Wer wird neuer Präsident Nigerias?

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  • Nigeria - 12.02.2019

Mehr als 84 Millionen Wähler sind aufgerufen, am Samstag in Afrikas einwohnerreichstem Staat einen neuen Präsidenten zu wählen. Erwartet wird ein knappes Rennen zwischen Amtsinhaber Muhammadu Buhari und Atiku Abubakar.

Ya'u Umar Bakar Daura sitzt vor seinem Lehmhaus zehn Kilometer außerhalb des Provinzstädtchens Daura. Ab und zu blinzelt er verächtlich auf die andere Straßenseite hinüber. Dort flattern seit kurzem in einem Baum Plakate von Präsidentschaftskandidat Atiku Abukar (72) von der People's Democratic Party (PDP). „Was dieser Unsinn soll, weiß ich nicht“, sagt er kopfschüttelnd – und beeilt sich, eigene Plakate aus dem Haus zu holen. Darauf zu sehen sind der amtierende Präsident Muhammadu Buhari (76) und das Logo des All Progressives Congress (APC).

Beide Kandidaten werden sich wohl am Samstag ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaft in Nigeria liefern. Sicher ist nur, dass die übrigen Kandidaten – die unabhängige nationale Wahlkommission INEC hatte im Januar 73 zugelassen – keinen Einfluss auf den Ausgang haben dürften.

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Ya'u Umar Bakar Daura ist seit Jahren Buhari-Anhänger. Beide stammen aus Daura im Bundesstaat Katsina. Von Silvester 1983 bis 1985 war Buhari bereits Militärherrscher. Ya'u Umar Bakar Daura hat sich einer der zahlreichen Unterstützergruppen für Buhari und Vize Yemi Osinbajo angeschlossen. Sie hängen Plakate auf, organisieren Treffen und Kundgebungen.

Die größte versammelte sich am vergangenen Samstag in der Wirtschaftsmetropole Lagos. APC-Anhänger füllten das Stadion in Surulere, in dem mehr als 24.000 Menschen Platz haben. Die Regierung sperrte 18 Straßen.

Auf Bildern und in kleinen Videos sieht die Kampagne beeindruckend aus. Doch Jude Udo Ilo, Landesleiter der nichtstaatlichen Organisation Osiwa (Open Society Initative for West Africa) in der Hauptstadt Abuja sagt: „Das ist der enttäuschendste Wahlkampf, den ich je gesehen habe. Ich kann mich noch an die Lieder der Kandidaten in den 80er und 90er Jahren erinnern. Was jetzt gesungen wird, weiß ich nicht.“ Seine Sorge: Statt auf die Motivation der Wähler zu vertrauen, könnten die Kandidaten andere, unsaubere Wege verfolgen, um die Wahlen zu gewinnen.

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Stimmenkauf und Betrug sind weit verbreitete Bedenken. Und je näher der Wahltag rückt, desto stärker werden sie. Vergangene Woche forderten die katholischen Bischöfe aus dem Südwesten Nigerias die Regierung auf, die Arbeit der Wahlkommission nicht zu beeinflussen. Der INEC-Vorsitzende Mahmood Yakubu betonte vor Journalisten in Abuja, die Wählerkarten könnten gar nicht manipuliert werden. Doch bedenkliche Vorfälle nehmen zu. Am Wochenende gingen in den Bundesstaaten Plateau und Abia zwei INEC-Büros in Flammen auf.

Dass der Wahlkampf aktuell so ruhig ist, liegt auch an einer gewissen Behäbigkeit des Amtsinhabers. Buhari betont in seinem Wahlprogramm zwar, dass er seine drei Kernziele von 2015 – Korruptionsbekämpfung , soziale Stabilisierung und Sicherung des Nordostens – erreicht habe. Tatsächlich fällt seine Bilanz eher mager aus. So nehmen die Angriffe von Boko Haram am Tschadsee wieder zu. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wurden Ende Januar in der Stadt Rann in Borno erneut 60 Menschen umgebracht. Laut nigerianischer Armee gibt es dafür aber keine Belege.

Auch das Wirtschaftswachstum ist in der Buhari-Ära eingebrochen. Lag das Bruttoinlandsprodukt unter Vorgänger Goodluck Jonathan (PDP) 2014 noch bei 568,5 Milliarden US-Dollar, waren es drei Jahre später nur noch 375,8 Milliarden Dollar. Die Inflationsrate beträgt mehr als 11 Prozent.

Die Stärkung der Wirtschaft ist das Hauptziel von Herausforderer Atiku, der von 1999 bis 2007 schon einmal Vizepräsident war und bei der vergangenen Wahl noch Buhari unterstützte. Wie dieser stammt auch er aus dem Norden. Er ist Muslim, hat vier Frauen; die Rede ist von 28 Kindern. Seit den 70er Jahren hat er sich ein Wirtschaftsimperium mit Unternehmen im Öl- und Gassektor sowie im Logistikbereich aufgebaut. Über Atikus Vermögen gibt es keine zuverlässigen Zahlen. In seinem Heimatdorf Kojoli im Bundesstaat Adamawa sagt Bezirksleiter Kabiru Hayatu: „Atiku wird Arbeitsplätze schaffen.“

Neben der Sicherung des Nordostens und der Verbesserung der Infrastruktur ist das eine der Kernaufgaben für den künftigen Präsidenten. Laut der Weltarmutsuhr leben in Nigeria aktuell mehr als 91 der rund 190 Millionen Einwohner in extremer Armut.