großes Ziel meines Jahres habe ich mir gesetzt, ein erstes Curriculum zu erarbeiten, welches an den nächsten Lehrer, die nächste Lehrerin weitergegeben werden kann.

Kambodscha ist ein beeindruckend herzliches Land! Zwar kriege ich erstmal einige verwirrte Blicke, nach dem Motto: Was macht ein Barang (Fremder) in unserer Provinzstadt? Wenn ich dann aber auf Khmer grüße, mit den Handflächen aneinander vor dem Kinn, wird freundlich zurück gegrüßt und manchmal auch gefragt, wer ich denn bin und was ich hier mache.

Hier in der Schule gibt es immer noch massig viel zu tun! Die Jesuiten verfolgen das Ziel, insgesamt 1400 Schülerinnen und Schüler auf dem gesamten Campus unterrichten zu können.

Die Schule steckt also noch in den Kinderschuhen und wird langsam populärer in der 100.000-Einwohner-Stadt Sisophon. Wir freuen uns daher natürlich immer über Spenden, denn nur so kann dieses großartige Projekt weiter wachsen und zum Beispiel durch kostenlose Lehrerfortbildungen auch einen positiven Einfluss auf die öffentlichen Schulen haben.

Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe Sie fanden meinen ersten Bericht interessant und vielleicht auch ein wenig unterhaltsam. Wenn Sie mehr von meinen Erfahrungen und Erlebnissen aus meinem Alltag lesen möchten, freue ich mich, Sie auf meinem Blog oder auf Instagram wiederzusehen!

Kurz zu meiner Person: im Sommer 2019 erhielt ich mein Abitur in Berlin und bewarb mich schon im Jahr zuvor für einen Freiwilligendienst mit den Jesuit Volunteers. Das Programm der Jesuiten-Mission Deutschland entsendet jedes Jahr 20-25 Freiwillige im Alter von mindestens 18 Jahren nach Südamerika, Osteuropa, Afrika und Südostasien mit dem Leitspruch „Ein Jahr anders leben“. Entsendung heißt, dass die Freiwilligen kaum Einfluss auf die Wahl des Einsatzlandes und des Projekts haben. So wurde ich in das wunderschöne Kambodscha, nach Sisophon an die Xavier Jesuit School entsandt.

Kambodscha ist halb so groß wie Deutschland und hat ca. 16 Million Einwohner, von denen um die 80 Prozent Reisbauern sind. 96 Prozent der Menschen sind Buddhisten, 4 Prozent sind Muslime und nur ein ganz geringer Teil sind Christen. Nach dem Vietnam-Krieg (1955-1975), der zum Ende mindestens genauso brutal in Kambodscha wütete, der Herrschaft der Roten Khmer (1975-1979) und der anschließenden vietnamesischen Besatzung bis zum Zerfall des Ostblocks, war Kambodscha eines der ärmsten Länder der Welt. Seitdem erholt sich das Königreich immer schneller und durch ausländische Investitionen (China) und NGO-Arbeit (Frankreich, Südkorea, Australien) wachsen die Städte rapide und auch auf dem Land kommt der Wohlstand langsam aber sicher an.

Vor einem Monat waren nun die großen Ferien während der Regenzeit vorbei und die Schule ging wieder los. Ich arbeite und wohne in der Xavier Jesuit School in Sisophon, der Hauptstadt der Banteay Meanchey Provinz im Westen des Landes. Die Schule wurde vor sieben Jahren von JSC (Jesuit Service Cambodia) gegründet. Über 700 Schülerinnen und Schüler besuchen den Kindergarten, die Primary-, Secondary-, oder Highschool. Zudem gibt es einen Nachhilfe Center, sowie Schulungen für Lehrerinnen und Lehrer aus der Umgebung.

Bezahlbare Bildung für alle

Die Schule hat es sich zum Ziel gesetzt, ganzheitliche und bezahlbare Bildung für alle sozialen Schichten in Sisophon und der Umgebung anzubieten. Zwar besucht so ziemlich jedes Kind in Kambodscha die Grundschule, allerdings können viele auch nach 6 Jahren Schule noch nicht richtig lesen und schreiben. Auch in der Mittel- und Oberstufe wird vieles im Frontalunterricht auswendig gelernt und für inhaltliche Nachfragen müssen teure Nachhilfestunden bezahlt werden. Denn auch die Lehrerinnen und Lehrer brauchen das Geld, um ihre Familien zu ernähren.

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