Pilger-Hospiz in Jerusalem weiht Neubau ein

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  • Weltkirche - 24.04.2019

Es sind nun 47 statt wie bisher 33 Zimmer: Das Österreichische Hospiz in Jerusalem weiht am Donnerstag seinen Neubau ein. 163 Jahre nach Gründung erreicht es damit seine geplante Größe.

Mit 163 Jahren Verspätung hat das Österreichische Pilger-Hospiz zur Heiligen Familie (ÖH) in Jerusalem seine ursprünglich geplante Kapazität erreicht. Am Donnerstag weiht der Wiener Kardinal Christoph Schönborn nach knapp drei Jahren Bauzeit den Erweiterungsbau des österreichischen katholischen Hauses in Jerusalem ein.

Der helle Stein ist typisch für Jerusalem, die Balustraden aus Glas und Metall sind schlicht. Unscheinbar erstreckt sich die „Casa Austria“ entlang der Begrenzungsmauer hinter dem Hauptgebäude des ÖH. Elf Doppelzimmer, zwei Einzelzimmer und eine Wohneinheit für Langzeitgäste erweitern das bisherige Angebot von 33 Zimmern. Damit, sagt Rektor Markus Bugnyar, „haben wir eine Zimmerzahl erreicht, die zeitgemäß ist, um Pilgergruppen aufzunehmen“.

Markus Stephan Bugnyar, Rektor des Österreichischen Hospizes zur Heiligen Familie (ÖH) in Jerusalem, am 23. April 2019 vor dem Luftschutzraum des Erweiterungsbaus „Casa Austria“ in Jerusalem.

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„Den Anfang vollendet, für das Kommende bereitet“, heißt es auf der Widmungstafel, eine Anspielung auf die komplexe Baugeschichte des ÖH. Als 1856 der Grundstein gelegt wurde, waren zwei Seitenflügel geplant. Das Vorhaben musste bald nach Baubeginn gestrichen werden. Statt in Seitenflügel war ein Großteil des Budgets in Erdarbeiten geflossen. Im Erdbebengebiet liegend, wollte man auf Fels bauen – auf den man nicht stieß. „Die Fundamente des Haupthauses sind so tief wie das Haus hoch ist“, erklärt Bugnyar. Auch der zweite Stock fiel den Kosten zum Opfer. Erst 1931 wurde aufgestockt.

Dass das Hospiz nun doch noch zu der geplanten Zimmerzahl kommt, ist eher Zufall. Es beginnt mit dem teilweisen Einsturz der Begrenzungsmauer 2003. Die Auflagen der Stadt für deren Wiederaufbau und die Konsolidierung des verbliebenen Mauerstücks waren so hoch, dass die Idee eines gleichzeitigen Anbaus geboren wurde. Es folgte eine zweijährige archäologische Rettungsgrabung durch „alle Schichten der Stadt von den Mamluken bis in byzantinische Zeit“, zu deren Funden eine Silbermünze von Kreuzzugskönig Balduin III. sowie das Fragment einer in der Region eher unüblichen Diskusöllampe mit einer Nike-Darstellung gehören. Die Planung und das Genehmigungsverfahren nahmen weitere sieben Jahre in Anspruch, an deren Ende 2016 überraschend eine Baugenehmigung stand. Seither wurden rund 3,5 Millionen Euro verbaut. Etwa die Hälfte stammt aus privaten Spenden sowie kirchlichen und öffentlichen Zuschüssen.

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Mit seiner Lage in den engen Gassen der Jerusalemer Altstadt befindet sich das ÖH mitten im Brennpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts. Da wirkte es fast symbolisch, dass der Architekt ein jüdischer Israeli und der Bauunternehmer muslimischer Palästinenser ist. Ganz ohne Probleme verlief der Bau trotzdem nicht. „Ein Drittel günstiger“ hätte der Bau werden können, schätzt Hausherr Bugnyar. Statt wie auf einer „normalen Baustelle“ musste viel Material und Gerät von Hand oder mit kleinen Traktoren hergetragen werden, was sich spürbar auf die Kosten niederschlug.

Dass ein christliches Haus im muslimischen Viertel mit Genehmigung des jüdisch-israelischen Rathauses ausbauen darf, während gleichzeitig muslimische Nachbarn Abrissanordnungen erhielten, hätte theoretisch Konfliktpotenzial. Die Nachbarschaftsstreitigkeiten, die es wegen der Baustelle hier und da tatsächlich gab, waren aber eher unpolitischer Natur: Die Händler auf der angrenzenden Via Dolorosa fühlten sich durch den regen Traktorenverkehr in ihren Geschäften gestört. Ein Besuch im palästinensischen Präsidialamt in Ramallah und die Präsenz von Fatah-Funktionären habe Entschädigungsforderungen und „kleinere Sabotageversuche“ dann aber doch rasch beendet.

Mit der Casa Austria, die auch die neue Rektorenwohnung sowie den gesetzlich vorgeschriebenen Luftschutzraum umfasst, hat das ÖH „den Standard des 21. Jahrhunderts erreicht“, sagt Bugnyar. Die Sanierung des Haupthauses soll demnächst folgen, nur über den genauen Zeitplan ist man sich noch nicht einig.

Gemeinsam ist den „alten“ und „neuen“ Zimmern im ÖH ihre für die Altstadt ungewöhnliche Geräumigkeit. Doch eine Führung durch die Zimmer dürfen die Gäste der Einsegnungsfeier nicht erwarten: Wenn am Donnerstag der Schlussstein in den Neubau eingelassen wird, ist das Haus einschließlich der neuen Räume bereits voll belegt.