Hernan Cortes eroberte vor 500 Jahren Mexiko

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  • Weltkirche - 06.02.2019

Als Hernan Cortes von Kuba nach Mexiko aufbrach, begann ein neues Kapitel der Weltgeschichte. Wobei der Spanier keineswegs die einzige Hauptfigur war – und seine Unternehmung mehrfach beinahe gescheitert wäre.

Der ganze Hergang ist in mindestens ebenso vielen Varianten überliefert wie der Name von Montezuma (oder korrekter: Moteuczoma). Der Aztekenherrscher sollte der mächtigste Gegner werden, mit dem es der Spanier Hernan Cortes vor 500 Jahren bei seinem Eroberungszug durch das heutige Mexiko zu tun bekam.

Darüber hinaus bevölkern das Tableau jedoch eine Fülle weiterer Figuren. Es treten unter anderen auf: eine Gottheit namens Quetzalcoatl, ein nach Weltenherrschaft strebender Kaiser im fernen Europa, ein „dicker Kazike“ aus dem Land der Totonaken und eine junge indigene Adelige namens Malinche, die dem Urteil eines Weggefährten von Cortes zufolge „nach Gott den größten Anteil daran hatte“, dass das später so genannte Vizekönigreich Neuspanien errichtet werden konnte.

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In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.

 


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Fest steht: Die elf Schiffe, die am 10. Februar 1519 – andere Quellen sprechen vom 18. Februar – von Kuba Richtung Mexiko in See stachen, veränderten den Lauf der Geschichte. Neben Cortes mit an Bord: rund 500 Mann sowie diverse Waffen, 16 Pferde und eine erkleckliche Anzahl an Bluthunden. Die Conquistadoren trugen dazu bei, die rund drei Jahrhunderte währende spanische Präsenz in Mittel- und Südamerika zu etablieren, hoch entwickelte indigene Gesellschaften zu zerschlagen und das wirtschaftliche und kulturelle Leben in Europa umzukrempeln.

Der damals 34-jährige Cortes steht stellvertretend für eine Generation, die in der alten Heimat wenig Perspektiven hatte und daher ihr Glück in der Neuen Welt suchte. „Wie viele Angehörige dieser Generation erwies sich Cortes als unterwürfig und verschlagen im Umgang mit den Höherstehenden, skrupellos im Umgang mit seinesgleichen und brutal und rücksichtslos im Umgang mit der indigenen Bevölkerung“, schreibt der Berliner Historiker Stefan Rinke in seinem soeben erschienenen Buch „Conquistadoren und Azteken“.

Mexiko - 12.01.2018

Besuch in einer Dorfgemeinschaft der Tzeltal-Maya im mexikanischen Bundesstaat Chiapas.

 


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Das Streben nach Prestige und die Gier nach Gold trieben Cortes und seine Männer zunächst zu der vor Yucatan liegenden Insel Cozumel. Der Erstkontakt mit den Maya geriet zu einem Aha-Erlebnis für die Invasoren. Die Spanier, so wandte sich ein Chronist an Papst Leo X., „entdeckten sogar – staune Heiliger Vater! – zahlreiche Bücher“. Schon die nächste Begegnung endete jedoch im Kampf, an dessen Ende Cortes von den unterlegenen Maya 20 Sklavinnen erhielt, darunter die etwa 20-jährige Malinche.

Die mutmaßlich aus einer Adelsfamilie der Nahua stammende Frau wurde dank ihrer Sprachenkenntnis zu einer Schlüsselfigur bei der Eroberung Mexikos – und avancierte zeitweilig zur Konkubine von Cortes. Während den Spaniern zu dämmern begann, in was für einem Dschungel aus Kulturen und Gemeinschaften sie am Golf von Mexiko eintauchten, kam es zu ersten Kontakten mit den weiter im Landesinneren siedelnden Azteken und den an der Küste ansässigen Totonaken. Diese waren erst kurz vorher von Moteuczomas Vater unterworfen worden. Mit der Ankunft der Europäer witterte der Totonaken-Herrscher von Cempoala, Chicomecatl, Morgenluft.

Mexiko - 12.01.2018

Erzbischof Felipe Arizmendi Esquivel leitete 17 Jahre lang die Diözese San Cristobal de las Casas im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, wo mehrheitlich Indigene leben. Im Interview spricht er über die zunehmende Bedeutung der Indigenen für die Kirche und Gesellschaft Mexikos.


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Der „dicke Kazike“ führte den Europäern vor Augen, auf welch tönernen Füßen die Herrschaft der Azteken stand und welche Reichtümer in der Region zu holen waren. Unterdessen machte auch Moteuczoma über Boten seine Aufwartung. Diese berichteten hinterher über die spanischen Rösser und ihre Reiter: „Sie gehen schnell auf ihren Hirschen.“ Die Waffen seien von furchterregender Durchschlagskraft. „Wenn sie Feuer speien, versetzt es einen in Schrecken. Du würdest schreien, wenn du es hörtest.“

Ob die Conquistadoren in ihren Rüstungen den Azteken tatsächlich wie Götter vorkamen, die einer schon länger erwarteten Rückkehr des Quetzalcoatl den Weg bereiteten, beurteilt die jüngere Forschung zurückhaltend. Auf jeden Fall ließ „der gewaltige Kaiser“ Moteuczoma, wie Cortes ihn nannte, den Spaniern höchste Ehren angedeihen.

Im August 1519 setzte sich der Tross in Bewegung Richtung Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan, auf dem Gebiet des heutigen Mexiko-Stadt gelegen. Einen Hinterhalt in Cholula überlebten die Conquistadoren knapp – Malinche hatte kurz zuvor eine Warnung erhalten. Am 8. November folgte schließlich der Einzug in eine der größten Metropolen der damaligen Welt.

„Die Stadt selbst liegt mitten in einem See und ist nur über Steindämme zugänglich“, schreibt Cortes. Auf den Plätzen herrsche geschäftiges Treiben. „Da gibt es Kleinodien aus Gold und Silber, Blech, Messing, Knochen, Muscheln, Hummerschalen und Federn zu kaufen, Werkzeuge, Vögel, Kleingetier, heilkräftige Kräuter, Gemüse und zahllose andere Dinge.“

Zwei Jahre später lag Tenochtitlan in Trümmern, waren Moteuczoma und sein Nachfolger Cuitlahuac tot, der letzte Herrscher Cauhtemoc ein Gefangener der Spanier. Die blutige Bilanz laut Historiker Rinke: Vielleicht 1.000 tote spanische Soldaten und Abertausende indigene Krieger und Zivilisten.

In Europa zeigte sich der Habsburger Karl V. dem Eroberer gegenüber erkenntlich. Zugleich sorgte er jedoch dafür, dass dessen Macht nicht ins Unermessliche wuchs. Mit den Reichtümern aus den neuen Besitzungen finanzierte der Monarch, in dessen Reich „die Sonne nie unterging“, seine eigenen Kriege.

Cortes, ein „glänzender Geschäftsmann“, wie Rinkes Kollege Wolfgang Reinhard schreibt, mehrte unterdessen seinen Reichtum. Die ersten Zuckermühlen Mexikos, eine Seidenraupenzucht sowie diverse Gold- und Silberbergwerke: All dies und noch viel mehr ging auf das Konto des Glücksritters. Er werde dereinst, so sagte Cortes angeblich, „zum Klang der Fanfaren speisen oder am Galgen sterben“. Ersteres ist ihm gelungen.