Gedenken an Treffen von Franz und Sultan in Ägypten beendet

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  • Interreligiöser Dialog - 04.03.2019

Kardinal Leonardo Sandri beschließt als Papstgesandter an diesem Montag die Gedenkfeiern zum 800. Jahrestag des Treffens des heiligen Franz von Assisi (1181/1182-1226) mit Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik (um 1180-1238) in Ägypten.

Nach einem Gottesdienst in der ägyptischen Nuntiatur besucht der Leiter der vatikanischen Ostkirchenkongregation ein Zentrum für Behinderte und Waisenkinder der koptischen katholischen Kirche. Nach dem Mittagessen mit Koptenpapst Tawadros II. und Bischöfen der koptischen Kirche reist der Kardinal zurück nach Rom.

Zum Höhepunkt der Feiern hatte Sandri am Sonntagabend in Kairo eine Messe gefeiert. In seiner Predigt sagte er, auch 800 Jahre später zeige sich noch, dass der Besuch des Heiligen in Ägypten nicht umsonst gewesen sei. Sich wie Franziskus der Armut zu verschreiben, fordere in allen Zeiten heraus. „Seine Art, zu lieben und zu dienen und sich völlig Gott zu verschreiben“ sei auch eine Herausforderung für all jene, die den Islam in der Geschichte als gewalttätig interpretiert hätten, so Sandri in seiner Predigt laut dem vom Vatikan verbreiteten Redetext.

Ägypten - 04.03.2019

Mit einer dreitägigen Gedenkfeier erinnern Christen und Muslime in Ägypten von Freitag bis Sonntag an den Besuch des heiligen Franz von Assisi bei Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik vor 800 Jahren.


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Vatikan will Zusammenarbeit mit Ägypten stärken

Kardinal Sandri erklärte laut Bericht, dem Vatikan sei daran gelegen, die Zusammenarbeit mit Ägypten zu stärken und Dialog, Koexistenz, Frieden und den Dialog zwischen den Religionen zu fördern. Beide betonten die Rolle der Medien bei der Förderung dieser Werte.

Der Kustos der Franziskaner im Heiligen Land, Francesco Patton, rief unterdessen in Kairo zu Dialog und Begegnung auf. Die Schulen der Franziskaner in Ägypten seien „ein konkretes Beispiel dieser Brüderlichkeit, dieses Dialogs und dieser gemeinsamen Anstrengung, eine Kultur und Erziehung des Friedens zu schaffen, die die notwendige Prämisse jedweden Handelns für den Frieden sind“, sagte der Italiener laut Redemanuskript am Samstag bei einem Treffen mit dem Großimam der Kairoer Al-Azhar-Moschee Ahmad Mohammad Al-Tayyeb.

Die von der Al-Azhar-Universität und den ägyptischen Franziskanern organisierte Konferenz mit dem Titel „Ein Dialog des Friedens und der Gelassenheit“ ist Teil der Feiern zum 800-Jahr-Gedenken an das Treffen zwischen dem heiligen Franziskus und Sultan Malik Al-Kamil.

Interreligiöser Dialog - 29.01.2019

Im Jahr 1219 kam es in Ägypten zu einer historischen Begegnung: Franz von Assisi traf den Sultan al-Malik al-Kamil am Rande der Kreuzzüge. Im Jahr 2019 fliegt der nach dem Heiligen benannte Papst Franziskus als erster Papst überhaupt auf die Arabische Halbinsel, um an dieses Treffen vor 800 Jahren zu erinnern. Franziskanerbruder Jürgen Neitzert über die Bedeutung dieser frühen Annäherung der Religionen.


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Geste des heiligen Franziskus „prophetisch“

Die Initiative des heiligen Franziskus bezeichnete Patton als „eine prophetische Geste, dass Dialog und friedliche Begegnung zu bevorzugen sind und dazu effektiver als Gewalt und der Zusammenstoß von Zivilisationen“. Gleichzeitig dankte der oberste Hüter der katholischen Stätten im Heiligen Land dem Großimam für dessen Engagement im christlich-muslimischen Dialog, nicht zuletzt durch das jüngste Treffen mit Papst Franziskus in Abu Dhabi und die dort unterzeichnete gemeinsame Erklärung.

„Es ist unsere Pflicht, Ihnen für den Aufruf zur Arbeit für den Frieden zu danken, den Sie an die Führer der Welt, an die Macher der internationalen Politik und Wirtschaft ebenso wie an Intellektuelle, Philosophen, Religiöse, Künstler, Medienschaffende und Männer und Frauen der Kultur gerichtet haben“, so Patton. Zusammen mit Papst Franziskus habe sich Al-Tayyeb stark gemacht gegen den politischen Missbrauch des Glaubens und religiöse Rechtfertigung von Gewalt sowie für gegenseitigen Respekt.

Franziskus und dem Sultan sei gelungen, als Gläubige in gegenseitigem Respekt in den Dialog zu treten. Diese Fähigkeit stehe heute erneut im Gegensatz zu Tendenzen zu Intoleranz und einem Konflikt der Zivilisationen, so Patton. Die Begegnung von vor 800 Jahren zeige deutlich, „wie trügerisch der durch Gewalt erzwungene Sieg und wie zerbrechlich durch Niederschlagung des Feindes errungener Frieden“ sei. Nur Begegnung und Dialog könnten langfristig Früchte tragen.

Vor 800 Jahren, zur Zeit der Kreuzzüge, war Franz von Assisi nach Ägypten gereist, um vor Sultan Al-Kamil zu predigen und ihm die friedliebende Seite des Christentums zu vermitteln. Der muslimische Herrscher sei so sehr von den Worten des Ordensmannes beeindruckt gewesen, dass er ihm wohlwollend zugehört habe, berichteten Zeitgenossen.

© KNA/cze