Bischöfe fordern Hilfe gegen Amazonas-Brände

  • Amazonas-Synode - 23.08.2019

Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM hat Brasilien und Bolivien sowie die internationale Gemeinschaft angesichts der Amazonas-Waldbrände zum Handeln aufgerufen.

„Wir fordern die Regierungen der Amazonas-Länder, insbesondere Brasilien und Bolivien, die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft auf, ernsthafte Maßnahmen zum Schutz der Lunge dieser Erde zu ergreifen“, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten CELAM-Erklärung.

Zudem brachten die Bischöfe ihre Solidarität mit den indigenen Völkern zum Ausdruck, die in den betroffenen Gebieten lebten. Solidarität und schnelle Hilfe der Weltgemeinschaft seien notwendig, um die Zerstörung zu stoppen. In Teilen des Regenwaldes von Brasilien und Bolivien wüten derzeit zahlreiche Brände. Die genauen Ursachen der Feuer sind noch unklar.

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Die Sondersynode findet vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan statt. Sie steht unter dem Thema: „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Das Bischofstreffen will Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen in den Blick nehmen.


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Bolsonaro macht Umweltschützer für Waldbrände verantwortlich

Noch nie registrierte Brasilien derart viele Waldbrände, von denen der Amazonaswald besonders betroffen ist. Rund zwei Drittel aller 2019 landesweit verzeichneten 73.000 Brände tobten dort. Die Zahl ist um 83 Prozent höher als im Vorjahr. Und in der aktuellen Trockenzeit verschärft sich das Problem. Derzeit kämen täglich mehr als 1.000 neue Brandherde dazu, so das staatliche Forschungsinstitut Inpe. Es verzeichnete im Juli zudem eine Zunahme der Abholzung am Amazonas um 278 Prozent gegenüber Juli 2018.

Sein Gefühl sage ihm, dass die Brände gezielt gelegt worden seien, um sein Image anzugreifen, so Präsident Jair Messias Bolsonaro. „Es kann sein, ohne dass ich das irgendwie bestätigen kann, dass das kriminelle Aktionen dieser Aktivisten sind, um gegen mich und Brasiliens Regierung Stimmung zu machen“, mutmaßte er am Mittwoch. „Das ist der Krieg, in dem wir derzeit stehen.“ Mit „Aktivisten“ sind Umweltschützer gemeint, die Bolsonaro, der sich selbst zuletzt ironisch „Kapitän Kettensäge“ nannte, nicht mag.

Amazonas-Synode - 19.08.2019

Rund 700.000 Uferbewohner des östlichen Amazonas werden ab sofort durch das Krankenhaus-Schiff „Papa Francisco“ versorgt. Am Wochenende wurde es offiziell eingeweiht.


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Weil man den im Amazonasgebiet tätigen Nichtregierungsorganisationen den Geldhahn zugedreht habe, würden diese nun an strategischen Punkten Feuer legen und die Bilder weltweit verbreiten. „Von all diesen Brandherden gibt es Aufnahmen, aus ganz Amazonien“, sagte Bolsonaro. „Mein Gefühl sagt mir, dass diese Leute dorthin gegangen sind, Feuer gelegt und es gefilmt haben.“

„Vielleicht verwechselt er da ja etwas, vielleicht will er sich ja an den NGOs rächen, und nicht umgekehrt“, sagte Marcio Astrini von Greenpeace Brasilien der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Regierung wolle sich mit diesen Anschuldigungen aus der Verantwortung stehlen. „Denn die Abholzung, die Brände und andere Verbrechen in Amazonien haben als Absender die Adresse der Regierung Bolsonaro.“

Die Brände erleichterten den Landwirten die Rodung der Flächen, so Astrini. „Und die Regierung stimuliert die Abholzung, signalisiert die ganze Zeit den Umweltverbrechern, dass sie nicht bestraft werden.“ So hatten Landwirte im Teilstaat Para Anfang August in einer Zeitung für den 10. August den „Tag des Feuers“ ausgerufen. Damit wollten die entlang des „Soja-Highways“ angesiedelten 163 Bauern Bolsonaro zeigen, dass sie produzieren möchten.

An jenem Tag registrierte Inpe 124 Brände in dieser Region, viermal mehr als zuvor. Am nächsten Tag waren es bereits 237 Feuerherde links und rechts der Straße. „Die Regierung hat nichts unternommen, niemand wurde bestraft“, kritisiert Astrini.

Gleichzeitig erschwert die Regierung die Kontrollen. So verbot Bolsonaro vor einigen Wochen der Umweltbehörde Ibama, sichergestellte Fahrzeuge der Umweltverbrecher zu zerstören, obwohl dies gesetzlich erlaubt ist. Derzeit ist Ibama nahezu gelähmt. Nicht nur wurde ihr Budget zusammengestrichen. Auch ruht derzeit der von Deutschland und Norwegen finanzierte „Amazon Fund“, der Ibamas Kontrollen mitfinanzierte.

Bolsonaro blockiert den Fonds, weil ihm die Beteiligung der NGOs nicht passt. Er wittert eine Verschwörung, um Brasilien den Amazonas wegzunehmen. Beteiligt seien neben solchen Organisationen die Vereinten Nationen, ausländische Regierungen wie Deutschland und Frankreich sowie brasilianische Wissenschaftler, allen voran das Inpe, das mit gefälschten Zahlen zur Abholzung und zu den Bränden die Welt gegen Brasilien aufwiegeln wolle. Inpe-Chef Ricardo Galvao musste vor einigen Wochen gehen.

Umweltminister Ricardo Salles beschuldigte die Presse unterdessen, „Fake-News“ zu verbreiten. Zeitungen hatten berichtet, dass eine plötzliche Dunkelheit in Sao Paulo durch Qualmwolken aus dem Amazonasgebiet verursacht worden sei. Wissenschaftler widersprechen Salles. So sei die Dunkelheit durch das Zusammentreffen einer Regenfront aus Süden und dem Qualm aus dem Norden verursacht worden, bestätigte der renommierte Klimaforscher Carlos Nobre gegenüber der KNA.

Nobre stützt sich auf Satellitenaufnahmen, die Qualmwolken von Westamazonien hinab nach Südbrasilien zeigen. Allerdings stammt der Qualm anscheinend nicht nur aus Brasilien. Auch in Paraguay und Bolivien brennen die Wälder. Medienberichten zufolge sollen in den vergangenen Tagen allein in Bolivien Hunderttausende Hektar vernichtet worden sein.

© Thomas Milz/KNA