Kritik an Kirche in Ruanda wegen Aussage zu Genozid

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  • Ruanda - 17.04.2019

Ruandas katholische Kirche steht wegen einer umstrittenen Aussage zum Völkermord von 1994 in der Kritik. Anlässlich des 25. Jahrestags des Genozids mit 800.000 Toten hatten die Bischöfe des ostafrikanischen Landes eine Amnestie für alte und kranke Täter gefordert. Politiker, Opfervereine und Akademiker in dem ostafrikanischen Land übten nun deutliche Kritik, wie lokale Medien am Mittwoch berichteten.

Demnach sorgte vor allem für Unmut, dass die Forderung ausgerechnet am 7. April, dem offiziellen Gedenktag des Genozids, landesweit in allen Gottesdiensten verlesen wurde. Der Zeitung zufolge entschuldigte sich die Ruandische Bischofskonferenz vergangenen Samstag für den Zeitpunkt des Appells.

Dem Bericht nach zweifelt Ruandas Justizminister, Johnston Busingye, die „moralische Autorität“ der katholischen Kirche für eine solche Forderung an. Statt für eine „Generalbegnadigung“ zu plädieren, so der Politiker, sollte die Kirche zuerst ihre eigene Geschichte und ihre Verbindung zum Genozid-Regime aufarbeiten. Kritik kam auch aus der Gesellschaft: „Es ist unangebracht, diese Forderung ausgerechnet zu einem solchen Zeitpunkt zu erheben“, wird der Politologe Eric Ndushabandi zitiert.

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Experten vermuten, dass der Genozid in Ruanda 1994 von langer Hand vorbereitet wurde. Er zählt zu den größten Schrecken des 20. Jahrhunderts – und zu den größten Versagen der Weltgemeinschaft.


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Während des Völkermords 1994 wurden binnen drei Monaten 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu von radikalen Hutu-Milizen ermordet. Viele Opfer, die in den Kirchen des Landes Schutz gesucht hatten, wurden von Geistlichen an ihre Verfolger ausgeliefert. Staatspräsident Paul Kagame rief im Januar dazu auf, die Kirche nicht länger für ihre vergangenen Fehler zu bestrafen.

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