Schicksalswahl in Nigeria

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  • Nigeria - 15.02.2019

Am Samstag entscheiden 84 Millionen Wähler über die Zukunft von Afrikas bevölkerungsreichstem Staat. Der amtierende Präsident Buhari und Ex-Vizepräsident Abubakar liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

In Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos ist die Third-Mainland-Bridge, mit 11,8 Kilometern die zweitlängste Brücke des Kontinents, zugepflastert mit Wahlplakaten. An jeder Straßenlaterne hängt ein großes Foto mit Nigerias amtierenden Präsidenten Muhammadu Buhari (76). Ab und zu ist auch sein Vize Yemi Osinbajo (61) zu sehen.

Als Team – wie auch im US-amerikanischen System üblich – wollen sie für den All Progressives Congress (APC) vier weitere Jahre an Nigerias Staatsspitze verbleiben. Die unabhängige nationale Wahlkommission (INEC) hat im Januar insgesamt 73 Bewerbungen von Präsidentschafts- sowie ebenso vielen Vizekandidaten zugelassen.

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Zuverlässige Prognosen gibt es wenige Tage vor der Wahl nicht. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Buhari und Atiku Abubakar (72), der mit Peter Obi (57) für die People's Democratic Party (PDP) antritt. Die PDP war von 1999 – als Nigeria nach eineinhalb Jahrzehnten der Militärherrschaft zum Mehrparteiensystem zurückkehrte – bis zur Niederlage 2015 an der Macht. Diese will die Partei jetzt zurückholen. Vor allem aber will Abubakar seine vermutlich letzte Chance nutzen, um einmal Afrikas Riesenstaat mit mehr als 190 Millionen Einwohnern zu regieren.

Abubakar stammt aus dem Bundesstaat Adamawa im Nordwesten Nigerias. Er ist Muslim, hat vier Frauen und ist Vater von 28 Kindern. Mitte der 1970er Jahre begann er, ein Wirtschaftsimperium aufzubauen. Bis 1989 arbeitete er parallel dazu für den nigerianischen Zoll, zum Schluss in leitender Position. Heute bieten seine Unternehmen Dienstleistungen im Öl- und Gas-Sektor, in der Logistik und im Immobilienbereich an.

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Mit diesem Erfolg, so argumentieren seine Anhänger, werde es ihm gelingen, die Wirtschaft in Nigeria, das 2016 und 2017 die größte Rezession seit mehr als 30 Jahren erlebte, zu stärken und vor allem Jobs für junge Menschen zu schaffen. Es gilt als eine der Kernaufgaben für den künftigen Präsidenten, sind doch mehr als 62 Prozent der Einwohner jünger als 25 Jahre. Laut INEC ist jeder vierte Wähler Student oder Auszubildender.

Verlässliche Zahlen zu Abubakars Vermögen gibt es nicht, wohl aber immer wieder Vorwürfe der Korruption und Geldwäsche. So heißt es in einem Dokument des US-Senats, Abubakar und seine vierte Ehefrau Jennifer hätten zwischen 2000 und 2008 insgesamt 40 Millionen US-Dollar in die USA geschafft. Das geschah ausgerechnet in der Zeit, in der er Vizepräsident unter Olusegun Obasanjo war.

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Obasanjos Amtzeit war vor allem zum Schluss durch ständige Streitereien gekennzeichnet. Anschließend wechselte Abubakar mehrfach die Partei und gehörte noch bis 2017 dem regierenden APC an. Als sich abzeichnete, dass Buhari erneut antritt, kehrte Abubakar zur PDP zurück, was auch andere Politiker in Spitzenpositionen taten.

Buhari, der aus dem nordnigerianischen Bundesstaat Katsina stammt und bereits von Silvester 1983 bis August 1985 Militärherrscher war, versprach 2015 den „Wandel“. Seine Kernthemen waren die Stärkung der Wirtschaft, die Bekämpfung der Korruption sowie der Terrorgruppe Boko Haram. Schlecht schneidet er vor allem im Bereich Sicherheit ab. Seit Ende 2018 nehmen die Anschläge durch die Miliz wieder zu.

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Nach Informationen von Ärzte ohne Grenzen waren Ende Januar 30.000 Menschen aus der Stadt Rann im Bundesstaat Borno ins benachbarte Kamerun geflüchtet. Im Bundesstaat Zamfara starben in den vergangenen Wochen Dutzende Menschen durch Überfälle von Banditen. Im Zentrum Nigerias, der Grenzregion zwischen dem muslimischen Norden und dem eher christlichen Süden, schwelt weiterhin ein Konflikt zwischen Farmern, Viehhirten und bewaffneten Banden. Laut Amnesty International wurden von Januar 2016 bis Oktober 2018 mindestens 3.641 Menschen ermordet.

Spekulationen, ob rund um die Wahlen weitere Gewalt ausbricht, hat es in den vergangenen Wochen häufig gegeben. Anfang Februar rief die Nigerianische Bischofskonferenz zur friedlichen Stimmabgabe auf. In ihrer Erklärung hieß es außerdem, es müsse weitere Bemühungen geben, das Land und seine Bewohner zu einen. Häufig identifizieren sich Nigerianer stärker mit Religion, geografischer sowie ethnischer Zugehörigkeit als mit dem Staat.

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Auch bei Wahlentscheidungen spielt das eine Rolle. Die Bischöfe im Südwesten Nigerias forderten die Regierung zudem auf, die Arbeit der Wahlkommission nicht zu beeinflussen. Wahlmanipulation, Stimmenkauf und Einschüchterung werden durchaus praktiziert. 116 nationale und 28 internationale Organisationen sind als Wahlbeobachter zugelassen.

Mit 20,2 Millionen Menschen hat der Nordwesten die größte Zahl registrierter Wähler, gefolgt vom Südwesten mit 19,4 Millionen. Da dieses Mal beide Spitzenkandidaten aus dem Norden stammen, kann für unentschlossene Wähler die Herkunft ihrer Vize-Kandidaten entscheidend sein. Der Rechtswissenschaftler und Pastor der Pfingstkirche Redeemed Christian Church of God, Yemi Osinbajo, ist Yoruba und stammt aus der Metropole Lagos im Südwesten. Geschäftsmann Peter Obi, der unter anderem im Bankensektor gearbeitet hat, kommt unterdessen aus Anambra und gehört zur Ethnie der Igbo.

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