Bischöfe begrüßen hohe Beteiligung an Europawahl

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  • Deutsche Bischofskonferenz - 27.05.2019

Der Vizepräsident der EU-Bischofskommission COMECE, Franz-Josef Overbeck, hat die Beteiligung der Deutschen an der Europawahl gewürdigt. „Das ist ein Reifezeugnis für die Demokratie“, sagte Overbeck der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Brüssel am Sonntagabend. Es zeige, dass die Menschen Verantwortung übernähmen und sich für demokratische Prinzipien einsetzten.

In den vergangenen Tagen waren rund 427 Millionen EU-Bürger aufgerufen, ein neues Europaparlament zu wählen. Die Wahlbeteiligung in Deutschland stieg nach Angaben des Bundeswahlleiters aus der Nacht auf 61,4 Prozent (2014: 48,1 Prozent). In der gesamten EU soll die Wahlbeteiligung zwischen 49 und 52 Prozent liegen. Die letzten Wahllokale schlossen um 23.00 Uhr in Italien.

Deutsche Bischofskonferenz - 10.05.2019

Erzbischof Dr. Ludwig Schick sieht den Einsatz für die Europäische Union als Christenpflicht: Europa dürfe nicht den Nationalisten und Populisten überlassen werden. Er äußert sich anlässlich der Europawahl am 26. Mai.


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Nach dem am Montag mitgeteilten vorläufigen amtlichen Ergebnis für Deutschland liegt die Union bei 22,6 Prozent, die SPD bei 15,8 Prozent. Gewinner des Abends sind die Grünen, die mit 20,5 Prozent ihren Anteil im Vergleich zu den vorherigen Wahlen fast verdoppeln konnten. Die AfD kommt auf 11 Prozent, die Linke auf 5,5 und die FDP auf 5,4 Prozent.

Overbeck sprach von einem pro-europäischen Ergebnis, die „sogenannte Angst vor der Überfremdung“ nehme ab. Ein Wendepunkt in Europa sei in den bisherigen Wahlergebnissen beziehungsweise Hochrechnungen allerdings noch nicht zu erkennen. Den Befürwortern einer starken EU sagte Overbeck: „Es lohnt einfach, sich klar für das Friedensprojekt Europa zu positionieren.“

Hilfswerke - 10.05.2019

Europa bereisen, Sprachen und Geschichte lernen und gemeinsam pilgern. Das sind nach dem Renovabis-Geschäftsführer Dr. Markus Ingenlath wichtige Dinge, um Europa wieder zu einer Herzensangelegenheit zu machen.


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Ähnlich äußerte sich der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Die Menschen hätten sich stark gemacht für Europa: „Und das freut mich.“ Mit Blick auf Europa-Skeptiker fügte Heße hinzu: „Es bleibt Aufgabe der politisch Verantwortlichen und auch jedes Einzelnen von uns, für die europäische Idee zu werben und sie erlebbar zu machen.“

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) betonte: „Europa lohnt jede Anstrengung.“ Die Hochrechnungen für Deutschland kommentierte ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper im Kölner domradio mit den Worten: „Ich zähle zusammen, welche Stimmen für Europa und für ein konstruktives Mitwirken am weiteren Aufbau von Europa zusammengekommen sind. Und da bin ich etwa bei vier Fünfteln.“ Zugleich zeigte sich Vesper erleichtert darüber, dass die AfD im Vergleich zur Bundestagswahl Stimmenverluste verzeichnen musste.

Der Spitzenkandidat der Christdemokraten, Manfred Weber (CSU), äußerte sich enttäuscht über das Abschneiden der Union. „Deutschlandweit hätten wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht“, sagte er im Bayerischen Fernsehen. Der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Udo Bullmann (SPD), sagte: „Wenngleich die Resultate aus Deutschland enttäuschend sind, zeigt der europaweite Trend ganz klar: Die Menschen wollen einen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit.“ Die Spitzenkandidatin der Grünen, Ska Keller, begrüßte das „starke Ergebnis“ für ihre Partei in Deutschland. „Diese Wahl ist ein gesamteuropäisches Signal für mehr Klimaschutz.“

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